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Wissen, was in der Verwaltung passiert SOA und BI – Freunde oder Feinde?

| Autor / Redakteur: Daniel Liebhart, Dozent für Informatik an der Hochschule für Technik in Zürich und Solution Manager / Gerald Viola

Unterschiedlicher könnten zwei Anforderungsprofile kaum sein: Während serviceorientierte Architekturen (SOA) auf die Flexibilisierung und Agilität von IT-Systemen abzielen, sollen Business-Intelligence-Systeme (BI) Managementinformationen aus einem Meer von Daten möglichst zeitnah zur Verfügung stellen. Das eine Modell dient als Unterstützungsfunktion für betriebliche Prozesse, das andere als Unterstützungsfunktion für betriebliche Entscheidungen. Trotz des scheinbaren Widerspruchs behaupten zahlreiche Hersteller, dass sich die beiden Ansätze SOA und BI ergänzen oder gar bedingen. Handelt es sich nun um „Freunde“ oder „Feinde“?

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SOA und BI für eGovernment-Projekte
SOA und BI für eGovernment-Projekte
( Archiv: Vogel Business Media )

Beide Ansätze umfassen eine Reihe von Konzepten, Architekturen, Werkzeugen und Methoden. Die Antwort auf die Frage nach dem Verhältnis der Ansätze untereinander hängt von der Nützlichkeit der Instrumente ab, die SOA für die Realisierung von BI-Systemen zur Verfügung stellt. Nur eine differenzierte Betrachtung der drei wichtigen BI-Architekturen – Corporate Performance Management (CPM), Realtime Enterprise (RTE) und Data Warehouse (DWH) – hilft, die Mittel von SOA gewinnbringend für ein Business-Intelligence-System einzusetzen.

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Der Nutzen von SOA für CPM

Corporate Performance Management ist ein systematischer und integrierter Managementansatz, der eine Unternehmensstrategie mit den Kernprozessen und Kernaktivitäten einer Organisation verbindet. Dazu stellt CPM eine Reihe von Planungs-, Budgetierungs-, Analyse- und Reportinginstrumenten bereit, mit deren Hilfe Entscheidungen gefällt werden können. Der Fokus von CPM liegt auf den generellen Geschäftszielen einer Unternehmung und weniger auf den einzelnen Aufgaben. Die Unternehmensstrategie wird in eine Vielzahl von Aufgaben aufgeteilt, die jede für sich mit einem Zielwert (Key Performance Indicator, kurz KPI) hinterlegt ist.

Eine CPM-Architektur, wie sie beispielsweise das „Dipartimento di Elettronica, Informatica e Sistemistica“ (DEIS) der Universität von Bologna definiert hat, besteht aus einer Reihe von logischen Komponenten, die unter dem Stichwort Business Activity Monitoring (BAM) zusammengefasst sind. Bei dieser BAM-Architektur handelt es sich nicht um eine Erweiterung der traditionellen Data-Warehouse-Architektur. Vielmehr wird die zusätzliche Funktionalität für die taktische und operative Steuerung eines Unternehmens als selbstständiger Systembereich realisiert.

Kernfunktionalität von CPM ist nach wie vor das Data Warehouse. Diese Systeme werden in den meisten Fällen getrennt von der eigentlichen IT-Systemlandschaft eines Unternehmens gehalten, da sie differierende Grundeigenschaften als andere Systeme aufweisen.

Vor allem ist der Datentransfer in diesen Systemen wesentlich höher und genau darauf ist SOA nicht ausgelegt, da es von lose gekoppelten Systemen ausgeht, die mit möglichst wenig Datentransfer auskommen. Die Trennung der Geschäftslogik in funktionale Blöcke (Services) und Abläufe (Orchestration) erfordert nur einen minimalen Datentransfer zwischen den einzelnen Komponenten.

Innerhalb der SOA Software Stacks verschiedener Hersteller existiert ebenfalls ein Bereich namens Business Activity Monitoring (BAM). Im Gegensatz zum eingangs erwähnten BAM innerhalb der CPM Architektur konzentriert sich „SOA BAM“ aber auf die Überwachung ausführbarer Prozesse, die in der Orchestrierungsschicht ablaufen. „CPM BAM“ hingegen fasst sämtliche geschäftsrelevanten Informationen aus den operativen Systemen zu einer Gesamtsicht auf alle KPIs des Unternehmens zusammen.

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