Digitalpakt Schule bringt moderne IT-Infrastruktur ins Klassenzimmer

So kommen Schulen an die Fördergelder

| Autor / Redakteur: Christian Förg / Andreas Donner

Fünf Milliarden Euro stellt der Bund den deutschen Schulen für die Digitalisierung in den nächsten fünf Jahren bereit. Wer Fördergelder will muss in Sachen IT-Planung jedoch einiges beachten.
Fünf Milliarden Euro stellt der Bund den deutschen Schulen für die Digitalisierung in den nächsten fünf Jahren bereit. Wer Fördergelder will muss in Sachen IT-Planung jedoch einiges beachten. (Bild: © Rawpixel.com - stock.adobe.com)

Der Digitalpakt Schule ist da. Endlich. Doch was bedeutet er konkret für die Schulen? Was müssen sie tun, um in den Genuss der Gelder für den Ausbau der digitalen Infrastruktur zu kommen und welche Infrastruktur sollte es sein? Worauf sollten Schulen im Einzelnen achten, damit Schüler und Lehrkräfte bestmöglich profitieren?

Am 15. März nahm der Digitalpakt Schule die letzte Hürde im Bundesrat. Nun ist das Paket beschlossen, und es kann losgehen mit der Digitalisierung aller Schulen in Deutschland. Fünf Milliarden Euro will der Bund dafür in den nächsten fünf Jahren Ländern und Kommunen für die insgesamt 43.000 Schulen bereitstellen. Der Großteil des Geldes – 3,5 Milliarden Euro – soll noch in dieser Legislaturperiode verwendet werden. Mit dem Geld soll das digitale Lernen gefördert und insbesondere auch die digitale Infrastruktur an Deutschland Schulen aufgebaut werden.

Jetzt kommt es darauf an, die richtigen Weichen zu stellen in Bezug auf Netzinfrastruktur, digitale Ausstattung und Kommunikationsmöglichkeiten für Lehrer und Schüler. Allerdings stellt die Integration digitaler Medien in Schulen alle Beteiligten vor eine besondere Herausforderung, weil es für diesen komplexen Innovationsprozess noch keine „schlüsselfertigen“ Lösungen gibt.

Wie kommt die Schule an die Förderung?

„Keine Ausstattung ohne Konzept“ lautet eine Maxime im Digitalpakt. Schulen und Kommunen werden damit verpflichtet, einen Medienentwicklungsplan für die Beantragung von Fördergeldern aufzustellen. In dem Plan müssen sie ihren Bedarf an Geräten und Verkabelung sowie digitalen Schulmaterialien begründen. Mit dem Plan erhalten Schulleitung, Verwaltung und Träger ein Werkzeug an die Hand, mit dem sie die Digitalisierung Schritt für Schritt angehen können. Und für Schüler wiederum gewährleistet er eine langfristig gute Ausbildung.

Der Medienentwicklungsplan ist also von zentraler Bedeutung. Ohne den geht nichts. Alcatel-Lucent Enterprise empfiehlt übrigens ein Consultingbüro hinzuzuziehen, wenn nicht Lehrkräfte oder Verwaltungsmitarbeiter mit entsprechendem IT-Know-how vorhanden sind. In Städten und Landratsämtern sind der Erfahrungshorizont und daraus resultierend die Anforderungen sehr unterschiedlich.

Angesichts dieser Gemengelage ist es naheliegend, dass es auch keine fixierten Anforderungen in Hinblick auf die zu verwendete Technologie oder gar ein technologisches Starterpaket gibt. Dennoch sollten Kommunen, Schulen und Träger einige Grundanforderungen vor Augen haben, wenn sie an die Technologie für den Medienentwicklungsplan denken. So benötigen Schulen eine Netzwerk-Umgebung, die zuverlässig die steigende Anzahl der Schüler-Endgeräte (BYOD) und das Internet der Dinge (IoT) unterstützt. Netzwerklösungen sollten eine solche Infrastruktur schaffen und gleichzeitig für eine einfache Bereitstellung und Nutzung sorgen.

Eine leistungsstarke und zuverlässige WiFi- Lösung im Schulalltag sollte benutzerfreundlich, konsistent auf allen kompatiblen Endgeräten, leicht skalierbar, nachweislich kosteneffizient und selbstverständlich umfassend sicher sein. Neben der Bereitstellung von Konnektivität, die besonders die Lehrkräfte fordern, ist die integrierte Sicherheit zentral, um die Schüler zu schützen. So sollten automatisierte Sicherheitsprofile für eine sichere Anwendung für die Schüler, Lehrkräfte und Besucher Standard sein. In puncto Leistungsfähigkeit sollte ein High-Speed-WLAN, das die neuesten Standards und eine verteilte intelligente WLAN-Architektur bietet, verwendet werden.

Sinnvolle Technologien für die Schüler

Aktuell stattet eine Stadt in NRW 80 Schulen mit WLAN aus, um eine vollständige WLAN-Abdeckung nicht nur im Klassenzimmer, sondern auch im öffentlichen Bereich, also in den Schulhöfen zu erreichen. Die Schüler sollen so einen durchgängigen Zugriff auf die von der Schule bereitgestellten Lehrmaterialien erhalten. Die WLAN-Lösung wird rein für die drahtlose Infrastruktur der Schulen genutzt, während sich Schüler und Lehrkräfte über ein bereits vorhandenes Portal authentifizieren. Derzeit sind 700 Access Points installiert, Im Endausbau sollen 1.600 Access Points die Schulen vernetzen.

Im aktuellen WLAN-Standard ist theoretisch ein Gigabit-Durchsatz pro Zugangspunkt möglich, was bedeutet, dass bei einem in einer Schule mit zahlreichen Nutzern durchaus wahrscheinlichen Durchsatz von zehn Gigabit zehn Access Points nötig wären. Wer sich die Zahl von 1.600 Access Points vor Augen führt; erkennt, dass Skalierbarkeit eine zentrale Anforderung an die WLAN-Lösung ist. Um diese zu gewährleisten, kommt in dem Pilotprojekt eine controllerlose Lösung zum Einsatz, die über eine Management-Software die Anzahl der Access Points orchestriert.

Viele traditionelle WLAN-Lösungen arbeiten hingegen noch mit einer großen Controller-Hardware, über die die Access Points angebunden und verwaltet werden. In diesem Modell muss ein größerer Controller erworben werden, sobald eine bestimmte Grenze von anbindbaren Geräten erreicht ist.

Bei controllerlosen Lösungen, die cloudbasiert die Leistung verteilen, spielt es hingegen keine Rolle, ob fünf, zehn, 100 oder gar 5.000 Access Points verwaltet werden. Auf eine solche moderne, controllerlose Lösung sollte die Schule, der kommunale Träger oder das Land bei der Auswahl achten. Diese Lösung skaliert ohne Begrenzung.

Kommunikationsplattform

Ein zweiter wichtiger Aspekt bei der Wahl der Infrastruktur-Lösung ist eine Kommunikationsplattform für die Kommunikation innerhalb der Schule zwischen Lehrern sowie Eltern und Schülern und Klassen. Sie sollte DSGVO-konform sein und es Lehrern, Schülern und Eltern ermöglichen, per Chat, Video oder IP-Telefonie, einzeln oder in Gruppen zu kommunizieren oder Dokumente zu teilen. Die Daten sollten sicher auf dem Schulserver gespeichert werden. Schüler sollten sich über ein so genanntes Social Login im WLAN anmelden können. Das Social Login über ein persönliches Social-Media-Profil oder eine klassenbezogene Zuordnung erlaubt eine sichere Authentifizierung der Schülerinnen und Schüler. Sicherlich auch interessant für Schulen ist es, wenn sie mit einer im Access Point integrierten Applikationserkennung bestimmte Apps wie z.B. WhatsApp verbieten bzw. so verlangsamen können, dass es keinen Spaß mehr macht, mit ihnen zu kommunizieren. Eine solche Funktion ist übrigens konform zur Gesetzeslage in einigen Bundesländern, die WhatsApp in Schulen verboten haben.

Zu empfehlen ist schließlich, dass eine solche Kommunikationslösung eine offene Architektur bietet, um mithilfe von entsprechenden APIs verschiedenste im Schulnetzwerk vorhandene Anwendungen wie z.B. eine Stundenplan-Software anzubinden. Ein Service-Bot könnte alle Schüler oder Klassen über Stundenplanänderungen informieren. Eine Anbindung an jegliche Schulverwaltungs-Software ist dann genauso möglich wie an pädagogische Lern- oder Gefahrenmeldesysteme.

Die Chancen und Möglichkeiten im digitalen Klassenzimmer sind also über eine durchdachte und sichere Vernetzung und mit einer entsprechend offenen Schnittstellenarchitektur, vielfältig und nahezu grenzenlos.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf unserem Schwesterportal IP-Insider.

Über den Autor

Christian Förg ist VP Vertical Sales bei Alcatel-Lucent Enterprise.

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