Accenture-Studie

So gelingt digitale Souveränität

| Autor / Redakteur: Philip Hauth & Jakob F. Scherer* / Regina Willmeroth

Handlungsempfehlungen

Hierfür erstellten die Studienautoren konkrete Handlungsempfehlungen für Politik und Wirtschaft. Im Folgenden stellen wir vier Maßnahmen mit besonderer Aktualität kurz vor:

I. Öffentliche Beschaffung zukunfts- und anschlussfähiger Technologien fördern

Um eine zu hohe Abhängigkeit des Staates von einzelnen Anbietern und Technologien zu vermeiden, sollte dieser bei seiner Ausschreibungspraxis gezielt zukunftsfähige Technologien sowie Interoperabilität begünstigen. Dies kann in Deutschland auf Grund der föderalen Strukturen jedoch nicht ohne weiteres zentral verordnet werden. Deshalb sollten Bund und Länder zum einen gezielt Modellprojekte unterstützen, die mithilfe von regionalen und überregionalen Kooperationen auf Best-Practice-Standards hinwirken. Ein gutes Beispiel aus dem Ausland ist die Einführung der OV-chipkaart als einheitliches eTicket für den gesamten Öffentlichen Nah- und Zugverkehr in den Niederlanden. Zweitens sollte ein Kriterienkatalog für alle Ausschreibungen entwickelt und stets aktualisiert werden, um diejenigen Zukunftstechnologien zu identifizieren, die in relevanten Anwendungsfeldern Berücksichtigung finden sollten.

II. Kompetenzaufbau für neue Geschäftsmodelle durch Ökosysteme unterstützen

Bisher ist die Landschaft der öffentlichen Gründungs- und Innovationsförderung sehr unübersichtlich und trägt kaum zum Aufbau von Ökosystemen bei. Deshalb sollte das BMWi eine Strategie mit konkreten Maßnahmen zur Aufhebung von horizontalen und vertikalen Doppelstrukturen in der Förderung aufsetzen.

Die bereits existierende „Digital Hub Initiative“ des BMWi könnte ein Vehikel für eine solche Strategie darstellen, bei der es vor allem darum gehen muss, länderübergreifend Synergien zu nutzen und eine optimale Innovationsförderung zu garantieren. Es geht jedoch nicht darum, einfach mehr staatliche Mittel für Innovation bereitzustellen, sondern gezielt innovative und dynamische Ökosysteme zu schaffen.

III. Eine „Kultur der IT-Sicherheit“ in Organisationen verankern

IT-Sicherheit ist heute ein entscheidender Wettbewerbsvorteil. Daher sollten alle Unternehmen ab einer bestimmten Größe einen IT-Sicherheitsbeauftragten benennen – idealerweise vom Gesetzgeber vorgeschrieben. Dieser ist dafür verantwortlich, dass bestimmte Standards in allen IT-betreffenden Prozessen eingehalten werden. Zudem müssen Unternehmen die erforderlichen Kompetenzen auf dem Gebiet der IT-Sicherheit auf- und ausbauen und ihre Mitarbeiter entsprechend weiterbilden.

Darüber hinaus ist die Kooperation aller beteiligten Akteure, die entlang einer Wertschöpfungskette eigene und fremde Daten und Systeme schützen wollen, zu empfehlen. Dafür bietet sich der Aufbau einer gemeinsam nutzbaren Cyber-Sicherheits- und IT-Sicherheits-Infrastruktur an, etwa durch die Bereitstellung öffentlich verfügbarer Schlüsselserver.

IV. Gemeinsame Strategieplattform und Souveränitätsbarometer benötigt

Die Interessenlagen innerhalb der Gesellschaft sowie innerhalb der Digitalwirtschaft sind vielfältig; oft fehlt es aber an Kooperation und Austausch. Deshalb sollte das B­MWi federführend einen Multi-Stakeholder-Prozess initiieren und in diesem Zusammenhang eine gemeinsame Strategieplattform aufbauen. Letztere schreibt konkrete Leitlinien fest, um bestehende Herausforderungen bei der Erlangung von digitaler Souveränität zu adressieren und zu überwinden.

Um Fortschritte zu messen und fortbestehende Schwachstellen auszumachen, ist die Entwicklung eines „Index Digitale Souveränität“ ratsam. Ein solches „Souveränitätsbarometer“ würde dabei helfen, konkrete Handlungsbedarfe zu formulieren und bestimmte Bereiche zu priorisieren. Es könnte jährlich aktualisiert und an das BMWi übermittelt werden.

Philip Hauth
Philip Hauth (Bild: Accenture GmbH)

Jakob F. Scherer
Jakob F. Scherer (Bild: Accenture GmbH)

Fazit

Deutschland ist auf einem guten Weg, bei der digitalen Souveränität weitere Fortschritte zu machen. Entscheidend ist, dass der Staat bei digitalen Technologien auf eigene Insellösungen verzichtet und vielmehr auf möglichst offene Schnittstellen sowie eine transparente Datenverwendung setzt, um ein stabiles und innovatives Ökosystem aufzubauen. Übergreifend ist es zudem von großer Bedeutung, die Diversität der IKT-Fachkräfte zu erhöhen, also etwa mehr Frauen für solche Berufsbilder zu begeistern. Damit würde nicht nur dem Fachkräftemangel entgegengewirkt; zugleich erfordert die kollaborative Entwicklung digitaler Technologien heterogene Teams.

Alle Ergebnisse und Handlungsempfehlungen entnehmen Sie bitte der Studie.

* Die Autoren: Philip Hauth ist Leiter Management Consulting, Öffentliche Verwaltung Deutschland, Accenture. Jakob F. Scherer ist Strategieberater, Öffentliche Verwaltung, Accenture.

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posted am 19.07.2017 um 07:49 von Unregistriert


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