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Bürger beteiligen Smarte Verkehrskonzepte müssen her

| Autor / Redakteur: Thomas Anderer* / Susanne Ehneß

Die derzeitige Corona-Krise offenbart: Kurier-Express-Paket-(KEP)-Dienste gelangen bei gestiegenem Absatz im Onlinehandel schnell an ihre Kapazitätsgrenzen. Zudem zeigen Entwicklungen wie der Klimawandel und Fachkräftemangel, dass Spediteure neue Lösungen für Herausforderungen in der Logistik nicht nur finden, sondern auch umsetzen müssen. Es ist dringend an der Zeit, zu handeln. Schließlich entlasten zukunftsorientierte Verkehrskonzepte auch Städte.

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Thomas Anderer, CEO von efeuCampus
Thomas Anderer, CEO von efeuCampus
(© efeuCampus)

Folgend drei Visionen, die endlich Schluss mit dem Verkehrschaos machen:

Radikal vorausdenken und Daten nutzen

Welches Verkehrsaufkommen auf den Straßen in unseren Städten und Gemeinden just in diesem Moment besteht, ist nur schwer nachzuvollziehen. Zwar gibt es Verkehrs- und Staumelder, was aber bei Weitem für eine automatisierte, bedarfsgerechte Steuerung des Verkehrsflusses nicht ausreicht. Deshalb müssen wir in Deutschland die Transformation radikal vorausdenken und mithilfe digitaler Möglichkeiten effizienter und effektiver werden, damit Daten von Verkehrsplanern zur Verfügung stehen, um diese analysieren, bewerten und nutzen können.

Vorreiter in Sachen Digitalisierung sind beispielsweise Länder wie Dänemark, Estland, Finnland, die Niederlande oder Österreich – Deutschland ist hier allenfalls Mittelmaß, obwohl wir uns gerne als Innovationstreiber darstellen. Nutzt man diese Daten, dann ist es möglich, flexibel zu reagieren, wenn beispielsweise gerade ein Konzert zu Ende ist und eine Masse an Menschen mit den Verkehrsmitteln nach Hause fahren möchte.

Wenn wir alle Verkehrsflüsse, -daten und -ströme zusammenführen, sind auch KEP-Dienste große Profiteure. Diese Unternehmen können zum Beispiel via App auf diese Analysen zugreifen und wissen so genau Bescheid, welche Gebiete sie innerhalb einer Region zu welchem Zeitpunkt meiden sollten. Diese Technologie lässt sich mithilfe von Predictive Analytics unterstützen. Dabei handelt es sich um ein System, das auch die künftige Verkehrsentwicklung auf Basis von Daten exakt voraussehen kann, sodass KEP-Dienste oder Spediteure bedarfsgerecht auf etwaige Stoßzeiten reagieren können, um Routen umzuplanen. Das spart Zeit und Geld.

In Deutschland scheitern solche Konzepte aber häufig an strengen Datenschutzrichtlinien (DSGVO) und an fehlender Akzeptanz neuer Technologien in der Bevölkerung. Letzteres liegt vor allem daran, dass Kommunen Bürger in Entwicklungsphasen unzureichend einbeziehen – und dass in der Forschung die späteren Anwender nur wenig Beachtung finden.

Kontaktlose Paketzustellung reduziert Lieferkosten

COVID-19 hat gezeigt: Das Ansteckungsrisiko lässt sich minimieren, wenn Paketdienste Sendung vollkommen kontaktlos übergeben. In einer Smart City übernehmen dies zukünftig autonome Roboter. Für KEP-Dienste ist vor allem die letzte Meile die teuerste Etappe der Paketzustellung. Statistiken belegen, dass Paketzusteller Adressaten im Durchschnitt drei Mal anfahren müssen. Dies verursacht erhebliche Mehrkosten in der Paketzustellung. Aus diesem Grund sind für diese Branche autonome Fahrzeuge von besonderem Interesse.

Als EU-gefördertes Innovationszentrum in Bruchsal erforschen wir als erstes deutsches Testareal für urbane, autonome Güterlogistik die (a)synchrone Paketzustellung. Am Rande einer Smart City befinden sich Mikrodepots, an denen KEP-Dienste Pakete an autonome Fahrzeuge übergeben. Diese lassen sich vom Empfänger per App zu sich bestellen, wenn er zu Hause ist (synchrone Zustellung) oder aus einer installierten Station an einem bestimmten Ort entnehmen (asynchrone Zustellung). Ebenso ist über beide Wege möglich, Retouren aufzugeben. Bei Letzterem transportiert das Fahrzeug die Waren zurück zum Depot, in dem KEP-Dienste das Paket wieder übernehmen können.

Zeitunabhängige Zustellung rund um die Uhr

Im Zuge von Corona haben viele Paketdienste darüber nachgedacht, auch an Sonn- und Feiertagen Pakete zuzustellen – um das erhöhte Aufkommen bei Online-Bestellungen abarbeiten zu können. Eine zeitunabhängige Zustellung ist nicht nur für die Empfänger bequem und komfortabel, sondern bietet auch für KEP-Dienste die Chance, ihre Ressourcen besser zu nutzen. Eine Zustellung mit autonomen Fahrzeugen ist mit einem smarten Konzept problemlos ohne Personen auch in der Nacht oder am Wochenende möglich.

Sicher ist allerdings: Das Aufkommen disruptiver Technologien geht mit strukturellen Veränderungen in der Arbeitswelt einher. Ganze Branchen werden hierbei auf die Probe gestellt, erhalten aber auch die Chance, sich zu optimieren. Die Geschichte hat bereits oft zeigt, dass neugestaltete Arbeitsplätze und Konzepte immer auch neue Arbeitsstellen in anderen Bereichen entstehen lassen – beispielsweise im Zuge der industriellen Revolution, der Erfindung des Buchdrucks oder der motorisierten Mobilität.

Fazit

Es zeigt sich also: Ideen für smarte Verkehrskonzepte gibt es einige. Auf der Seite der Kommunen und Unternehmen fehlt der Transformationswille und die Einsicht, dass genau jetzt der richtige Zeitpunkt ist, diese umzusetzen. Aktuelle Befragungen und Bürgerbeteiligungen über alle demografischen Strukturen hinweg zeigen, dass die Ängste auf Seiten der Bevölkerung weniger stark ausgeprägt sind als erwartet.

Um dennoch keine Ängste zu schüren, müssen Kommunen sie in Form von mehr demokratischer Bürgerbeteiligung in Entwicklungen und Entscheidungen einbeziehen. Es ist ihnen klar aufzuzeigen, was mit ihren erhobenen Daten geschieht – etwa zur autonomen Paketzustellung. Bürger, ob jung oder alt, sind interessiert an Lösungen, die ihnen das Leben erleichtern und die Möglichkeit eröffnen, dass Kommunen ihre Städte durch mehr Grünflächen und weniger Autos wieder in den Besitz der Allgemeinheit zurückgeben können.

*Der Autor: Thomas Anderer, CEO der efeuCampus Bruchsal Innovationszentrum GmbH und Innovationscoach des Beratungsunternehmens Anderer + Partner, ist Experte für Smart City und digitale Transformation. Zuvor war er Vorstand und Manager der Pixelpark AG, der ID-Media AG und Aerome AG sowie Geschäftsführer der Business Impuls GmbH.

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