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„Bedienerlose Medienausleihe“ Siegburg: RFID in der Stadtbibliothek

Autor / Redakteur: Bernd Lehmann / Gerald Viola

Neue Wege in der Ausleihverbuchung geht die Stadtbibliothek der Kreisstadt Siegburg seit einigen Jahren. Mit der Fertigstellung des Erweiterungsbaus der erst wenige Jahre zuvor neu eröffneten Stadtbibliothek im September 2001 erfolgte nicht nur die Umstellung auf eine neue Software für die Abwicklung aller Arbeitsvorgänge in der Bibliothek, insbesondere für die Ausleihverbuchung.

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Stadtbibliothek Siegburg
Stadtbibliothek Siegburg
( Archiv: Vogel Business Media )

Mithilfe modernster Technologien wurde das gesamte Konzept der Medienausleihe verändert. RFID (= Radio Frequency Identification) hieß das „Zauberwort“ – zum damaligen Zeitpunkt nicht nur im kommunalen Bereich Neuland und damit ein sehr mutiger Schritt. Vergleichbare Erfahrungswerte gab es damals in keiner deutschen oder europäischen Bibliothek, nur in den USA (Las Vegas) verfolgte eine Bibliothek ein ähnliches Konzept.

In einem Pilotprojekt mit dem Entwickler des Bibliothekssystems „Bibliotheka 2000“, der Firma Bond aus Böhl-Ingelheim sowie der ekz.Bibliotheksservice GmbH aus Reutlingen, entschied man sich für den Einsatz von passiven Transpondern (auch RFID-Chip oder Funketikett genannt). Dieser Transponder besteht unter anderem aus einer Antenne und verfügt auch über einen permanenten, mehrfach beschreibbaren Speicher.

60.000 Chips im Einsatz

Vor der Wiedereröffnung der umgebauten und erweiterten Bibliothek wurde der gesamte Medienbestand von rund 60.000 Büchern, CDs, DVDs etc. mit entsprechenden Chips versehen. Dass dabei eine inhaltliche Revision des gesamten Bestandes und auch eine Überarbeitung der vorherigen Systematik erfolgte, war Bestandteil des Umstellungsprozesses.

Im Zuge des Aufbringens der Etiketten wurden die Transponder mit speziellen Lese- und Schreibeinheiten (sogenannte Reader) mit den erforderlichen Nummern aus dem Bibliotheksverfahren versehen, um so die Zuordnung des Mediums zum Datenbestand sicherzustellen. Zusätzlich weisen diese Etiketten noch ein Sicherungsbit auf. Damit wird der Status des Buches beim Ausleihvorgang auf „verbucht“ gesetzt. Erst dann kann die Bibliothek mit den ausgeliehenen Medien über die Sicherheitsschleuse am Ausgang ohne akustisches und optisches Warnsignal verlassen werden. Erfreulicher Nebeneffekt der neuen Technologie war somit ein Rückgang der Zahl der Medien, die auf „unerklärliche“ Art und Weise nicht mehr auffindbar waren.

Mit dem Einsatz der neuen „Funketiketten“ wurde auch die „bedienerlose“ Medienausleihe realisiert. Dies bedeutet, dass die Nutzer die Möglichkeit haben, an zwei Selbstverbuchungsplätzen die Medien eigenständig auszuleihen. Nach dem Einlesen des Bibliotheksausweises können die gestapelten Medien an diesen speziellen Plätzen verbucht werden. Die Benutzer werden dabei über einen Bildschirm durch den Buchungsvorgang geführt. Dabei ist es je nach Beschaffenheit und Dicke der Medien möglich, bis zu zehn Medien auf einmal zu verbuchen.

Hier gab es im Pilotbetrieb die meisten Probleme, da durch Störeinflüsse und unterschiedliche Medienarten und auch der Beschaffenheit, die Zahl der in einem Vorgang zu buchenden Medien stark variierte. Inzwischen hat sich die gesamte Anwendung aber stabilisiert und bewährt.

Das „Siegburger Modell“

Denn nur mit der neuen Technologie war es überhaupt möglich, die erweiterte Stadtbibliothek auf dem anerkannt hohen Niveau ohne zusätzlichen Personaleinsatz zu betreiben. Die Stadtbibliothek Siegburg ist im Bereich der Städte zwischen 20 000 bis 50 000 Einwohnern bei allen Kennzahlen führend. So hat sich die Zahl der Entleihungen bei einem zwar ständig aktualisierten, mengenmäßig aber konstanten Medienbestand, in den letzten Jahren deutlich erhöht. Im gleichen Zuge ist auch die Nutzungsrate der Selbstverbuchungsplätze bei der Ausleihe kontinuierlich gestiegen und umfasst mittlerweile auch alle Alters- und Bevölkerungsgruppen. In den ersten Wochen und Monaten war eine starke Nutzung durch die bekanntermaßen technisch affinen Bevölkerungsgruppen zu verzeichnen, gerade die älteren Benutzer reagierten eher zurückhaltend. Dies hat sich im Laufe der nunmehr fünfjährigen Laufzeit des Systems aber geändert.

Nur durch einen Einsatz dieser neuen Technologie war es überhaupt möglich, die Stadtbibliothek bei gleichbleibender Personalausstattung weiter auf dem anerkannten Erfolgskurs zu halten. Im Laufe der Jahre haben sich viele Bibliotheken vor Ort von den Vorteilen überzeugt und einige davon sind dem „Siegburger Modell“ gefolgt.

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(ID:2007142)