Niedersachsen Shared Service senken Kosten und steigern die Qualität

Redakteur: Manfred Klein

Niedersachsen will 2014 alle geeigneten Verwaltungsverfahren online zur Verfügung zu stellen. Doch bereits jetzt hat man in Hannover viele der selbst gesteckten Ziele erreicht. Getreu dem Motto des Landes: Sie kennen unsere Pferde. Erleben Sie unsere Stärken.

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Im Niedersächsischen Innenministerium setzt man beim Einsatz von IT auf Konzentration und – wo das sinnvoll ist – auf Outsourcing
Im Niedersächsischen Innenministerium setzt man beim Einsatz von IT auf Konzentration und – wo das sinnvoll ist – auf Outsourcing
( Archiv: Vogel Business Media )

Der bislang letzte Coup – der erfolgreiche Abschluss des Vergabeverfahrens für den Aufbau und den Betrieb eines modernen Sprach- und Datennetzes für die Landesverwaltung – macht das Erfolgsrezept des Landes deutlich: Die Landesverwaltung nutzt Bündelungseffekte, konzentriert sich auf Kernaufgaben und vergibt – wo das verwaltungsrechtlich möglich und sinnvoll ist – Aufgaben, die bisher verwaltungsintern abgewickelt wurden, an die Industrie.

So wurde beim Landesnetz der Auftrag an die oldenburgische EWE Tel GmbH vergeben, die gleichzeitig als Generalunternehmer zuständig ist. Die Firma konnte sich Anfang Februar nach einer europaweiten Ausschreibung, die der Landesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen (LSKN) im Auftrage des Innenministeriums durchgeführt hatte, gegen fünf Mitbewerber durchsetzen. EWE TEL wird nun für die Betreuung der Sprach- und Datenkommunikation des Landes eine Projektgesellschaft gründen. Sie bindet unter anderem die Firmen BCC Business Communication Company GmbH (Braunschweig) für den Betrieb des Datennetzes und Nextira One Deutschland GmbH für den Bereich der Telefonie ein. Der Vertrag umfasst bei einer Laufzeit von sechs Jahren ein Gesamtvolumen von rund 164 Millionen Euro. Es besteht eine Verlängerungsoption von zwei mal zwei Jahren.

Das Betreibermodell

Besonders stolz ist man in Niedersachsen auf das ausgetüftelte Betreibermodell, das extra für das neue Kommunikationsnetz entwickelt wurde (siehe dazu auch das Interview mit CIO Christoph Lahmann). In diesem Konstrukt übernimmt der Auftragnehmer (Generalunternehmer) auf Weisung des LSKN die Beschaffung, Bereitstellung, Inbetriebnahme und Betriebsunterstützung für die Komponenten des künftigen NI-NGN (Niedersachsen – Next Generation Network). Der Umfang der Betriebsunterstützung, zum Beispiel in den Bereichen Überwachung, Wartung und Entstörung, wird nach wirtschaftlichen und sinnvollen organisatorisch sowie technischen Möglichkeiten auf der Basis von ITIL-Prozessen vereinbart. Alle Leistungen sollen dabei aus einer Hand bezogen werden. Davon erhoffen sich die Verantwortlichen eine drastische Reduzierung des Aufwands für die Koordinierung. In den Dienststellen der Landesverwaltung ist kein Personal für diese Aufgaben mehr erforderlich, im LSKN entsteht nur ein geringer zusätzlicher Bedarf. Und gegenüber dem Generalunternehmer vertritt das LSKN als alleiniger Ansprechpartner alle Dienststellen.

Das vom Land schon im Vorfeld der Ausschreibung entwickelte Betreibermodell soll auch sicherstellen,

  • dass keine Beschaffung von IT- und TK-Komponenten in LSKN-Verantwortung mehr erforderlich ist,
  • dass die LSKN-Mitarbeiter von Betriebsaufgaben entlastet werden,
  • dass das Land die Steuerung, die Kontrolle und Aufgaben der Planung über Eigenschaften und technologische Ausprägung der TK-Infrastruktur behält,
  • dass eine gleichbleibende und nachweisbare Qualität der TK-Infrastruktur gesichert ist,
  • dass die Kosten im Vergleich zur heutigen Situation deutlich sinken und
  • dass vertraglich gewährleistet ist, dass der Portpreis über die Laufzeit des Vertrages marktgerecht ist.

Darüber hinaus soll das Verfahren garantieren, dass die Abrechnung für die Nutzung der TK-Infrastruktur sehr vereinfacht und damit eine Kontrolle der Gesamtkosten deutlich erleichtert wird.

Für die Einführung ist nun ein Zeitraum von insgesamt drei Jahren bis Ende 2012 eingeplant. Angestrebt werden qualitative Verbesserungen und deutlich steigende Bandbreiten bei der Datenübertragung.

Einbettung in das Gesamtkonzept

Damit ist das Next-Generation-Network-Projekt ein Musterbeispiel für die niedersächsische Shared-Service-Initiative, dem auch das IT-Konzept des Landes verpflichtet ist.

Dieses sieht – neben der inzwischen umgesetzten ressortübergreifenden Steuerung der IT durch eine CIO-Funktion – die logische Trennung des Anwendungsbetriebs für Fachverfahren und der Bereitstellung querschnittlicher Anwendungen sowie fachneutraler technischer Infrastrukturen vor. Hinzu kommt die Verlagerung der Anwendungsentwicklung und des Anwendungsbetriebs in die Fachbereiche, die Zentralisierung des Infrastrukturbetriebes beim LSKN, die Weiterentwicklung des LSKN zum wettbewerbsfähigen Dienstleister und – besonders wichtig – die Etablieren eines Auftraggeber/Auftragnehmer-Verhältnisses.

Fazit

Damit wird die Shared-Service-Organisationsstruktur im Bereich der IT die Wirtschaftlichkeit und die Qualität der erforderlichen IT-Dienste und -Anwendungen verbessern. Unter anderem soll die Zentralisierung der IT-Infrastruktur beim LSKN nicht nur Kostensenkungen um bis zu 30 Prozent ermöglichen, sondern auch zu einer Erweiterung der IT-Kompetenz führen.

Und auch sonst tut sich in Sachen eGovernment einiges im Lande. So arbeitet man an einer Gesamtstrategie zur IT-Sicherheit, die insbesondere die speziellen Belange von Justiz und Polizei berücksichtigen soll. Alle Projekte zusammen sollen schließlich Niedersachsen zum eGovernment-Service-Land machen. Wer sich über die aktuellen Entwicklungen in Niedersachsen weitergehend informieren will, kann dies auf dem CeBIT-Stand des Landes im Public Sector Parc tun.?

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(ID:2019433)