Medizintechnik der Zukunft

Setz es mir ins Auge, Kleines ...

| Redakteur: Jürgen Sprenzinger

Die „smarte Kontaktlinse“ misst den Glukosewert und warnt den Träger, falls sich der Blutzuckerspiegel frappierend ändert.
Die „smarte Kontaktlinse“ misst den Glukosewert und warnt den Träger, falls sich der Blutzuckerspiegel frappierend ändert. (Bild: Google)

Diabetes ist ein großes Problem, das bereits einen von 19 Menschen weltweit betrifft – die Tendenz ist weiter steigend. Bei dieser Krankheit ist es wichtig, ständig den Blutzuckerspiegel zu kontrollieren, ansonsten kann dies zu unterschiedlichsten Komplikationen führen – manchmal auch zum Tod.

Ein unkontrollierter Blutzuckerspiegel kann zu den unterschiedlichsten Komplikationen führen, von denen einige kurzfristige, andere aber auch langfristige Schäden verursachen können, wie beispielsweise eine Schädigungen der Sehkraft, der Leber oder des Herzens.

Der Blutzuckerspiegel verändert sich häufig bei normalen Aktivitäten wie Sport, beim Essen oder sogar im Schlaf. Bei Diabetes ist eine permanente Kontrolle notwendig, so dass viele Erkrankte gezwungen sind, ständig ein Blutzuckermessgerät bei sich zu tragen – was einerseits umständlich ist und andererseits aber auch als störend empfunden wird. Zudem sind die täglichen Stiche in die Fingerkuppen schmerzhaft. Letztlich führt das dazu, dass der Blutzuckerspiegel nicht so oft geprüft wird, wie es nötig wäre.

Die Wissenschaft sucht einen Weg

Seit Jahren untersuchen die Wissenschaftler verschiedenste Körperflüssigkeiten – darunter auch die Tränenflüssigkeit – in der Hoffnung, einen einfacheren Weg für die Kontrolle des Blutzuckerspiegels zu finden. Nun aber ist die Lösung nahe: Der Internet-Konzern „Google X“ hat nun eine Kontaktlinse entwickelt, die Blutzuckerwerte anhand der Tränenflüssigkeit messen kann. Die Linse misst die Glukosewerte in der Tränenflüssigkeit – und das einmal pro Sekunde. Die Daten sollen dann laut Aussage des Herstellers an eine Smartphone-App übertragen werden, die den Nutzer „im Fall X“ entsprechend warnt. Ein weiterführendes Modell sei so geplant, dass es den Träger der Linse direkt über Mikro-LEDs warnen kann, die in der Linse integriert sind.

Klein, kleiner, am kleinsten ...

Möglich wird das erst durch die Miniaturisierung der elektronischen Komponenten: Der Chip ist so winzig wie ein Glitzerpartikel, die Sendeantenne dünner als ein menschliches Haar. Der Prototyp sei laut Aussage von Google in verschiedenen klinischen Forschungsstudien erprobt worden.

Nun hat sich Google mit dem Schweizer Pharmakonzern Novartis zusammengetan, um gemeinsam eine „smarte Linse“ zu entwickeln, die in der Lage ist, auch andere mit den Augen in Verbindung stehende Krankheiten festzustellen, zum Beispiel auch die Altersweitsichtigkeit.

Riesiges Marktpotenzial erwartet

Sowohl Diabetes als auch die Altersweitsichtigkeit bieten ein riesiges Marktpotenzial. Nach Angaben der Internatial Diabetes Federation litten allein im vergangenen Jahr etwa 382 Millionen Menschen weltweit an der Krankheit – die Schätzungen bis zum Jahr 2035 belaufen sich sogar auf 592 Millionen. Allein in Deutschlandl litten 7,6 Millionen Menschen im Alter zwischen 20 und 79 Jahren an Diabetes. Die Zahl der Altersweitsichtigen wird weltweit auf mehr als eineinhalb Milliarden Menschen geschätzt.

Doch leider wird es noch einige Zeit dauern, bis die Linse alltagstauglich sein wird. Novartis-Vorstandsvorsitzender Joseph Jimenez äußerte sich gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters dahingehend, dass es sehr wohl noch fünf Jahre in Anspruch nehmen könnte, bis das Produkt zur Marktreife gebracht sei.

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