Virtuelle Kommunalwirtschaft

Services digital abbilden

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Firmen zum Thema

Netzbetreiber

Die bisher genannten Services betreffen die typischen Prozesse von Energieunternehmen in der Marktrolle „Lieferant“. In der Marktrolle „Netzbetreiber“ kommt ein weiterer zentraler Prozess hinzu, der den Kunden als Customer Online Service zur Verfügung stehen sollte: Hausanschlüsse beantragen. Bei diesem Service ist es nur mit einer Integration in die vorhandene Unternehmenssoftware nicht getan, da die Kunden mit ihm nicht nur Verwaltungsvorgänge antriggern.

Egal, ob sie Baustrom für den Bau eines neuen Hauses benötigen, ihren Neubau an das reguläre Stromnetz anbinden wollen oder den Anschluss eines bestehenden Hauses umverlegen möchten – sie lösen damit immer Baumaßnahmen aus. Wollen Energieunternehmen die Steuerung dieser Maßnahmen durchgängig digital abbilden, sollten sie zwei zusätzliche, interne Portale aufbauen: ein Maßnahmenportal und ein Portal für die Dienstleistungssteuerung.

Aufgabe des Maßnahmenportals ist es, dem zuständigen Bauleiter im Energieunternehmen eine Übersicht über den Bearbeitungsstand der Baumaßnahmen aus technischer und kaufmännischer Sicht zu bieten und ihm ein Tool zur Steuerung an die Hand zu geben. Dazu integriert es alle nötigen Informationen aus Vorsystemen wie SAP in einer einheitlichen Oberfläche und erlaubt dem Bauleiter den direkten Zugriff auf die Funktionen der Vorsysteme, die für seine Tätigkeit erforderlich sind.

So kann er sämtliche Daten einsehen und Aktionen anstoßen, ohne sich durch verschiedene Systeme klicken zu müssen – was eine erhebliche Zeitersparnis bedeutet und für große Transparenz sorgt.

Das Portal zur Dienstleistungssteuerung fungiert als zentrales Tool für die Kommunikation zwischen dem Energieunternehmen und den Dienstleistern, die es mit der Durchführung der Baumaßnahmen beauftragt. Ohne dafür Telefon oder Papier zu benötigen, können die beiden Parteien auf digitalem Weg Anfragen, Angebote und Aufträge austauschen; außerdem haben die Dienstleister die Möglichkeit, dort abgeschlossene Tätigkeiten zurückzumelden.

Durch ihre Verbindung miteinander können die drei Portale den kompletten Prozess von der Beantragung des Hausanschlusses bis zu seiner Fertigstellung durchgängig digital unterstützen.

Der Kunde triggert den Prozess an, indem er den Hausanschluss im Kundenportal bestellt. Die Bestellung wird dann an das Maßnahmenportal durchgestellt, das automatisch ein Angebot für den Kunden generiert. Nimmt der Kunde das Angebot an, wird es in einen Instandhaltungsauftrag umgewandelt, kontiert und budgetiert.

Der Instandhaltungsauftrag geht dann über das Portal zur Dienstleistungssteuerung an die Dienstleister, die dort wiederum ihre Angebote für die Baumaßnahmen abgeben können. Bestellt das Energieunternehmen die Maßnahmen und die Dienstleister haben sie ausgeführt, können sie diese samt benötigter Zeiten und Materialien an das Dienstleisterportal zurückmelden, von wo aus diese wiederum in das Maßnahmenportal einfließen. Alle für die Abrechnung mit dem Endkunden nötigen Daten werden von dort schließlich automatisch an das Fakturierungssystem der Unternehmenssoftware übergeben.

Der Autor: Reno Uhl
Der Autor: Reno Uhl
(© prego services)

Digitalisierungschancen

Customer Online Services ermöglichen es Energieunternehmen, zwei Digitalisierungschancen auf einmal zu ergreifen. Sie können sich ihren Kunden als modernes Unternehmen präsentieren und gleichzeitig ihre internen Prozesse optimieren. Die Voraussetzung dafür ist allerdings, dass diese ­Services wohldurchdacht und ­technisch einwandfrei in die nachgelagerten Systeme integriert und im Bedarfsfall um zusätzliche Systeme erweitert werden.

*Der Autor: Reno Uhl ist Fachbereichsleiter ERP beiprego services

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