Kleine CeBIT-Nachlese

Serviceorientierung im Mittelpunkt

| Redakteur: Manfred Klein

Die Zusammenarbeit im eGovernment rückt immer mehr in den Mittelpunkt
Die Zusammenarbeit im eGovernment rückt immer mehr in den Mittelpunkt (Bild: Deutsche Messe)

Sicher kann unsere kleine CeBIT-Nachlese keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben, dafür ist schon alleine der Public Sector Parc zu groß. Einige interessante eGovernment-Entwicklungen ­haben wir aber doch für Sie entdeckt und zusammengestellt.

Mit zu den wichtigsten Ergebnissen der CeBIT zählen sicher die Beschlüsse des IT-Planungsrats. So haben sich Bund und Länder in der traditonellen CeBIT-Sitzung auf Eckpunkte verständigt, um das im Oktober 2016 auf den Weg gebrachte Koordinierungsprojekt „Portalverbund“ effektiv voranzubringen. Ergänzt werden soll die geplante Einrichtung eines gemeinsamen Portalverbundes von Bund und Ländern durch das neu aufgelegte Koordinierungsprojekt „Digitalisierungsprogramm“ unter ­Federführung des Bundes und des Freistaates Bayern.

Länderübergreifendes ­eGovernment

Bürgerinnen, Bürger und Unternehmen sollen in Zukunft möglichst viele Verwaltungsdienstleis­tungen – unabhängig von Ort und Zeit – elektronisch erledigen können. Bis 2018 sollen daher mindes­tens je drei konkrete Anliegen mit besonders hohem Nutzen für Bürger und Unternehmen beispielhaft umgesetzt und anschließend für den flächendeckenden Einsatz in Deutschland empfohlen werden. Als erste Anliegen wurden unter anderem Melde- und Einwohnerwesen, Elterngeldantrag, i-KfZ, ­Gewerbemeldung und eRechnung identifiziert. Läuft hier alles nach Plan, dürfte also der Portalverbund demnächst gute Fortschritte machen.

Aber auch bei den Herstellern gab es interessante Neuigkeiten zu ­begutachten. So stellte die AKDB ihre neuesten Entwicklungen bei digitalen Servicekonten für Bürger und Unternehmen vor. Mit dem Unternehmenskonto, der digitalen Identität für juristische Personen, sind Mitarbeiter von Unternehmen in der Lage, digital verbindlich gegenüber der Behörde tätig zu werden. Und das Beste daran: Laut AKDB sind die verschiedenen Servicekonten endlich auch untereinander interoperabel. Ein entsprechendes Bürgerterminal konnte bei der Vorführung auf der CeBIT mehr als überzeugen.

Und die AKDB-Vertriebstochter kommIT präsentierte den modernen BürgerbüroArbeitsplatz. Dieser soll insbesondere Kommunen integrierte und fachamtsübergreifenden IT-Lösungen bieten.

Die Materna GmbH zeigte eine qualifizierte elektronische Signatur für Mobilgeräte, präsentierte Beispiele für elektronische Rechnungen und illustrierte, wie Chatbots den Bürgerservice optimieren können. So soll die gezeigte Signaturlösung, die in Zusammenarbeit mit der Bundesdruckerei entstand, laut Materna die bislang erste und einzige Lösung sein, die das qualifizierte Signieren von Online-­Formularen in Deutschland ermögliche.

Gemeinsam präsentierten die MACH AG und Materna ebenfalls zusammen mit der Bundesdruckerei ihr Konzept eines komplett elektronischen Bestell- und Abrechnungsprozesses. Treiber hierfür ist die EU-Richtlinie 2014/55/EU über die elektronische Rechnungsstellung bei öffentlichen Aufträgen und das nationale eRechnungsgesetz des Bundes vom Dezember 2016. Die Vorschriften treten ab dem 27. November 2018 für Bundesministerien und Verfassungsorgane in Kraft. Öffentliche Auftraggeber seien demnach aufgefordert, entsprechende Projekte zeitnah zu starten, um elektronische Rechnungen verarbeiten zu können.

Aber auch die Länder zeigten spannende Innovationen. So präsentierte der Thüringer Finanzstaatssekretär und Beauftragte für ­eGovernment und IT (CIO), Dr. Hartmut Schubert, die technisch weiterentwickelte eGovernment-Plattform ThAVEL, das Thüringer Antragssystem für Verwaltungsleistungen. Dazu Schubert: „Ich nehme eine große Bereitschaft der Kommunen wahr, mit innovativen Ideen eGovernment-Angebote für Bürgerinnen und Bürger zu etablieren.“

Unterstützung für Kommunen

Bereits jetzt nutzten die Kommunen ThAVEL und die Basisanwendungen Zuständigkeitsfinder und Formularservice. Künftig solle nun eine medienbruchfreie Bearbeitung von vielen kommunalen Anträgen durch übersichtliche Oberflächen und leicht zu bedienende Kommunikations- und Transaktionsmöglichkeiten möglich sein. Den technischen Betrieb stellt ­übrigens das Thüringer Landesrechenzentrum bereit. Ein Vorgehen, das vielen Kommunen im Freistaat entgegenkommen sollte.

„Auf ThAVEL-Basis hat das Finanzministerium für die Thüringer Kommunen eine Anwendung zur elektronischen Beantragung von Leistungen nach dem Unterhaltsvorschussgesetz in der Pipeline. Die Kommunen erwarten eine ­Antragsflut. Hier bietet das Land ganz konkret eine Lösung an“, so der Thüringer CIO Dr. Hartmut Schubert.

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