Verwaltungsmodernisierung

Serviceorientierte Architektur für die Öffentliche Verwaltung

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SOAs langer Hype

Die oben zitierte Umfrage steht für eine von vielen, die ähnliche Ergebnisse ausweisen. Neben den organisatorischen Gründen, die zu solchen Einschätzungen führen, gibt es technologische Ursachen, die kurz erläutert werden sollen.

Es scheint ein soziales Phänomen besonders des IT-Marktes zu sein, dass selbst erfahrene IT-Professionals nicht mehr zwischen Hype und Realität unterscheiden können. Ein Grund bei SOA scheint die „doppelte SOA-Welle“ zu sein (Abbildung), welche die natürlichen Schutzmechanismen der IT-Kunden gegen eine für sie neue Technologie umgangen hat. Während die erste Phase der SOA-Welle (Web Services Architecture bis 2003) technologisch von den großen IT-Anbietern getragen wurde, die nach der ausgebliebenen Y2K-Katastrophe neue Kundenanreize benötigten, wurde die zweite Welle fachlich durch die Beratungsunternehmen direkt in die Managementetagen der Unternehmen getragen. Beide Hypes haben ihre rationale Begründung. Nach der technologischen Untersetzung der Web-Technologie durch leistungsfähige Applikationsserver und nachdem sich XML und dazugehörige Standards im Grundverständnis als geeignetes Mittel für den Datenaustausch durchgesetzt hatten, stand der „industriellen“ Verwertung der Web-Service-Technologie im eBusiness nichts mehr im Weg. Es war folgerichtig, damit die großen monolithischen Anwendungen, die bei Banken und Versicherungen gerade über die Jahrtausendschwelle gehoben worden waren, durch transparentere, leichter wartbarere Architekturen grundlegend neu zu strukturieren. Dieses Anliegen wurde jedoch nicht im großen Maßstab durchgesetzt, da man gerade für die Restrukturierung der Legacy Anwendungen in fein-granulare Web Services erfahrene Software-Entwickler benötigte, die mit der neuen Technologie vertraut waren. Der Fokus lag auf J2EE-Architekturen, die über Standards zu den Legacy-Anwendungen Kontakt aufnahmen. Als Folge dessen gab es zu dieser Zeit wenig große Projekte, die die Orchestrierung komplexer Web-Service-Architekturen zum Inhalt hatten.

Hier setzt die zweite Welle (SOA 2005) an, es wurde begonnen, die Web-Service-Architekturen unter dem Schlagwort SOA neu zu vermarkten. Die Standardisierung lief seit Anfang 2002 in Gremien wie W3C und OASIS, die eine Vielzahl unterschiedlicher Themen behandeln. Die Hersteller, die in der schnellen Adoption der Standards ihre Chance sahen, folgten rasch den Standardisierungsvorgaben, was wiederum zu Zukäufen kleiner Firmen führte. Die Integration von Fremdsoftware ist letztlich immer mit einem Risiko verbunden. So ist es nicht überraschend, dass wir unter architektonischen Gesichtspunkten heute sehr unterschiedlich erzeugte SOA-Stacks konstatieren.

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