Modellrechnungen allein helfen nicht weiter

Server-Virtualisierung zwischen Soll und Haben

29.09.2008 | Autor / Redakteur: Hadi Stiel / Gerald Viola

Peter Arbitter warnt: „Nicht alle installierten Server sind virtualisierungsfähig“
Peter Arbitter warnt: „Nicht alle installierten Server sind virtualisierungsfähig“

IT-Services sollten nach Maß und dynamisch zugewiesen werden. Das gebietet die Wirtschaftlichkeit des IT-Ressourcen-Einsatzes. Zudem fordern optimierte Verwaltungsprozessketten, die sich aus mehreren Applikationen und Fachverfahren zusammensetzen, der Behörden-IT mehr Flexibilität und Dynamik bei der Zuweisung von IT-Leistungen ab. Auch mit Blick auf den Klimawandel empfiehlt es sich, sparsamer mit dem Verbrauch von IT-Ressourcen umzugehen und dadurch den CO2-Ausstoß zu drosseln. Die Maßnahme, dies alles zu erreichen: die Server, genauer gesagt ihre Kapazitäten, zu virtualisieren.

Werden die Verarbeitungs-, Hauptspeicher- und In-/Output-Kapazitäten der Server virtualisiert, erspart das den Behörden bis zu 30 Prozent der Stromkosten, so die Hersteller dieser Hardware. Hinzu kommen die Einsparungen bei der Administration und Wartung. Das Konzept: Durch eine effizientere Auslastung der Kapazitäten können viele Server abgeschaltet werden. Die verbleibenden Rechner arbeiten den optimierten Verwaltungsprozessen effektiv und effizient zugleich zu, indem sie ihre Ressourcen gezielt, schnell und nach Bedarf bereitstellen. Das Prinzip der Server-Virtualisierung: Auf leistungsfähigen Maschinen laufen über eine Virtualisierungssoftware die Betriebssysteme der Ziel-Server, einschließlich der Applikationen und Dienste.

Peter Arbitter, Leiter Portfolio- und Technologie-Management bei Siemens IT Solutions and Services, warnt aber vor Milchmädchen-Rechnungen. „Nicht alle installierten Server sind virtualisierungsfähig. Außerdem läuft nicht jede Virtualisierungssoftware auf jedem Betriebssystem respektive jeder Betriebssystemversion.“ Virtualisierungsprogramme wie VMWare und Microsoft Virtual Server ziehen Lizenzkosten nach sich. Sie sollten bei der Wirtschaftlichkeitsberechnung berücksichtigt werden. Arbitter rät deshalb den Entscheidern, erst einmal die Probe aufs Exempel zu machen und den bestehenden Server-Park genau zu inspizieren. „Dabei unterstützt eine Analyse- und Simulations-Software, die auf jedem Standard-Notebook läuft“, informiert er. Siemens IT Solutions and Services hat mit mehreren Lehrstühlen der Technischen Universität in München (TUM) eine derartige Software entwickelt. Das Behörden-RZ macht sich zuerst ein komplettes Kosten-/Leistungsbild über den bestehenden Server-Park. Anschließend hinterlegt es die erhobenen Daten innerhalb des Programms. Sie sind die Datenbasis für detaillierte Auswertungen und Bewertungen rund um den Server-Einsatz. „Sie beziehen CPU-, Hauptspeicher- und I-/O-Kapazitäten, die Prozessorarchitektur, rechnerinterne Belüftung, Klimatisierung und Platzkosten bis hin zu den Abschreibungsfristen ein“, erklärt Arbitter.

Der erste Programmdurchlauf konzentriert sich auf die bestehende Installation und ermittelt die möglichen Optimierungspotenziale. Der zweite Durchlauf geht der Frage nach, inwieweit das Kosten-/Leistungsbild durch gezielte Investitionen in Server und flankierende Geräte verbessert werden kann. „Nur eine konkrete Betrachtung des Server-Parks hilft weiter“, bestätigt Wolfgang Möller, Senior Consultant bei Logica. Er entwirft zwei Szenarien, innerhalb derer sich die Virtualisierung von Servern für die Behörden-RZ lohnt. „Das erste Szenario: Die eingesetzten Betriebssysteme und Betriebssystemversionen sind zu einem erheblichen Grad virtualisierungsfähig.“ Innerhalb stark heterogener Server-Installationen sei dieser Grad in der Regel schwer erreichbar. Das zweite Szenario: Ein Großteil der Server bewegt sich nah am Abschreibungsende, das bei fünf Jahren liegt. Der Virtualisierungsspezialist spricht dann von der Idealkonstellation „einer grünen Wiese“. Für den Fall, dass die Server in Etappen angeschafft wurden, empfiehlt er, für die Virtualisierung notwendige Hardware-Neuanschaffungen ebenso stufenweise zu tätigen. „Auch sollten, sofern notwendig, die Anschaffungskosten für flankierende Geräte für Power & Cooling und die Lizenzkosten für die Virtualisierungs-Software bei der Ausrechnung nicht fehlen“, so Möller – ebenso wenig die Projektkosten, einschließlich der Zusatzmaßnahmen für Hochverfügbarkeit. „Gegebenenfalls ist geplant, die Server-Installation inklusive Power & Cooling im Sinne eines Kreislaufs von der Konsole aus zu überwachen, um bei Bedarf schnell regelnd eingreifen zu können“, ergänzt er. Für ihn steht außer Frage: „Sämtliche Investitionen/Kosten auf der einen Seite und erreichbare Einsparungen auf der anderen Seite sollten realistisch durchkalkuliert werden.“ Er warnt davor, nur auf die Kosten zu schauen. „Auch die Optimierungen, die über Virtualisierung erreicht werden, sind buchstäblich Geld wert“, gibt er zu bedenken. Und, wie er hinzufügt: „Ohne die Speichereinheiten einzubinden, ist keine Virtualisierung im vernünftigen Stil möglich.“

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