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Weshalb Schulungen beim Kampf gegen manipulierte Ausweise notwendig sind Sehen, fühlen – maschinell prüfen

| Autor: Manfred Klein

In deutschen Bürgerämtern müssen Mitarbeiter täglich Ausweise und Pässe aus den unterschiedlichsten Ländern prüfen. Die Bundesdruckerei vermittelt für diese Aufgabe mit einem Schulungsprogramm wichtiges Know-how. Die eGovernment Computing hat einen der Kurse besucht.

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Es gibt auf der Welt rund 200 Staaten – die genaue Zahl schwankt immer ein wenig, je nach der aktuellen vökerechtlichen Situation – und ebenso viele unterschiedliche Pässe. Da fällt es schwer den Überblick zu behalten
Es gibt auf der Welt rund 200 Staaten – die genaue Zahl schwankt immer ein wenig, je nach der aktuellen vökerechtlichen Situation – und ebenso viele unterschiedliche Pässe. Da fällt es schwer den Überblick zu behalten
(© Bundesdruckerei)

Thomas Kohn stapelt auf dem großen Konferenztisch vor sich einen Berg hoheitlicher Dokumente: Personalausweise, Führerscheine, Aufenthaltstitel, Pässe und vorläufige Dokumente. Als er einen deutschen Reisepass mit dem typisch bordeauxroten Einband in die Hand nimmt, schallt eine Frage durch den Raum: „Können Sie mir einen abgeben?“. Gelächter unter den Teilnehmern. „Diesen Reisepass haben Sie lieber nicht bei sich, wenn Sie das nächste Mal von Grenzbeamten kontrolliert werden“, erwidert Schulungsleiter Kohn. Denn die Musterdokumente, so unterschiedlich sie sind, haben alle zwei Dinge gemeinsam: Sie sind gefälscht – und entliehen sind sie aus der „Dokumentenschatzkammer“ der Bundesdruckerei.

Der Kursraum ist gut gefüllt, die Schulung zur Prüfung hoheitlicher Dokumente ausgebucht. Zahlreiche Mitarbeiterinnen und ein Mitarbeiter aus den umliegenden Kommunen haben sich angemeldet. Das kommunale Rechenzentrum organisiert den heutigen Tag für gleich mehrere Behörden.

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Thomas Kohn kann sich mit Fug und Recht als Dokumentenprüfexperten bezeichnen. „Angefangen hat das alles eigentlich vor zehn Jahren“, sagt Kohn. Zu dieser Zeit arbeitete er als Field Service Engineer bei der Bundesdruckerei. Schon damals musste er viele Fragen zur Dokumentenprüfung beantworten – sowohl technischer als auch inhaltlicher Art.

„Bei den Behörden erkannten wir einen hohen Schulungsbedarf“, schildert Kohn die damalige Lage. Außerhalb der bisher üblichen Prozesse und festen Budgets bekam sein Team grünes Licht für ein umfassendes Schulungskonzept.

Vom Schlagbaum an die Schreibtische

In der Vorstellungsrunde wird schnell klar: Die meisten Teilnehmer haben in ihrem Berufsleben bereits Erfahrungen mit falschen Identitäten gesammelt. Das passiert vor dem Hintergrund, dass viele Verwaltungsdienstleistungen deutscher Behörden allen Europäern und teilweise auch Nicht-Europäern offenstehen. Eine Teilnehmerin erinnert sich an eine Dokumentenprüfung ganz besonders: Sie habe eine Manipulation gefunden, der Besitzer der vermeintlichen Fälschung sei aber getürmt, sein Dokument habe er wieder mitgenommen. In zwei Fällen habe sie sogar die Polizei gerufen, ergänzt eine Kollegin. Viele Teilnehmer berichten über ähnliche Vorfälle.

In seiner Einführung beschreibt Schulungsleiter Kohn die aktuelle Situation: Verwaltungen müssen heute Personenidentitäten sehr detailliert prüfen – eine Aufgabe, die den Identitätsprüfungen an der Grenze ähnelt. Zwei Prozesse sind dafür zentral: Die vorgelegten Identitätsdokumente, sprich die Pässe und Ausweise, sind zu prüfen, und zweitens muss festgestellt werden, ob die Identität des Antragstellers mit dem vorgelegten Dokument übereinstimmt. Identitätsmissbrauch und Dokumentenfälschungen treten dabei immer wieder auf.

Geschädigte seien Kommunen und Privatwirtschaft gleichermaßen, betont Kohn. Eine Betrugsmasche: Auf Basis gefälschter Ausweise lassen sich die Antragsteller von der Behörde ihres Wohnortes Meldebescheinigungen ausstellen und eröffnen damit ein Gewerbe. Auf den Namen der neuen Firma werden dann Konten eröffnet, Kredite beantragt und Leasingverträge abgeschlossen. Noch bevor der Betrug auffliegt, tauchen die Täter ab – um kurze Zeit später mit einer neuen Identität weiterzumachen.

Die Folgen sind gravierend: Auf bis zu 60.000 Euro pro unentdeckter Dokumentenfälschung schätzen Experten den Schaden für die jeweils betroffenen Kommunen.

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