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„Sechs von zehn Deutschen ließen sich aus der Ferne operieren“

| Autor / Redakteur: Peter Reinhardt / Ira Zahorsky

„Medtech-Hersteller sollten mit ihrer Technologie auf Interoperabilität setzen. Insellösungen schränken den Nutzen von telemedizinischen Angeboten ein“, Julia Hagen, Referentin für Health und Pharma im Digitalverband Bitkom.
„Medtech-Hersteller sollten mit ihrer Technologie auf Interoperabilität setzen. Insellösungen schränken den Nutzen von telemedizinischen Angeboten ein“, Julia Hagen, Referentin für Health und Pharma im Digitalverband Bitkom. (Bild: privat)

Der Digitalverband Bitkom hat jüngst die Ergebnisse einer Studie zur Telemedizin veröffentlicht. Demnach scheinen die Deutschen bereit für die Telemedizin. Im Gespräch mit unserem Partnerportal Devicemed kommentiert Julia Hagen, Referentin für Health und Pharma bei Bitkom, die Zahlen.

Sind die Deutschen bereit für die Telemedizin?

Telemedizin trifft bei den Deutschen auf großes Interesse. Laut einer Bitkom-Befragung würde jeder Fünfte seinen Gesundheitszustand bei Bedarf auf jeden Fall telemedizinisch überwachen lassen, weitere 39 Prozent können sich das vorstellen. Das sind fast sechs von zehn Deutschen, die für das so genannte Telemonitoring aufgeschlossen sind. Die Vorteile liegen auf der Hand: Chronisch Kranke müssten nicht mehr ständig in die Klinik oder Praxis, sondern könnten ihre Werte bequem von Zuhause aus übermitteln. Das spart Zeit, Kosten und Nerven, bedeutet also unterm Strich ein großes Plus an Lebensqualität. Ebenfalls sechs von zehn Deutschen sind offen dafür, dass Operationen von Spezialisten aus der Ferne unterstützt werden. So kann beispielsweise ein Experte aus Übersee bei einer komplizierten Operation zugeschaltet werden und dem durchführenden Kollegen Hinweise geben.

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Wie erklären Sie, dass dagegen laut Umfrage nur 33 Prozent die Online-Sprechstunde beim Arzt wahrnehmen würden?

Angesichts der Tatsache, dass die Online-Sprechstunde noch nicht eingeführt ist, sind 33 Prozent schon recht viel. Aber in der Tat könnte der Wert noch höher sein, wenn einige Vorbehalte aus dem Weg geräumt würden. So gibt es laut unserer Umfrage die Befürchtung, dass das Risiko der Fehlbehandlung steigt, weil keine körperliche Untersuchung stattfindet. Zudem leide das Verhältnis zwischen Arzt und Patient. Hier wird die Online-Sprechstunde unserer Meinung nach missverstanden. Sie wird ja den persönlichen Kontakt samt körperlicher Untersuchung nicht ersetzen, sondern ergänzen – und zwar dort, wo die körperliche Untersuchung nicht oder noch nicht nötig ist. Dass diese Fälle zahlreich sind, wissen sowohl Ärzte als auch Patienten aus der täglichen Praxis sehr gut.

Welche Technologien müssen seitens der Medtech-Hersteller zur Verfügung gestellt werden, um im Markt für Telemedizin erfolgreich zu sein?

Medtech-Hersteller sollten mit ihrer Technologie auf Interoperabilität setzen. Insellösungen schränken den Nutzen von telemedizinischen Angeboten ein. Stattdessen bietet sich eine Orientierung an Behandlungsprozessen über beispielsweise Arztpraxis, Krankenhaus und Pflegeheim hinweg an. Zudem sollte jede telemedizinische Anwendung die Bedürfnisse der Patienten sowie der unterschiedlichen Leistungserbringer berücksichtigen.

Die Fragen stellte Peter Reinhardt, Redakteur bei unserem Partnerportal Devicemed, auf dem dieser Artikel zuerst erschien.

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