Niedersachsens neuer Landes-CIO im Porträt

Schuldenbremse – es steht alles auf dem Prüfstand

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Auch bei der Einführung eines landesweiten Dokumentenmanagementsystems hat das Land die Weichen neu gestellt. Was waren die Hintergründe für den Wechsel und was hat dies für Auswirkungen auf die IT-Strategie des Landes?

Manke: Das Zusammenführen aller vorgangsrelevanten Dokumente in einer elektronischen Akte muss einfach, benutzerfreundlich und ohne Zeitaufwand für registrierende Tätigkeiten möglich sein. Wir haben feststellen müssen, dass die in Niedersachsen lange Zeit angestrebte Lösung diesen Anforderungen nur in Teilbereichen entspricht.

Das von uns jetzt verfolgte Konzept – der probeweise Einsatz eines SharePoint-basierten Dokumentenmanagementsystem in Pilotbereichen – bietet aufgrund der tiefen Integration in die bekannte Arbeitsplatzumgebung ein Höchstmaß an Bedienerfreundlichkeit, verursacht dadurch nur geringen Schulungsaufwand und lässt daher eine hohe Nutzerakzeptanz erwarten.

Neben den zu erwartenden Kostenvorteilen durch verringerten Schulungs- und Lizenzaufwand sind wir von den vielfältigen Einsatzmöglichkeiten überzeugt. Dazu gehören der mögliche Einsatz auch auf mobilen Endgeräten und damit der Zugriff auf Hand- oder eAkten auch von zu Hause oder von unterwegs.

Dies ist wichtig, sowohl für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, als auch für die in einem Flächenland wie Niedersachsen vorhandene Dislozierung von Behörden. Überdies erlaubt eine solche Plattform den Aufbau verwaltungsinterner Funktionalitäten, die man von Sozialen Netzwerken kennt.

Auf diese Weise wird es künftig möglich sein, innerhalb von Fachverwaltungen oder verwaltungsübergreifend ein Wissensmanagement zu etablieren, für das bisher keine geeigneten Plattformlösungen innerhalb der Niedersächsischen Landesverwaltung zur Verfügung stehen.

Die wichtigsten IT-Vorhaben des Landes spiegeln sich in der IT-Strategie beziehungsweise im IT-Gesamtplan wieder. Hierzu gehören unter anderem die Cybersicherheit wie auch die eAkte oder die übergreifende Zusammenarbeit – zum Beispiel mit den Kommunen. Insbesondere in Bezug auf Informationsfreiheit und Open Data ist eine übergreifende (standardisierte) eAkte unverzichtbar. Dies könnte auch eine Grundlage für neue Wertschöpfungsmodelle in allen Teilen der Landesverwaltung sein.

Und die Koalition hat eine umfangreiche Open-Government-Strategie angekündigt. Welche Zielrichtung soll die Strategie verfolgen und wann soll sie erscheinen?

Manke: Wir möchten die Transparenz der Verwaltung verbessern und dabei die heutigen Möglichkeiten der Informationstechnologie nutzen. Zunächst soll hierfür eine rechtliche Grundlage in Form eines Transparenz- und Informationsfreiheitsgesetzes geschaffen werden. Die Arbeiten an diesem Gesetzesvorhaben haben bereits begonnen.

In diesem Rahmen werden wir auch für einen modernen, IT-unterstützten Zugang zu den Informationen der niedersächsischen Verwaltungen sorgen. Berücksichtigen müssen wir dabei allerdings auch, dass die Kosten für diese Maßnahmen in Grenzen bleiben, denn natürlich ist auch die Schuldenbremse ein wichtiges Ziel der Koalition.

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