Mobile Policing

Schnellere Kontrollen

| Redakteur: Susanne Ehneß

Der bayrische Innenminister Joachim Hermann (l.) mit einem Polizeibeamten beim Vorstellen des Projekts „Mobile Police“
Der bayrische Innenminister Joachim Hermann (l.) mit einem Polizeibeamten beim Vorstellen des Projekts „Mobile Police“ (© Anyline)

Die Überprüfung von Personen oder Fahrzeugen kann dank digitaler Technik sehr schnell gehen. Alexander Loidolt betreut den eGovernment-Bereich des österreichischen Unternehmens und erläutert im Interview, wie die Digitalisierung den Polizeibeamten helfen kann – und wie digital die deutsche Polizei im Vergleich zu ihren österreichischen Kollegen ist.

Herr Loidolt, Ihr Unternehmen hat eine App für die bayerische Polizei entwickelt, die dabei helfen soll, Ausweise und Kennzeichen schneller zu digitalisieren. Wie funktioniert das?

Loidolt: Wir ersetzen das lästige Eintippen von Namen, Daten oder auch Nummern. Dafür müssen die Beamten lediglich Ihre Smart­phone-Kamera auf den Ausweis oder das Kennzeichen richten. Die Anyline-Technologie erkennt dann die Zeichen und gibt sie in digitaler Form zurück.

Wie genau ist das Ergebnis des Scans?

Loidolt: Die Genauigkeit wird in Labors getestet und liegt bei 99 Prozent. Das heißt zum einen, dass die Software wesentlich weniger Fehler als wir Menschen beim Tippen macht. Zum anderen ist sie aber auch zwanzigmal schneller.

Was passiert mit den gescannten Daten?

Loidolt: Die Verarbeitung der Daten erfolgt ausschließlich auf dem Smartphone selbst. Von Anyline werden die Daten also weder übertragen noch gespeichert. Unsere Technologie stellt die gelesenen Daten der Polizei-App zur Verfügung, und dort werden sie weiter genutzt. Genauso als hätte eine ­Polizistin oder ein Polizist sie eingetippt.

Wird die Anwendung bereits in der Praxis eingesetzt?

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Die digitale Polizei

Loidolt: Ja, täglich. Nicht nur die bayerische Polizei, auch zum Beispiel die in Österreich oder in Nordrhein-Westfalen nutzen unsere Technologie bereits. Anyline wird dafür eingesetzt, Personen oder Objekte wie Fahrzeuge oder Diebesgut zu identifizieren und damit polizeiliche Abläufe wesentlich zu beschleunigen und deren Dokumentation zu vereinfachen.

Mobile Policing ist ja nicht mehr nur eine Vision; überall auf der Welt werden Polizistinnen und Polizisten mit Smartphones ausgestattet. Allerdings ist die Akzeptanz bei den Beamten nicht immer die gewünschte, weil das Eintippen von Kfz-Kennzeichen oder Personendaten in ein Handy für den polizeilichen Einsatz einfach nicht praxisgerecht ist. Da setzen wir an und tragen wesentlich dazu bei, dass Mobile-Policing-Projekte erfolgreich sind. Wir dürfen nicht alle Polizeiorganisationen, die unsere Kunden sind, nennen, jedoch sind bereits mehr als 100.000 Polizistinnen und Polizisten in- und außerhalb Europas damit ausgestattet.

Welche Weiterentwicklungen sind in der Mache?

Loidolt: Darüber könnte ich ehrlich gesagt eine Stunde lang erzählen. Die Einsatzszenarien sind heute schon sehr vielfältig und mit jedem Release, das sind bei uns zehn pro Jahr, kommen neue „Use Cases“ und Verbesserungen dazu. ­Unlängst haben wir unsere Technologie erweitert, sodass biome­trische Daten über NFC (near field communication) aus Identifikationsdokumenten wie Reisepässen ausgelesen werden können. Dies erhöht die Sicherheit bei Personenkontrollen.

Außerhalb der Polizei setzen u.a. auch Energieunternehmen, Automobilhersteller, Logistiker, Fluglinien, Fährgesellschaften oder Gertränkehersteller unsere Technologie ein. Anyline wird aber auch für das Scannen von ausgefalleneren Objekten genutzt, wie die Ohrmarken, die in der Rinderzucht in Gebrauch sind. Durch diese Vielfältigkeit wird auch unsere Basistechnologie, die KI-Maschine im Hintergrund, ständig stärker, schneller und genauer.

Dies wiederum, um auf den Einsatz­ in der Polizei zurückzukommen, hilft auch, zusätzliche Ausweis­dokumente zu lesen und bereits trainierte Dokumente kontinuierlich noch schneller und akkurater zu digitalisieren.

Unser jüngstes Produkt ist der TIN Scanner. TIN steht für Tyre Information Number, also eine Art ­Seriennummer, die auf Fahrzeug­reifen aufgebracht ist und unter anderem das Herstellungsdatum zeigt. Eine in Gummi geprägte, gebogene Nummer unter schlechten Lichtverhältnissen von einem Pneu zu lesen, zeigt die Stärke unserer Technologie deutlich auf. Damit helfen wir mit, die Sicherheit auf den Straßen dieser Welt zu erhöhen.

Alexander Loidolt
Alexander Loidolt (© Anyline)

Interessieren sich bereits andere Bundesländer oder Länder für Ihre Lösung?

Loidolt: Neben den bereits erwähnten Bayern und Nordrhein-Westfalen sind zum Beispiel auch Rheinland-Pfalz und Saarland unsere Kunden. Entweder direkt oder über unsere Partner sind wir mit praktisch allen Bundesländern und größeren Städten sowie mit der Bundespolizei bereits im Gespräch bzw. schon in Projekten.

Im Vergleich zu Österreich: Wie digital ist die deutsche Polizei?

Loidolt: Wir sehen hier große Unterschiede in den einzelnen Polizeiorganisationen in Deutschland. Unserem Eindruck nach hat die österreichische Polizei früher und schneller für gute Durchgängigkeit im Informationsfluss gesorgt, das fehlt in Deutschland noch.

Die vielen verschiedenen organisatorisch getrennten Einheiten in Deutschland, mit vielen unterschiedlichen IT-Systemen, erschweren den Austausch über ­Länder- und Organisationsgrenzen hinweg. Um dem entgegenzuwirken, sind in Deutschland Programme wie „Polizei 2020“ ins Leben gerufen worden, und die müssen erst greifen. Daher erleben wir unterschiedliche Bundesländer auch unterschiedlich weit in der Digitalisierung.

Für welche weiteren öffentlichen Einrichtungen käme die App in Frage?

Loidolt: Durch die Vielfältigkeit der Technologie ist auch das Einsatzspektrum sehr breit. München nutzt Anyline für die Parkraumüberwachung. Das österreichische Wirtschaftsministerium setzt unsere Lösung für seine eGovernment-App ein, wo sich Bürgerinnen und Bürger mittels Scan ­identifizieren können, und nicht mühsam ihre Daten aus einem Personalausweis abtippen müssen.

Wir sind mit Gesundheitsorganisationen im Gespräch: Heute brauchen Ärzte eCard Reader, um zu prüfen, ob und wie Patienten versichert sind. Das wird künftig nicht nötig sein, wenn mittels Smart­phone eine Gesundheitskarte gelesen und überprüft werden kann.

Aber auch „exotischere“ Anwendungsfälle wie das Lesen von Identifikationsmarken auf Bäumen in öffentlichen Forsten werden bereits genutzt. Generell kann Anyline überall dort die Abläufe effizienter gestalten, wo heute Menschen diverse Daten in mobile Geräte eintippen müssen – also praktisch überall.

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