Suchen

Interview Schnelle, bequeme Analysen

| Redakteur: Gerald Viola

Knapp ein Jahr brauchten IT-Experten und eine Arbeitsgruppe des Landtags, um das neue Informationssystem zu konkretisieren und die technische Umsetzung zu stemmen.

Firmen zum Thema

Dr. Gisela Meister-Scheufelen
Dr. Gisela Meister-Scheufelen
( Archiv: Vogel Business Media )

Was wird nun konkret einfacher und wo werden Kosten gespart. eGovernment Computing sprach mit Dr. Gisela Meister-Scheufelen, Ministerialdirektorin im Finanzministerium Baden-Württemberg.

Welche Möglichkeiten des Systems erleichtern dem Abgeordneten seine Tätigkeit?

Meister-Scheufelen: Die Abgeordneten können sich nicht nur schnell und aktuell einen Überblick über die Haushaltsentwicklung oder zum Beispiel den Schuldenstand im Land verschaffen. Sie können das System auch vor Ort in ihrem Wahlkreisbüro über das Intranet des Landtags nutzen. Gleichzeitig sind sie aber auch in der Lage, kurzfristig Detailfragen zu klären, beispielsweise zur konkreten Zusammensetzung und Zweckbestimmung von Haushaltspositionen, zu Zielen und Messgrößen einzelner Fachbereiche oder zur Zusammensetzung der Personalstellen sowie deren Entwicklung über mehrere Jahre inklusive der Vorausschau für den kommenden Planungszeitraum. Somit kann auch politisch schneller auf Haushaltsentwicklungen reagiert werden.

Das neue Informationssystem soll eine Ergänzung zur bisherigen gedruckten Version sein. Doppelt gemoppelt oder doch Einsparungen?

Meister-Scheufelen: Zuerst einmal ist es für die Abgeordneten eine softwaregesteuerte Aufbereitung der Zahlen des Landeshaushalts. Die nun zur Verfügung stehenden Analysemöglichkeiten lösen das Wälzen kiloschwerer Haushaltspläne ab. Dies ist natürlich eine wesentliche Erleichterung für die Parlamentarier.

Das System unterstützt beispielsweise den Vergleich der Personalausgaben einzelner Politikbereiche oder die Verfolgung von Entwicklungen über mehrere Jahre. Wie jedes gute Informationssystem bietet es die Möglichkeit, vom großen Ganzen in detaillierte Problemstellungen zu gehen. In dieser Schnelligkeit und Bequemlichkeit kann dies die gedruckte Version nicht leisten. Das „Königsrecht“ des Parlaments, das Etat- oder Haushaltsrecht, wird durch das Informationssystem zusätzlich unterstützt.

100.000 Einzelpositionen, leidet da die Übersicht nicht?

Meister-Scheufelen: Einer der Vorzüge des neuen Systems ist es, dass die Abgeordneten über Filterfunktionen genau die Informationen abrufen können, die sie für ihre Arbeit benötigen. Dass dies strukturiert und verständlich aufbereitet werden muss, ist selbstverständlich. Die Rückmeldungen der Abgeordneten im Rahmen der Schulungsveranstaltungen bestätigen, dass sowohl die inhaltliche Darstellung als auch das Handling gelungen ist.

Das System wird als Bestandteil der „Neuen Steuerungsinstrumente“ (NSI) gepriesen, die ja im vergangenen Jahr beim Rechnungshof harsche Kritik auslösten. Welche Konsequenzen wurden aus dem Bericht des Landesrechnungshofes gezogen und welche IT-Bausteine (beispielsweise ein Kabinett-Informationssystem) werden folgen?

Meister-Scheufelen: Im Mittelpunkt der Kritik des RH standen weniger die einzelnen Instrumente der Neuen Steuerung denn deren Nutzung. Betriebswirtschaftliche Steuerungsinstrumente wie zum Beispiel die Kosten- und Leistungsrechnung bilden die Grundlage für Entscheidungen und schaffen die nötige Transparenz, aber damit ist noch kein Euro gespart. Die Instrumente müssen die Basis für Entscheidungen werden.

Über die Kosten- und Leistungsrechnung hinaus sind unter anderem dezentrale Budgetierung, Zielvereinbarungen, Fördercontrolling, Benchmarking in geeigneten Bereichen und Führungsinformationssysteme wesentliche Instrumente, um mit immer weniger Ressourcen die gleiche qualitative Leistung zu erzielen und diesen Anspruch gleichzeitig mit einem Anreizsystem zu verbinden. Wichtig ist, dass die Führungsinformationen exakt auf den Steuerungsbedarf der Führungskräfte, beipielsweise der Behördenleitungen vor Ort, zugeschnitten sind. Gemeinsam mit den Führungskräften werden wir weitere Führungsinformationssysteme entwickeln oder die bereits bestehenden Systeme ausbauen. Dieses Gesamtpaket an Maßnahmen wird die Akzeptanz und Bereitschaft zum Einsatz moderner Verwaltungsinstrumente bei den Entscheidungsträgern erhöhen.

Artikelfiles und Artikellinks

(ID:2015022)