Indische Programmierer scheitern an Dienstleistungsrichtlinie Schleswig-Holstein und Hamburg starten mit Not-DLR (Update)

Redakteur: Manfred Klein

Ausgerechnet Schleswig-Holstein, das neben Baden-Württemberg die Federführung im Deutschland-Online-Projekt zur Umsetzung der EU-Dienstleistungsrichtlinie übernommen hat, muss beim geplanten Landesportal einen herben Rückschlag hinnehmen. Am 28. Dezember werden sich das Land und Hamburg mit einer Notlösung begnügen müssen.

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Bei der Dataport nimmt man die EU-DLR jetzt selbst in die Hand
Bei der Dataport nimmt man die EU-DLR jetzt selbst in die Hand
( Archiv: Vogel Business Media )

Grund der Verzögerung: Die SAP Deutschland, die nach einer freihändigen Vergabe den Zuschlag für die Erstellung des Portals erhalten hatte, hat die Programmierung der Portalsoftware nach Indien verlagert.

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Dataport liefert gesetzeskonforme Lösung – aber wichtige Infrastrukturkomponenten fehlen

Dazu Dataport, IT-Dienstleister der Länder Schleswig-Holstein und Hamburg: „Wie und mit welchen Mitarbeitern dieser Dienstleister die notwendige Software-Lösung entwickelt, war nicht Gegenstand des Zuschlags. Der Dienstleister hat sich seinerseits für Teilaufgaben einer Konzerntochter in Indien bedient.“

„Nachdem deutlich wurde, dass die vereinbarten Termine nicht gehalten, zugesagte Funktionalitäten nicht zeitgerecht geliefert und der Auftragnehmer eine zeitgerechte Gesamtfertigstellung nicht mehr zusagen konnte, hat Dataport nach Abstimmung mit den Ländern Hamburg und Schleswig-Holstein die Zusammenarbeit eingestellt“, so Dataport weiter.

Befragt, ob dadurch die Umsetzung der Richtlinie verzögert werde, erklärte Dataport: „Betroffen sind die Länder Hamburg und Schleswig-Holstein. Die Umsetzung der EG-DLR wird sich nicht verzögern; beide Länder werden zum 28. Dezember eine richtlinienkonforme Lösung einsetzen. Allerdings werden einige zusätzliche Infrastrukturkomponenten, die anlässlich der Einführung der EG-DLR neu geschaffen werden sollten, zu Beginn des Jahres 2010 nicht zur Verfügung stehen.“ Zum Stichtag werde eine Lösung eingesetzt, die alle notwendigen Funktionen umfasse. Zwar sei Aufwand für die Entwicklung von Umsetzungskonzepten entstanden, da diese aber weiterhin gültig und verwendbar seien, sei dieser Aufwand nicht vollständig verloren. „Es hat keine Zahlungen in Hinblick auf die Softwareentwicklung gegeben.“

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SAP sieht keine Auswirkung auf andere DLR-Projekte

Auch bei SAP gibt man sich gelassen: „Selbstverständlich wäre die SAP im Rahmen der langjährigen Partnerschaft mit Dataport an einem gemeinsamen Projekt zur DLR sehr interessiert gewesen. Dass es zu keinem Vertragsabschluss gekommen ist, ist bedauerlich, darüber hinaus ergeben sich aber keinerlei Auswirkungen“, Ralph-Peter Rembor, Leiter des Geschäftsbereiches Öffentliche Verwaltungen. Auch eine Verzögerung auf andere Projekte oder das eGovernment-Portfolie des Herstellers soll es nicht geben: „SAP hat mit zwei Pilotkunden, der Stadt Bielefeld und dem Land Hessen, auf Basis von SAP-Standardsoftware jeweils eine kundenindividuelle Softwarelösung entwickelt. Diese Lösung wurde den beiden vorgenannten Pilotkunden Mitte Oktober 2009 ausgeliefert“, so SAP.

Update (16. 12. 09): Inzwischen hat SAP der Redaktion eine weitere offizielle Stellungnahme von Ralph-Peter Rembor zukommen lassen:

„Wie viele andere Software-Unternehmen setzt auch SAP auf das Modell der Software-Entwicklung an verteilten Standorten. Unter anderem wird SAP-Software in Deutschland, den USA, Indien und in etlichen weiteren Ländern entwickelt. Die Qualifikation der indischen Software-Entwickler steht der Qualifikation der Entwickler anderer Herkunft in keiner Weise nach. Wir können die dazu getroffenen Aussagen nicht nachvollziehen.“

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