Pilotprojekt

Schleswig-Holstein fördert Telemedizin auf den Halligen

| Redakteur: Ira Zahorsky

Gibt es auf den friesischen Halligen einen medizinischen Notfall, kann künftig auch per Telemedizin weitergeholfen werden.
Gibt es auf den friesischen Halligen einen medizinischen Notfall, kann künftig auch per Telemedizin weitergeholfen werden. (© zwehren - stock.adobe.com)

Die akutmedizinische Versorgung von Bewohnern und Besuchern der Halligen in Schleswig-Holstein stellt durch die geographischen Besonderheiten und vor dem Hintergrund der demographischen Entwicklung eine Herausforderung dar. Ein telemedizinisches Assistenzsystem soll helfen.

Das auf dem Festland etablierte akutmedizinische Versorgungssystem aus Rettungswagen und Notarzteinsatzfahrzeug wird auf den Halligen nicht vorgehalten, die notfallmedizinische Kompetenz liegt allein in den Händen eines rettungsdienstlich ausgebildeten Krankenpflegers.

Erscheint eine ärztliche Behandlung indiziert, so muss der Patient aufwändig mittels Rettungshubschrauber oder Seenotrettungskreuzer auf das Festland transportiert werden. Häufig können die Patienten innerhalb von 48 Stunden an den Wohnort zurückkehren, da eine längerfristige stationäre Behandlung nicht erforderlich war. Dieses Vorgehen erscheint medizinisch und ökonomisch verbesserungswürdig.

Die Etablierung eines telemedizinischen Assistenzsystems im Rahmen des durch die Ministerien für Soziales, Gesundheit, Jugend und Familie sowie Inneres, ländliche Räume und Integration geförderten Projektes HALLIGeMED hat das Ziel, eine Verbesserung der medizinischen Versorgung bei medizinischen Behandlungsfällen unterschiedlicher Dringlichkeit zu erreichen.

„Durch Schulungen des vor Ort eingesetzten medizinischen Personals und Unterstützung durch ein telemedizinisches System können Fehleinschätzungen, aber auch Verzögerungen im Behandlungsablauf minimiert und so die Sicherheit der Patienten erhöht werden“, erläuterte PD Dr. Jan-Thorsten Gräsner, Direktor des Instituts für Rettungs- und Notfallmedizin des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH). „Dabei bietet das UKSH die Expertise einer Klinik der Maximalversorgung und stellt via Telemedizin die fachärztliche Beratung rund um die Uhr an 365 Tagen sicher.“ Das Institut für Rettungs- und Notfallmedizin (IRuN) leitet und koordiniert das Projekt HALLIGeMED.

Dr. Niels Renzing, Oberarzt im IRuN und Projektleiter, ergänzte: „Darüber hinaus ist das UKSH Leistungserbringer für die teils simulationsbasierten interdisziplinären Schulungen des Personals und für die Koordination des Projektes. Die Auswertung des Projektes ermöglicht einen enormen Erkenntnisgewinn zur Effektivität notfallmedizinischer Maßnahmen auf den Halligen, identifiziert gegebenenfalls aber auch relevante Schwachstellen und trägt so zu einer kontinuierlichen Verbesserung der Versorgung bei.“

Digitalisierung in der Gesundheitsversorgung als Chance

Bei der Übergabe der Förderbescheide durch Landesgesundheitsminister Dr. Heiner Garg und Innenstaatssekretärin Kristina Herbst in Höhe von insgesamt 750.000 Euro für einen Projektzeitraum von drei Jahren im IRuN, betonte Minister Dr. Garg: „Die Digitalisierung in der Gesundheitsversorgung bietet die große Chance, Ärztinnen und Ärzte zum Wohle der Patientinnen und Patienten zu unterstützen und zu entlasten. Telemedizin kann dabei sowohl eine Brücke zwischen ambulantem und stationärem Sektor als auch zwischen dem ländlichen Raum und Fachärzten im Universitätsklinikum schlagen. Durch die unterstützende medizinische Versorgung von Halligbewohnerinnen und -bewohnern soll dieses große Potenzial genutzt und exemplarisch erprobt werden.“

Für Innenstaatssekretärin Kristina Herbst ist dieses Projekt nicht nur für die Halligen, sondern für den gesamten ländlichen Raum von großer Bedeutung: „Wir verbessern gemeinsam – zunächst modellhaft und für die nächsten drei Jahre – die medizinische Notfallversorgung für eine Teilregion des Landes, die ganz besondere Herausforderungen zu tragen hat, und wir erproben in diesem Projekt, was dann auch gegebenenfalls auf andere ländliche Regionen Schleswig-Holsteins übertragen werden kann.“

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