Kongress Intelligente Textilien

Schlaue Stoffe im Internet der Dinge

| Autor: Ira Zahorsky

Wie sieht die Zukunft von intelligenten Materialien technologisch und wirtschaftlich aus? eGovernment Computing sprach dazu mit Stefan Winter, Senior Scientist bei Philips GmbH Innovative Technologies.

eGovernment Computing: Herr Winter, welche Zukunftsszenarien sind Ihrer Meinung nach im Bereich intelligente Materialen in den kommenden 10 bis 15 Jahren möglich? Spekulieren Sie gerne auch „über den Tellerrand“ hinaus.

Winter: Zum einen möchte ich hierzu auf die Veröffentlichung SMART TEXTILES – Licht, Wärme, Daten aus der Faser (pdf) verweisen. Zum anderen sehe ich persönlich generell großes Potenzial in Bereichen, die bisher am Körper getragen werden aber noch auf nicht-textilen Lösungen basieren beziehungsweise in Bereichen, bei denen bisher nur sporadische Messungen praktikabel sind, kontinuierliche Messungen aber hilfreich wären. Als Beispiele können hier der Philips Biosensor und Philips BlueControl dienen. Beide sind bereits kommerziell verfügbar und zeigen damit den Bedarf für Lösungen, die nah oder dauerhaft am Körper werden können. Bisher handelt es sich dabei aber noch um nicht-textile Lösungen, die aber durch textile Eigenschaften weiter verbessert werden könnten. Ein weiterer Bereich, der in Zukunft sehr von intelligenten Textilien profitieren kann ist die Wundversorgung, wie zum Beispiel die neue Veröffentlichung „A Textile Dressing for Temporal and Dosage Controlled Drug Delivery“ zeigt. In einem idealen Szenario werden intelligente Textilien in Zukunft auch unabhängig von integrierten aber endlichen Energiespeichern z.B. durch solarzellenfähige Fasern.

eGovernment Computing: Wie entwickelt sich der Markt wirtschaftlich?

Winter: Hier möchte ich auf den Marktforschungsbericht von Grand View Research verweisen, der im Vergleich zu anderen mit am weitesten in die Zukunft blickt. Aus meiner Sicht gibt es in diesem Segment sowohl im B2B- als auch im B2C-Bereich ein enormes Potenzial. Gerade im Gesundheitswesen herrscht ein enormer Kostendruck und Philips als Gesundheitsunternehmen ist bestrebt dem zu begegnen – auch mit Neuentwicklungen im Bereich intelligente Materialien. Aber nicht nur der Kostendruck ist hier ein Treiber, sondern auch der Bedarf an Lösungen mit textilen oder textil-ähnlichen Eigenschaften (weich, anschmiegsam). Ein gutes Beispiel ist die Amara Gel Maske von Philips, die durch moderne Gel-Technologie einen verbesserten Tragekomfort ermöglicht und damit einen gesunden Schlaf fördert.

eGovernment Computing: An welchen Lösungen für den Bereich Healthcare arbeitet Ihr Unternehmen derzeit? Was ist in diesem Bereich technologisch möglich? Und wie sieht es hier mit dem Absatz aus?

Winter: Neben den oben aufgeführten Lösungen möchte ich für die letzte Frage noch auf Katheter hinweisen. Dies ist ein Bereich, der bei Philips hoch angesiedelt ist (Zukäufe von Volcano und Spectranetics) und aus Sicht von intelligenten Textilien in zweierlei Hinsicht von Bedeutung ist. Zum einen gibt es dort Anwendungen für intelligente Fasern (im Sinne einer minimalen intelligenten Textilie, siehe Optical Shape Sensing). Zum anderen können Entwicklungen von miniaturisierten und flexiblen Systemen in diesem Bereich wie zum Beispiel im von Philips Healthcare geführten Projekt INCITE später Eingang in intelligente Textilien finden.

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