Neue Weichenstellung für die IKT-Landschaft Sachsen-Anhalt digital 2020

Autor / Redakteur: Steffi Brauer / Manfred Klein

Sachsen-Anhalt steht angesichts der demografischen Entwicklung und des damit verbundenen Strukturwandels vor der Aufgabe, seine Orientierung an und seine Nähe zur gesam­ten Gesellschaft weiter auszubauen. Neben einer tiefgreifenden Dialogbereitschaft erwarten die Sachsen-Anhalterinnen und Sachsen-Anhalter schnelle, flexible und bürgernahe öffentliche Verwaltungen sowie einen nutzbaren und einheitlichen Verwaltungsservice.

Firmen zum Thema

(© Sergej Khackimullin - Fotolia.com)

Hierbei leistet die Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) einen wichtigen Beitrag. Im dritten Quartal 2012 hat die Magdeburger Landesregierung die IKT-Strategie „Sachsen-Anhalt digital 2020“ beschlossen, welche die notwendigen Weichenstellungen auf dem Gebiet der Informations- und Kommunikationstechnologie im Land für die kommenden Jahre beinhaltet und im Ministerium für Finanzen erarbeitet wurde.

Spätestens mit dem Papier ist klar: In Sachsen-Anhalt ist die Entwicklung der IKT-Landschaft zunehmend zu einer Infrastrukturaufgabe geworden; gleichrangig neben dem staatlichen Hoch- und Tiefbau.

Schließlich ist die flächendeckende Verfügbarkeit leistungsfähiger und sicherer IKT-Infrastrukturen auch mit Blick auf die herausragende Bedeutung zeitgemäßer Informations- und Kommunikationstechnologien für Bürger und Unternehmen, Schulen, Bildungs- und Forschungseinrichtungen sowie für Einrichtungen der öffentlichen Verwaltung heute ein entscheidender Standortfaktor.

Finanzministerium ist federführend

Und ohne IKT geht dabei nichts mehr. Deshalb hat die Landesregierung nach der letzten Landtagswahl mit Beschluss vom 3. Mai 2011 die IKT-Zuständigkeiten neu ausgerichtet und gebündelt.

Eine zentrale Stelle für die Gesamtkoordination und Steuerung aller IKT-Aufgaben und IKT-Projekte wurde im Ministerium der Finanzen in der neuen Abteilung „Informations- und Kommunikationstechnik“ etabliert und ein Staatssekretär als Beauftragter für Informationstechnik (CIO) berufen.

Damit liegt auch die Fortschreibung beziehungsweise Aktualisierung der IKT-Strategie für das Land Sachsen-Anhalt federführend im Finanzministerium.

Die IKT-Strategie „Sachsen-Anhalt digital 2020“ löst die von der Landesregierung im Jahr 2008 beschlossene „IT-Strategie Sachsen-Anhalt“ sowie das 2000 beschlossene „IT-Leitbild LSA“ ab.

Vor der Beschlussfassung durch das Kabinett am 16. Oktober 2012 haben die IKT-Gremien des Landes dieses Strategiepapier behandelt, diskutiert und fortentwickelt. Die Ressorts, die kommunalen Spitzenverbände sowie der Landesbeauftragte für Datenschutz haben mit ihren Ergänzungen und Anmerkungen zur Konkretisierung und Vervollständigung beigetragen. Auch den Vertretern der Fraktionen im Landtag sowie von Wissenschaft und Wirtschaft wurde im Rahmen der Zusammenarbeit mit dem CIO die Strategie vorgelegt, um Anmerkungen und konstruktive Hinweise aufzunehmen.

Am Ende des strategischen Diskussionsprozesses wurden für die Zukunft maßgebliche Ziele näher definiert, Lösungswege formuliert und in einer separaten, landesinternen Umsetzungsplanung mit konkreten Maßnahmen hinterlegt. So entstanden ein gemeinsames Leitbild und eine grundlegende Handlungsagenda der Landesregierung zum zielgerichteten IKT-Einsatz im Land Sachsen-Anhalt sowie zur Verbesserung des Leistungsangebotes der öffentlichen Verwaltung.

Das Dokument „Sachsen-Anhalt digital 2020“ informiert über die IKT-Strategie der nächsten Jahre, die erstmals mit der E-Government-Strategie zu einem Dokument zusammengeführt wurde.

Ziel der neuen IKT-strategischen Grundlagen für das Land Sachsen-Anhalt ist es, innovative Lösungen mit echtem Nutzwert für Bürgerinnen und Bürger sowie Unternehmen zu schaffen, die politische Mitwirkung zu verstärken, Transparenz sicherzustellen sowie die Grundlagen für eine noch effizientere öffentliche Verwaltung zu verbessern, was angesichts der in den kommenden Jahren bevorstehenden Personalentwicklung dringend geboten ist.

Und natürlich stehen wir auch in der Verantwortung einer gemeinsamen Zusammenarbeit mit dem Bund, den Ländern und Europa hinsichtlich einer optimalen Nutzung von Fördermitteln, um unseren Beitrag als Land zur Kostensenkung, Entschuldung und Demografiefestigkeit zu leisten.

Eine darauf basierende landesinterne Umsetzungsplanung enthält Steckbriefe wichtiger IKT-Projekte aller Ressorts, die den verschiedenen Handlungsschwerpunkten aus dem Strategiepapier zugeordnet wurden. Einmal aufgestellt, wird die Umsetzungsplanung jährlich fortgeschrieben und soll somit dem Controlling dienen. Denn hier werden konkrete Maßnahmen, Zeiträume und Verantwortlichkeiten erfasst.

Unterwegs auf moderner Datenautobahn

Vor dem Hintergrund einer Vielzahl gesellschaftlicher Herausforderungen stehen Staat und öffentliche Verwaltung heute mehr denn je in der Verantwortung, die verschiedenen Effizienz- und Gestaltungspotenziale der IKT in nahezu allen Politikfeldern zielgerichtet zu erschließen.

Dabei kommt der Entwicklung und Etablierung neuer Arbeits- und Organisationsformen auf der Basis der neuen elektronischen Möglichkeiten eine besondere Bedeutung zu. Dies betrifft sowohl die Zusammenarbeit innerhalb von Politik und Verwaltung wie auch die Optimierung von Prozessen an den Schnittstellen zur Wirtschaft sowie die Einbeziehung von Bürgern und anderen Akteuren der Zivilgesellschaft.

Zu den Handlungsschwerpunkten gehören in den kommenden Jahren unter anderem die Einführung einheitlicher IKT-Standards sowie Open Government. Von strategischer Bedeutung für die Landesverwaltung ist auch das Thema elektronisches Dokumentenmanagement.

Unmittelbar bevor steht die Erneuerung des Landesdatennetzes aus dem Jahr 1993. Mit der neuen Datenautobahn können unter anderem alle Landesbehörden, Kommunen und Schulen vernetzt werden. Ab dem Jahr 2015 soll ITN-XT – ein Netzwerk auf aktuellstem Stand der Technik – Realität sein.

Bei der konsequenten Weiterentwicklung von E-Gov­ernment in Sachsen-Anhalt geht es unter anderem auch darum, die direkte Kommunikation zwischen Bürgern, Kommunen und Unternehmen zu vereinfachen. Ziel ist es, die Qualität des öffentlichen Verwaltungshandelns zu erhöhen. So hat Sachsen-Anhalt bereits verschiedene bundesweite E-Government-Projekte übernommen und arbeitet in unterschiedlichen länderübergreifenden Gremien mit. Dabei sind unter anderem die Projekte „Behördenfinder Deutschland“ und die „Einheitliche Behördenrufnummer 115“ entstanden.

Ein weiteres aktuelles IKT-Projekt zum Handlungsschwerpunkt „Kooperatives E-Government“ ist das Föderale Informationsmanagement (FIM), ein Projekt zur ebenenübergreifenden Standardisierung von Bearbeitungsprozessen und Formularen, das bis 2015 erfolgreich in Sachsen-Anhalt umgesetzt werden soll.

(ID:38374960)