25 Jahre IT-BUSINESS: Das virtuelle Hardware-Museum – Teil 2

S3: Von der Porsche-Grafik zur Patent-Keule

| Autor: Klaus Länger

S3: Der Niedergang

Mit der steigenden Bedeutung der 3D-Performance, speziell unter Windows, kam gleichzeitig der Abstieg von S3. Bei Direct3D-Spielen waren mit dem Virge und dessen Nachfolgern Trio und Vision bestückte Karten sehr langsam. Mit der für den Virge entwickelten 3D-API S3D lieferte der Chip eine höhere Performance. S3D wurde nur von sehr wenigen Spieleherstellern unterstützt und verschwand bald wieder. Die Chips der Firma waren hier nicht konkurrenzfähig und S3 konnte nur noch den Markt der günstigen Grafikkarten bedienen. Speziell die Trio-Chips waren hier aber erfolgreich.

Mit den Chips der Savage-Familie unternahm S3 den letzten Versuch, eine konkurrenzfähige GPU zu entwickeln. Mit S3TC verfügten der Savage 3D und dessen Nachfolger über ein leistungsfähiges Kompressionsverfahren für Texturen, das sogar Bestandteil von Direct3D und OpenGL wurde.

Eine schlechte Ausbeute bei der Produktion der Chips, Probleme bei der T&L-Einheit und auch fehlerhafte Treiber verhinderten einen Erfolg der Savage-Chips.

Im November 2000 änderte S3 den Firmennamen in SonicBLUE und konzentrierte sich auf den Digital-Media-Bereich mit MP3-Playern und später einem digitalen Videorekorder, der Werbung überspringen konnte. Dieses Feature führte zu einem langwierigen Rechtsstreit mit etlichen Medienunternehmen, der SonicBLUE 2003 in den Konkurs führte.

Übernahme durch VIA

Die Grafikchip-Sparte wurde schon 2001 an VIA verkauft. Die taiwanische Firma benötigte eine GPU für die Integration in die eigenen Chipsätze für Intel- und AMD-CPUs sowie für die eigenen x86-Prozessoren. Mit dem DeltaChrome unternahm S3 Graphics, so hieß die Firma nun unter VIA-Ägide, 2003 einen weiteren Anlauf mit einer eigenen GPU für AGP-Grafikkarten. Allerdings kamen die Chips erst nach langer Verzögerung auf den Markt und wurden außer von S3 für eigene Karten nur selten eingesetzt.

Mit GammaChrome folgte 2005 der Schritt zu PCI-Express-Karten. Der letzte S3-Chip für Grafikkarten war der Chrome 540 GTX mit Unterstützung für PCIe 2.0 DirectX 10.1, DisplayPort und HDMI. Die von S3 selbst hergestellte Karte wurde aber nur selten angeboten.

Vor allem integrierte VIA die S3-GPUs in die Chipsätze für die eigenen x-86-Embedded-Prozessoren. Deren letzter Vertreter ist der 2011 vorgestellte QuadCore-E-Series mit vier Isaiah-Cores. Der zugehörige VX11-Chipsatz enthält eine Chrome-640/645-GPU.

HTC und der Patentkrieg gegen Apple

Im selben Jahr reichte S3 in den USA eine Patentklage gegen Apple ein, bei der es um einige Grafikpatente ging, die Apple verletzt haben soll. Gleichzeitig hatte der Smartphone-Hersteller HTC angekündigt, S3 von VIA übernehmen zu wollen. HTC befand sich zu der Zeit ebenfalls in einem Patentstreit mit Apple und benötigte dafür dringend Munition. Sowohl HTC als auch VIA gehören übrigens zur Formosa Plastics Group der Familie Wong. Die HTC-Gründerin Cher Wong ist mit dem VIA-Chef Wenchi Chen verheiratet.

Allerdings wurde die Klage von S3 Ende 2011 abgewiesen, da die betreffenden Patente inzwischen im Besitz von AMD waren. Und AMD wollte nicht gegen Apple klagen. Trotzdem soll HTC die Übernahme von S3 durch HTC im Juni 2012 abgeschlossen worden sein. Offensichtlich war man immer noch an den etwa 270 Patenten im Besitz von S3 interessiert.

Die letzten Änderungen auf der noch existierenden Webseite von S3 Graphics datieren auf Juli 2012. Damals gab es noch einmal neue Treiber für Windows XP. Danach verlieren sich die Spuren eines der wichtigsten Grafikchiphersteller der 1990er Jahre.

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Schade, dass in diesem Artikel die miro Computer Products AG fehlt, die 1997 / 98 unterging, aber...  lesen
posted am 31.08.2019 um 22:33 von Unregistriert


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