25 Jahre IT-BUSINESS: Das virtuelle Hardware-Museum – Teil 2

S3: Von der Porsche-Grafik zur Patent-Keule

| Autor: Klaus Länger

In den 1990er Jahren gehörte S3 zu den führenden Grafikchipherstellern. Hier eine Elsa-Karte mit einem S3 968 von 1995.
In den 1990er Jahren gehörte S3 zu den führenden Grafikchipherstellern. Hier eine Elsa-Karte mit einem S3 968 von 1995. (Bild: Bild: Vogel IT-Medien)

Anfang der 90er-Jahre war S3 einer der Top-Hersteller von Grafikchips. Später führte das Unternehmen ein Schattendasein bei VIA und gehört inzwischen zu HTC. Dort war man aber wohl nur an Patenten als Munition gegen Apple interessiert. Unser Kollegen von der IT-BUSINESS setzen ihre Zeitreise in die Technikgeschichte fort.

Wer in der IT-Branche heute das Kürzel „S3“ liest, der denkt an den Cloud-Dienst von Amazon. Vor 25 Jahren war das anders. 1991 machte der 1989 gegründete Startup mit dem 86C911 Furore, dem ersten Single-Chip-Windows-Beschleuniger auf dem Markt. Er verfügte über fest verdrahtete Funktionen für das schnelle Zeichnen von Windows-GUI-Elementen und war dabei schneller und vor allem günstiger als die bislang üblichen Grafik-Coprozessoren von Texas Instruments (TIGA).

Offenbar waren die Chefs des in Freemont, Kalifornien beheimateten Unternehmens S3 Inc. von Porsche begeistert. Denn die nächsten Chips trugen die Bezeichnungen 924 und 928. Später kamen noch die Modelle 964 und 968 mit Porsche-Modellnummern dazu.

Spea Mirage V7: Mit S3 801

Bei den 1992 vorgestellten Mittelklassechips 801 und 805 wich S3 von den Porsche-Bezeichnungen ab, die waren wohl nur für die Top-Modelle reserviert. Der für ISA-Karten bestimmte 86C801 und der VLB-Chip 86C805 waren nicht auf kostspieliges VRAM als Speicher angewiesen, sondern gaben sich mit DRAM zufrieden.

Die S3-801-Karte in unserer Sammlung ist eine Spea Mirage V7 von 1993. Die mit einem MB DRAM bestückte Mirage V7 war ein reiner 2D-Beschleuniger mit 110 MHz schnellen RAMDAC für Standardanwendungen. Sie unterstützte im Gegensatz zu der VRAM-Karte Spea Mercury V7 mit S3 928 nur 16-Bit-High-Color-Beschleunigung. Die Spea Mirage V7 konnte auch mit zwei MB DRAM bestückt werden und kostete etwa 500 D-Mark. Sie war seinerzeit eine der schnellsten ISA-Karten auf dem Markt, die sich ein Student leisten konnte. Sie kam in meinem eigenen 386er-PC zum Einsatz.

Die Firma Spea (Systeme für professionelle Elektronik und Automation) wurde 1984 von Ulrich Seng und weiteren ehemaligen Kontron-Mitarbeitern in Starnberg gegründet. Ursprünglich wollte die Firma Software für die Leiterplattenentwicklung zu entwickeln. Allerdings verlegt sich Spea bald auf professionelle CAD-Grafikkarten. 1992 ging Spea an die Börse und kaufte 1993 den US-Hersteller Video Seven, um in den Massenmarkt für Grafikkarten einzusteigen.

Die Spea-V7-Karten mit S3-Chip hatten einen hervorragenden Ruf, waren aber relativ teuer. Im selben Jahr musste Video Seven bereits Konkurs anmelden und auch Spea kam ins Trudeln. 1995 wurde Spea schließlich von Diamond Multimedia geschluckt.

Einige Spea-Mitarbeiter gründeten das Unternehmen SP3D Chip Design, mit dem Ziel der Entwicklung eines eigenen Grafikchips. SP3D wurde von Philips übernommen, von der Firma und dem Envision-2000-Grafikchip war nach 1999 nichts mehr zu hören.

Elsa Winner 2000Pro/X-8

Ein anderes Kaliber als die Spea Mirage V7 war die Elsa Winner 2000Pro/X-8 von 1995. Mit voller Baulänge ist die mit einem S3 Vision968 und acht MB VRAM bestückte Karte schon optisch beeindruckend. Als Schnittstelle dient PCI, seinerzeit die modernste und schnellste Schnittstelle im PC. Die maximale Datenrate auf dem 32-Bit-PCI-Bus lag bei 133 MB/s (33 MHz Bustakt) und damit auch über dem der ISA-Erweiterung Vesa Local Bus (VLB).

Mit einem 250-MHz-RAMDAC unterstützte die Winner 2000Pro/X-8 Truecolor auch noch bei einer Auflösung von 1.600 x 1.280 Bildpunkten und bot auch eine Videobeschleunigung bei hoher Auflösung. Mit einem Preis von etwa 2.000 Euro gehörte die Elsa Winner 2000Pro/X-8 auch monetär klar ins Profisegment.

Die Firma Elsa wurde bereits Ende 1980 von Klaus Langner und Andreas Steinkopf gegründet. Zunächst war sie nur im Bereich Datenkommunikation aktiv. Die in Aachen angesiedelte Elsa brachte 1988 mit dem MicroLink 2400M das erste postzugelassene Modem auf den Markt, das nicht von der Deutschen Bundespost stammte. Mit dem Einstieg des Grafikkartenentwickler Theo Beisch wurde die Produktpalette von Elsa um Grafikkarten und später auch Monitore erweitert.

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