Netzabdeckung Raum Frankfurt

RMV bietet in sämtlichen S-Bahnen kostenloses WLAN

| Autor / Redakteur: Christian Rupp, dpa / Ira Zahorsky

Die S-Bahnen des RMV sind nun mit WLAN ausgestattet. Doch der Fahrgastverband Pro Bahn Hessen mahnt auch die Abdeckung in den Nahverkehrszügen an.
Die S-Bahnen des RMV sind nun mit WLAN ausgestattet. Doch der Fahrgastverband Pro Bahn Hessen mahnt auch die Abdeckung in den Nahverkehrszügen an. (© dubova - stock.adobe.com)

Der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) hat kräftig nachgerüstet und bietet seinen Reisenden in sämtlichen S-Bahnen kostenloses WLAN an. Das klingt gut – doch es gibt ein kleines Problem.

72.000 Schrauben, 53.000 Meter Kabel, 1 Ziel: WLAN in sämtlichen S-Bahnen im Großraum Frankfurt. Seit Dienstag bietet der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) Reisenden den Komfort des kostenlosen Internetzugangs in all seinen Zügen an. Hessens Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne), RMV-Geschäftsführer Knut Ringat und der Leiter der S-Bahn Rhein-Main, Christian Roth, beendeten in Frankfurt mit der symbolischen letzten Schraube den knapp einjährigen Umbau der 194 S-Bahnen.

Jede einzelne von ihnen war in den vergangenen Monaten in der gigantischen S-Bahn Werkstatt der Deutschen Bahn nahe des Frankfurter Hauptbahnhofs nachgerüstet worden. Jeweils ein Rechner als Router, drei Modems, Internetantennen im Innern, zwei Außenantennen zur Verbindung mit den Mobilfunknetzen. Hinter den Deckenverkleidungen, auf denen die Fahrgäste üblicherweise die Streckenpläne des S-Bahn-Netzes sehen, brachten Monteure so genannte Access Points an – die Zugangsstellen der Reisenden zum rollenden Internet. Insgesamt fünf Millionen Euro kostete der Umbau den Angaben zufolge.

ÖPNV muss attraktiver werden

„Ein toller Tag für den S-Bahn-Verkehr im Rhein-Main-Gebiet“, schwärmt entsprechend Hessens grüner Verkehrsminister. „Um die Städte von Dauerstau und Abgasen zu entlasten, muss der ÖPNV weiter wachsen und attraktiver werden.“ Dazu trage die Ausstattung der Züge mit Internetzugängen wesentlich bei. „Eine dichte Taktung und ein attraktiver Fahrpreis sind die Basis – WLAN ist die Servicequalität.“ Auch RMV-Geschäftsführer Ringat findet große Worte. „WLAN ist heute so selbstverständlich wie das Wasser aus der Wand“, sagt er.

Tatsächlich bietet der RMV mit den Internetzugängen in den S-Bahnen und denen der rund 600 Fahrkartenautomaten nach eigenen Angaben inzwischen das größte freie Funknetzwerk Deutschlands an. Und laut Roth wird der Service seit seinem Start auch gut angenommen. „In den letzten Monaten haben sich jeweils mehr als vier Millionen mobile Endgeräte mit dem WLAN in der S-Bahn verbunden“, sagt er. Doch Größe ist bekanntermaßen nicht alles – Reisende klagen immer wieder darüber, dass die Verbindung außerhalb der Städte wie Frankfurt, Wiesbaden, Mainz oder Darmstadt rasch in die Knie gehe.

Funklöcher außerhalb der Ballungsgebiete

Denn das so genannte Multiprovider-System in den Bahnen greift auf die Mobilfunk-Netze der drei großen Betreiber Deutsche Telekom, Vodafone und Telefónica (O2) zu. Damit verringert sich zwar die Gefahr, dass der Zug gerade in einem Funkloch unterwegs ist. Weiße Flecken auf der Karte gibt es dennoch. Die Folge: Wenn der Zug keinen Empfang von außen hat, gibt es auch innen kein WLAN. Das räumt auch Roth unumwunden ein. „Wir sind in den Gesprächen mit den Mobilfunkanbietern, um letzte Funklöcher – wie etwa im Frankfurter City-Tunnel – zu schließen“, sagt er.

Hier setzt auch die Kritik des Fahrgastverbandes Pro Bahn Hessen an. „Das Netz ist nicht entsprechend ausgebaut. Je ländlicher die Gegend wird, desto schwieriger wird es, dass die Züge überhaupt ein Signal empfangen können“, berichtet Referent Thomas Kraft. Die derzeit existierende Mobilfunkabdeckung zeuge von einem „Versagen der Politik und der Wirtschaft in den vergangenen 20 Jahren“. Nach Angaben des Hessischen Ministeriums für Digitale Strategie und Entwicklung lag die LTE-Versorung aus allen drei Netzen im August hingegen bei 98 Prozent. „Der Netzausbau in Hessen nimmt weiter Fahrt auf“, sagte die parteilose Ministerin Kristina Sinemus noch bei ihrer Sommerreise.

Nachholbedarf bei den Nahverkehrszügen

Gleichwohl begrüßte Pro Bahn die Umrüstung. „Es ist ja schön, dass es WLAN in den S-Bahnen gibt – doch dort arbeitet kaum einer“, sagt Kraft. Es wäre daher seiner Ansicht nach wesentlich wichtiger, etwa in Nahverkehrszügen entsprechende Internetverbindungen und Arbeitsplätze anzubieten, damit sich etwa Pendler auf dem Weg zur Arbeit unterwegs vorbereiten könnten. „In der S-Bahn ist es viel zu eng, um einen Laptop zu benutzen.“ Während die komplette ICE-Flotte der Deutschen Bahn und auch IC-Züge bereits mit mobilem Internetempfang ausgestattet sind, gibt es bei den Nahverkehrszügen in der Region tatsächlich noch Nachholbedarf.

DB-Konkurrent Vlexx etwa bietet in seinen 63 Zügen nach Angaben einer Sprecherin aktuell kein WLAN an, und auch die Hessische Landesbahn (HLB) setzt nur zögerlich auf die Technologie: Lediglich in den Linien RB 75 (Wiesbaden – Mainz – Darmstadt – Aschaffenburg), RB 58 (Frankfurt – Hanau – Aschaffenburg – Laufach) und RE 59 (Frankfurt – Hanau – Aschaffenburg) können Reisende kostenlos im Internet surfen. Zwischen Frankfurt und Mannheim sind die Linien RE 60, RB 67, RB 68 und RE 70 der DB Regio mit dem entsprechenden Angebot unterwegs.

Kein WLAN in den U- und Straßenbahnen

Frankfurt ist nach Stuttgart immerhin die zweite deutsche Stadt, in der sämtliche S-Bahnen über WLAN verfügen. Doch ausgerechnet in der Mainmetropole müssen Pendler und Reisende in den U-Bahnen, Straßenbahnen und Bussen auf die beliebten Router verzichten – die Stadt lehnt eine Umrüstung bislang ab, unter anderem, weil die Mobilfunkabdeckung ausreichend sei. Für Al-Wazir ein Politikum, dass es diplomatisch zu umschiffen gilt: „Frankfurt trifft seine eigenen Entscheidungen, die sollte ein Landespolitiker nicht kommentieren.“

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