Wasserstraßen-Neubauamt in Aschaffenburg Reibungsloser Ablauf der Schifffahrt und IT-Infrastruktur

Autor / Redakteur: Sonja Dietz / Susanne Ehneß

Pro Jahr passieren Güterschiffe mit einer Gesamtladung von rund 18 Millionen Tonnen die Eingangsschleuse zum Main. Dass die Schifffahrt hier stets im Fluss bleibt, ist auch das Ergebnis der Arbeit des Wasserstraßen-Neubauamts Aschaffenburg. Eine funktionierende IT-Infrastruktur ist dabei Grundvoraussetzung.

Firma zum Thema

Das Wasserstraßen-Neubauamt kümmert sich zum Beispiel um die Vertiefung und Verbreiterung der Fahrrinnen
Das Wasserstraßen-Neubauamt kümmert sich zum Beispiel um die Vertiefung und Verbreiterung der Fahrrinnen
(© PANORAMO - Fotolia.com)

Für das Funktionieren unserer Warenströme ist die Verkehrssicherheit unverzichtbar. Das gilt nicht nur für den Nah- oder Fernverkehr auf Straßen und Gleisen, sondern auch für die Schifffahrt: Allein der Main hat sich seit der Eröffnung des Main-Donau-Kanals im Jahr 1992 zu einer wichtigen Verkehrsverbindung entwickelt.

Damit sich die Mitarbeiter des Wasserstraßen-Neubauamts Aschaffenburg (WNA) ganz auf ihre verantwortungsvolle Aufgabe konzentrieren können, ist eine funktionierende IT-Infrastruktur eine wesentliche Voraussetzung.

Ohne die störungsfreie Anbindung an den Datenstrom des Amtes könnten sich die Abläufe auf Baustellen verzögern. Im schlimmsten Fall käme es zu Behinderungen im Güterverkehr. Mit spürbaren Folgen für die Wirtschaft: Immerhin befördert die Binnenschifffahrt deutschlandweit etwa 20 Prozent aller Waren im Fernverkehr. Diese Sorge hat man in Aschaffenburg nicht. Das WNA trägt durch den Ausbau der Fahrrinne der Bundeswasserstraße Main, die Instandhaltung und den Neubau von Schleusen- und Wehranlagen sowie Schiffsliegestellen zu einem reibungslosen Verkehrsablauf auf dem Main und dem Main-Donau-Kanal bei.

Leistungsfähig

„Zu unseren Aufgaben gehören die komplette Abwicklung der Bauprojekte von der Planung und den erforderlichen rechtlichen Verfahren über die Ausschreibung, die Vergabe, die Bauüberwachung und die finanzielle Abwicklung bis hin zur Abnahme der fertigen Bauwerke“, erklärt Frank Müller vom WNA. „Der Neubau und der Erhalt von Staustufen mit leistungsfähigen Schleusenanlagen sowie die Vertiefung und Verbreiterung der Fahrrinne schaffen die Voraussetzungen für eine leistungsfähige Schifffahrt auf dem Main.“ Zukünftig weise der Main durchgängig eine Fahrrinnentiefe von 2,90 Metern und eine Fahrrinnenbreite in der Geraden von 40 Metern auf. „Entsprechende Kurvenaufweitungen erlauben die Durchfahrt von bis zu 185 Meter langen Schubverbänden. All diese Maßnahmen verbessern die Sicherheit für den Schiffsverkehr und die Wirtschaftlichkeit von Schiffstransporten erheblich.“

Überwachen und koordinieren

Damit der Main diesen Kapazitäts- und Infrastrukturanforderungen überhaupt gerecht wird, müssen sämtliche Bauvorhaben kontinuierlich überwacht, koordiniert und dokumentiert werden: Werden die Arbeiten im vorgesehenen Zeitrahmen erledigt und ordnungsgemäß umgesetzt? Sind die Rechnungen korrekt gestellt? All diese Fragen lassen sich nur mit einer konsequenten Bauaufsicht vor Ort beantworten. Daher entstehen an jeder Baustelle mobile Außenbüros – entweder in eigens angemieteten Räumlichkeiten oder im Container, alle ausgestattet mit modernsten Mitteln der Bürokommunikation.

Und tatsächlich: Ob ein Mitarbeiter seinen Computer im Mutterhaus in Aschaffenburg oder im Baubüro bedient, macht funktional keinen Unterschied. Dass das Zusammenspiel zwischen Zentrale und Baubüros vor Ort in puncto IT so reibungslos klappt, ist der Zusammenarbeit mit dem externen Dienstleister Datagroup geschuldet. Er unterstützt nicht nur bei Auswahl und Installation der passenden Hard- und Software und steht den IT-Ansprechpartnern des WNA als Berater zur Verfügung, sondern ist auch verantwortlich für die Administration sämtlicher Endgeräte wie Clients, Laptops oder Drucker, die intern oder extern auf das Netzwerk zugreifen – und natürlich das gesamte Netzwerk sowie die Server selbst.

Obwohl es sich um einen „externen“ Dienstleister handelt ... Lesen Sie auf der nächsten Seite weiter!

Teamarbeit

Die Binnenschifffahrt befördert deutschlandweit etwa 20 Prozent aller Waren im Fernverkehr
Die Binnenschifffahrt befördert deutschlandweit etwa 20 Prozent aller Waren im Fernverkehr
(© JackF - Fotolia.com)
Obwohl es sich um einen „externen“ Dienstleister handelt, ist der vom Auftragsunternehmen entsandte IT-Experte fest in die Teamstruktur eingebunden, sodass seine rechtliche Herkunft im Arbeitsalltag kaum eine Rolle spielt. Das hat für alle Seiten Vorteile. In Sachen Arbeitsatmosphäre ist mannschaftliches Zusammenspiel und Geschlossenheit angesagt; das WNA allerdings profitiert von der Flexibilität und Risikoreduktion eines Dienstleistungsvertrags: Im Krankheits- oder Urlaubsfall ist stets für Vertretung gesorgt. Dieser Vor-Ort-Service zählt zum Angebotsportfolio moderner Dienstleistungspartner. Und das ist auch notwendig. Denn die komplette IT-Landschaft – vom Datenserver bis hin zu den einzelnen Clients – wird vor Ort betrieben und muss auch dort betreut werden.

„Bis zum Jahr 2000 hatten wir einen festangestellten IT-Mitarbeiter im Haus, der an eine andere Dienststelle versetzt wurde“, erzählt Müller. Da die Stelle nicht nachbesetzt wurde, habe man sich für eine externe Betreuung entschieden. Im Jahr 2005 übertrug man der Datagroup diese Aufgabe. „Der Mitarbeiter geht hier ein und aus wie andere Angestellte auch. Ich glaube, manchen Mitarbeitern ist es gar nicht bewusst, dass es sich nicht um einen Kollegen im eigentlichen Sinne handelt.“

Eine Aussage, die die bisherige Zusammenarbeit unterstreicht: „Der IT-Dienstleister unterstützt uns nun schon sehr lange und hat sein Wissen und Können immer wieder unter Beweis gestellt. Krisen oder nennenswerte Störfälle gab es bislang keine.“

Zertifiziert

Voraussetzung waren und sind die Nachweise verschiedenster Zertifizierungen bezüglich Serveradministration, Desktop-Support und IT-Service Management wie ISO 20000. Die Behörde will schließlich sichergehen, dass die Wartung ihrer IT stets auf höchstem Niveau erfolgt. Nicht ohne Grund, denn in dem gemeinsamen Jahrzehnt ist allerhand passiert. Zum Beispiel wurde die komplette IT-Landschaft homogenisiert. Dazu wurden die Prozesse der Behörde zunächst geprüft und im nächsten Schritt standardisiert. Zusätzlich wurden verschiedene Systeme und Applikationen zentralisiert, um eine zentralisierte Administration zu ermöglichen.

Der Vorteil: Notwendige Systemanpassungen oder Upgrades einzelner Applikationen müssen nicht nacheinander an verschiedenen Systemen vorgenommen werden. Die Neuerungen stehen jedem Mitarbeiter zeitgleich zur Verfügung. Das betrifft auch die verwendete Antiviren-Management-Lösung von Symantec oder die Firewall aus dem Hause Sophos, um potenziellen Angriffen aus dem Internet die kalte Schulter zu zeigen. „Früher waren manche Prozesse nicht so einheitlich strukturiert wie das heute der Fall ist, die Gesamtstruktur hat sich erheblich verändert. Das war auch erforderlich. In unserem Behördenverbund gab und gibt es Bestrebungen, vieles zu vereinheitlichen“, so Müller.

Sicherheit

Auf Dienstleisterseite beurteilt man die Auftragnehmerschaft so: „Neben der Erfüllung der Kundenwünsche und Lösen der direkten Probleme achten wir vor allem auf die Systemsicherheit. Und wir meinen damit nicht nur den Schutz vor Bedrohungen, sondern vor allem auch die Ausfallsicherheit und die Reduktion von Kosten für den Auftraggeber“, sagt Kai Ermler, Service Manager bei Datagroup. Die beiden letzten Punkte werden unter anderem durch den Einsatz von „VM Ware“ erreicht, wobei VM für „virtuelle Maschine“ steht.

Das Prinzip: Auf einem physikalischen Server können gleichzeitig mehrere virtuelle Server betrieben werden. Im konkreten Fall sind zwei VM-Ware-Hosts mit angeschlossenem Storage Area Network (SAN) zur Datenspeicherung im Einsatz. Ein System, das größtmögliche Ausfallsicherheit bietet: Im Stör- oder Wartungsfall eines Hosts können sämtliche virtuellen Server vom anderen Host gestartet und deren Services und Applikationen den Clients ohne Zeitverlust zur Verfügung gestellt werden. Ein unterbrechungsfreier Service ist also jederzeit gewährleistet.

Aus der Reduzierung der physikalischen Server ergeben sich aber noch weitere Vorteile .... Lesen Sie weiter!

Aus der Reduzierung der physikalischen Server ergeben sich aber noch weitere Vorteile: Da nur ein und nicht mehrere Serversysteme angeschafft und gewartet werden müssen, reduzieren sich die Beschaffungs- und Instandhaltungskosten erheblich. Und so sagt auch die Umwelt „danke“, denn durch den Einsatz virtueller Maschinen können wertvolle Ressourcen eingespart werden. Stichwort: „Green IT“.

Green IT

Unter „Green IT“ versteht man neueste Standards, nach denen auch die Telearbeitsplätze des Wasserstraßen-Neubauamts eingerichtet sind. Mit dem Angebot von Home-Office-Lösungen trägt das WNA dem Wunsch der Mitarbeiter nach einer besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf Rechnung. „Das ist nachvollziehbar, und wir gehen auf dieses Bedürfnis ein“, sagt Müller.

Damit im Home-Office der Austausch zwischen Server und dem gestellten Laptop funktioniert, muss der Telearbeiter lediglich über einen Internetanschluss mit gängiger Bandbreite verfügen. Netzwerkseitig betrachtet, gestaltet sich das Procedere komplexer: „Die Home-Office-Arbeitsplätze sind über den Cisco-Virtual-Private-Network (VPN)-Client an den Provider des Wasserstraßen-Neubauamts, den Deutschen Wetterdienst (DWD), angebunden“, erklärt Experte Ermler. „Jeder Anwender kann sich über seinen Rechner mit einem speziellen Authentifizierungsverfahren einwählen.“

Anschließend baut sich via Internet ein „virtueller Tunnel“ zwischen dem Server des DWD und Client auf, der vor Angriffen von außen schützt. Der Nutzer befindet sich damit im Weitverkehrsnetz des Bundes und hat vollen Zugriff auf alle Anwendungen, Daten und Intranet – genauso wie im Firmennetzwerk. Über die gleiche Technik loggen sich übrigens auch die Mitarbeiter der Baustellenbüros ein.

Ausblick

Die Entwicklungen in der IT stehen bekanntlich nicht still, und so bahnt sich schon das nächste Projekt an. Geplant ist die Einführung von Citrix Xen App oder eines vergleichbaren Produkts, mit dessen Hilfe jeder ans Firmennetzwerk angeschlossene Client die Ressourcen des Servers nutzen kann. IT-Experte Ermler bringt hier den Begriff „Anwendungsvirtualisierung“ ins Spiel: Die Rechenleistung erfolgt nicht mehr lokal auf dem Endgerät, sondern durch den Server, was wiederum Kosten spart, da die einzelnen Clients nicht immer der neuesten Technik entsprechen und somit nicht regelmäßig ausgetauscht werden müssen.

Im Gegenteil. „Im Prinzip könnte man auch auf einen älteren Rechner oder Thin Client zurückgreifen“, sagt Ermler. Ein weiterer Schritt, damit es auch in Zukunft auf dem Main weiterhin heißt: Freie Fahrt voraus!

(ID:42834409)