Suchen

Cloud Computing verändert das Vorgehen der Anbieter Rechenzentren verlieren an Wert beim Outsourcen

Autor / Redakteur: Matthias Kraus / Katrin Hofmann

Vor wenigen Jahren noch waren Anbieter hoch erfreut darüber, Rechenzentren einschließlich der IT-Mitarbeiter zu übernehmen, wenn sie einen Outsourcing-Vertrag unterschrieben. Dies ist auf Grund von veränderten Outsourcing-Modellen so nicht mehr der Fall.

Firmen zum Thema

Matthias Kraus, Research Analyst bei IDC in Frankfurt am Main
Matthias Kraus, Research Analyst bei IDC in Frankfurt am Main
( Archiv: Vogel Business Media )

Die Outsourcing-Verträge der ersten Generation basierten typischerweise auf der Schiene „My Mess for Less“. Die Idee dahinter war, dass Anbieter die IT für mehrere Kunden gleichzeitig abwickeln konnten und außerdem günstiger an Ausstattung und Software kamen. Somit war es möglich, die erzielten Einsparungseffekte an die Kunden weiterzugeben.

Oftmals fand so ein gewisses Maβ an Rationalisierung statt: Server wurden konsolidiert und Software-Applikationen auf eine einheitliche Version gebracht. In einem sehr rasch wachsenden IT-Outsourcing-Markt haben Anbieter gerne die IT-Mitarbeiter übernommen, sie neu geschult und wieder in Projekten mit anderen Kunden eingesetzt. Die IT-Infrastruktur des Kunden blieb dabei oftmals (nicht immer) unberücksichtigt, jedoch waren Personal und Ausstattung von hohem Interesse für die Anbieter und wurden entsprechend effizient eingesetzt.

Vom Outsourcing übers Offshoring...

Die zweite Generation beinhaltete das Offshoring. Mit diesem Angebot reduzierte sich auch das Interesse, IT-Personal zu übernehmen, denn durch das Verschieben der Aktivitäten zu den Offshore-Standorten warf ein Outsourcing-Vertrag nicht mehr die gewünschte Profitabilität ab. Ein typisches Beispiel dafür ist Indien für Applikationen und Osteuropa für Remote Infrastructure Management.

Auch brachte die zweite Generation von Outsourcing viel mehr Innovation und Transformation in die Verträge selbst: Die Rationalisierung der IT resultierte in Kosteneinsparungen, die für weitere Verbesserungen re-investiert werden konnten, dem Fokus auf Governance und dem generellen Wechsel von einfachen Kostensenkungen hin zu mehr strategischer Unterstützung der Unternehmensentwicklung. Diese Phase änderte bislang nichts an dem Übernahmeverhalten der Rechenzentren, da der Markt sich weiterhin auf Wachstum befand und die Anbieter froh waren, nicht neu investieren zu müssen.

...hin zum Cloud Computing

Bei der dritten Generation verhält es sich anders. Hier sind Technologie- und Prozess-Transformation viel wichtiger als IT-Automation, und Business-Flexibilität – im Gegensatz zur Technologie – sowie Agilität bilden die entscheidenden Ziele. Die Anbieter wollen nicht mehr das Chaos ihrer Kunden übernehmen. Vielmehr wollen sie die Kunden-Applikationen auf die eigenen hochmodernen, standardisierten und automatisierten Rechenzentren übertragen. Dies ist die Realität des Cloud Computings. Die neuen Umgebungen sind zwar teuer in der Aufbauphase, aber günstig im laufenden Betrieb, vorausgesetzt sie sind konsequent standardisiert. Die Übernahme eines alten Rechenzentrums von einem Kunden wäre jetzt vergleichbar mit einer finanziellen Bankrotterklärung.

Auch wenn HP und IBM hier wegweisend sind, müssen alleine schon aus ökonomischen Gründen andere folgen. Nicht alle Anbieter lehnen die Übernahme eines Rechenzentrums grundsätzlich ab, doch muss die Migration vom Kunden zum Käufer so schnell und kostengünstig wie noch nie zuvor erfolgen. Zwar können einige sehr große Rechenzentren an strategisch wichtigen Punkten übernommen werden, die dann als konsolidierte Standorte genutzt werden, doch ist es finanziell oft günstiger, neue aufzubauen.

Durch die wachsende Automatisierung wird es wirtschaftlich immer uninteressanter, IT-Personal vom Kunden zu übernehmen. IDC beobachtet in diesem Zusammenhang die Zurückhaltung einiger Anbieter, Verträge mit großen Personal-Transferelementen zu unterzeichnen, weil zusätzliches Personal grundsätzlich die Margen verringert.

Es ist daher falsch anzunehmen, dass Personal und Ausstattung automatisch als wertvoll in Outsourcing-Verhandlungen gesehen werden. Schließlich verfügen die Anbieter selbst über genügend Ressourcen, sowohl im technischen als auch personellen Bereich. Genau genommen haben sie zu viel von Beidem. Möglicherweise sind die Anbieter willens, Rechenzentren einschließlich Personal zu übernehmen. Das ist aber nur der kleinere Teil eines größeren Deals, der letztlich Profit abwerfen muss. Deshalb gilt für Anwender: “Mess for less” ist heutzutage keine wirkliche Option mehr.

(ID:2048611)