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Betriebssystem von Microsoft Raus aus dem „Extended Security Update“ – so gelingt die Windows 10-Migration

| Autor / Redakteur: Sebastian Weber* / Julia Mutzbauer

Wer sich dem Hobby „Oldtimer“ verschrieben hat, steckt mit Freude viel Zeit und Geld in seine Leidenschaft. Ähnlich geht es etlichen Landes- und Bundesbehörden mit der Pflege und Wartung ihrer Windows-7-Betriebssysteme – mit dem Unterschied, dass sie sich deutlich erhöhten Update-Kosten, die sich Microsoft für den Support des abgelaufenen Releases bezahlen lässt, wohl gerne gespart hätten.

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Eine Migration auf Windows 10 hat nicht nur Auswirkungen auf lokal installierte Anwendungen, sondern kann auch weitere Systeme im Unternehmen betreffen
Eine Migration auf Windows 10 hat nicht nur Auswirkungen auf lokal installierte Anwendungen, sondern kann auch weitere Systeme im Unternehmen betreffen
(© metelsky25 - stock.adobe.com)

Viel wurde in den letzten Monaten darüber spekuliert, warum die IT-Abteilungen den 14. Januar 2020 – seit diesem Tag liefert Microsoft standardmäßig keine Updates mehr für Windows 7 aus und beendete den regulären Support – in ihrem Kalender zwar rot angestrichen haben, es jedoch dennoch nicht schafften, rechtzeitig auf Windows 10 upzudaten.

Neun Monate vor der Deadline hatten es knapp 40 Prozent der Unternehmen in Deutschland bisher entweder aktiv vermieden oder aus zeitlichen und organisatorischen Gründen nicht geschafft, das Projekt „Windows 10 Migration“ anzugehen. Wie gefährlich dies sein kann, zeigte sich drei Monate später: Die Schwachstelle „CVE-2019-0708“ wurde vom BSI und von Microsoft selbst als massive Bedrohung eingestuft, die genau jene IT-Umgebungen gefährdet, die noch immer mit veralteten Betriebssystemen arbeiten. Schwachstellenmanagement und Patchmanagement, wie etwa die ACMP-Suite von Aagon, erkennen solche Gefahren rechtzeitig und melden falls notwendig Handlungsbedarf an.

Tausende von PCs erhielten fehlerhafte Windows-Upgrades

Noch nachlässiger als in Unternehmen wurde bei öffentlichen Behörden mit der Migration umgegangen. In Berlin warteten zum Fristablauf rund 33.000 Verwaltungsrechner auf ihr Update. Nicht anders ist die Situation in etlichen Bundesbehörden. Zu guter Letzt erhielten in Berlin auch noch Tausende von PCs fehlerhafte Windows-Upgrades – die Umstellung musste deshalb von vorne beginnen. Microsoft reibt sich derweil die Hände: Für das „Extended Security Update“-Programm, mit dem Unternehmen und Behörden auch weiterhin Updates bekommen können, kassieren die Redmonder jährlich rund 800.000 Euro.

Professionelle Unterstützung in Anspruch nehmen

Angesichts dieser kritischen Situation drängt sich die Frage auf, ob die Migration auf Windows 10 schwierig ist. Sie ist es nicht, sofern man ein paar grundsätzliche Regeln befolgt. Zunächst sollten Organisationen bei der Planung und Durchführung eines Windows-10-Migrationsprojekts professionelle Unterstützung in Anspruch nehmen. Denn nur ein standardisierter und praxisbewährter Projektablaufplan ermöglicht es, auch eine große Zahl von Rechnern im vorgesehenen Umfang, Zeitrahmen und Budget zu migrieren.

Das geht schon bei der Frage los: 32 oder 64 Bit? Grundsätzlich ist die 64-Bit-Version zu bevorzugen. Sie ist in der Regel deutlich schneller und vor allem bei der Speicherverwaltung effizienter als jede 32-Bit-Variante. Diese sollte nur dann in Betracht gezogen werden, wenn es zu Inkompatibilitäten kommt etwa mit genutzten Peripheriegeräten oder speziellen Programmen oder wenn Office 2010 und neuere Office-Versionen zum Einsatz kommen.

Besser mit neuer Hardware

Nach solchen grundsätzlichen Fragen gilt es, eine passende Migrationsstrategie zu wählen. Problemlos ist in der Regel die Einführung von Windows 10 zusammen mit neuen PCs. Wer mit alten Rechnern arbeitet, sollte zumindest abteilungsweise vorgehen. Dann ist auf jeden Fall zu prüfen, ob die vorhandene Hardware leistungsstark genug für das neue Betriebssystem ist. Für den Check mehrerer Rechner gibt es dazu das kostenlose „Assessment and Planning Toolkit“ von Microsoft oder den ebenfalls kostenlosen „Windows 10 Check“-Report von Aagon.

Der wohl wichtigste Teil eines Migrationsprojekts ist der Test sämtlicher Anwendungen unter Windows 10 – und zwar nicht nur durch die IT-Abteilung, sondern durch alle Anwenderinnen und Anwendern. Nur sie wissen, ob wirklich alle benötigten Funktionen einer Applikation erwartungsgemäß arbeiten. Ebenfalls wichtig zu prüfen sind Abhängigkeiten bestimmter Programme untereinander.

Server-Update ist ein Gewinn

Eine Migration auf Windows 10 hat nicht nur Auswirkungen auf lokal installierte Anwendungen, sondern kann auch weitere Systeme im Unternehmen betreffen. So ist es beispielsweise erst mit den Gruppenrichtlinien des Windows Server 2008 (der ebenfalls seit dem 14. Januar 2020 nicht mehr supportet wird) oder neuer möglich, die Windows-Firewall von Windows 10 richtig und umfassend zu administrieren. Ein Server-Update ist in jedem Fall eine gute Entscheidung.

Gibt es auf den Rechnern lokale Daten, so sollten diese zumindest eine Zeit lang wiederherstellbar sein – selbst wenn die lokale Datenspeicherung im Unternehmen eigentlich nicht gewünscht ist. Relativ unkompliziert gestaltet sich die Sicherung, wenn im Zuge der Migration gleichzeitig die Hardware ausgewechselt wird. In diesem Fall bleiben die ausgemusterten PCs einfach noch ein paar Monate im Lager stehen. Wird jedoch das Betriebssystem bestehender Rechner migriert, ist der Königsweg die Sicherung aller lokalen Daten vor der Migration ins Netz.

Neben lokalen Daten müssen sich auch die persönlichen Einstellungen unter dem neuen Betriebssystem wiederfinden. Da Windows 10 eine veränderte Verzeichnisstruktur aufweist, sollten beispielsweise die Einträge im Startmenü sowie Verknüpfungen auf dem Desktop nicht migriert werden. Denn diese Einträge wären auf dem Zielrechner doppelt vorhanden, und die Hälfte würde nicht funktionieren.

Das richtige Migrationswerkzeug

Theoretisch ist die Migration auf Windows 10 allein mit kostenlosen Bordmitteln von Microsoft möglich – ein für die IT-Abteilung allerdings sehr aufwendiges Verfahren. Deshalb empfiehlt sich der Einsatz eines Client-Management-Systems, dass auch die Migration auf Windows 10 unterstützt. Doch Vorsicht: Einige Systeme erlauben nur eine automatische Windows-10-Migration, wenn bereits das alte Windows und alle Anwendungen mit demselben Werkzeug installiert wurden.

Geeignet ist ein Client-Management-System dann, wenn es die Analyse der IT-Infrastruktur unterstützt, mögliche Konflikte bei der Migration identifiziert, den Rollout von Windows 10 auf alle Clients ermöglicht und dabei auch die richtige Software installiert sowie zusätzliche oder optionale Programme verteilt.Für die Zeit während, sowie mindestens zwei Monate nach, der Migration sollten Unternehmen schließlich ihren Helpdesk idealerweise mit zusätzlichem Personal verstärken. Es empfiehlt sich ferner, ein oder zwei Poweruser pro Abteilung im Vorfeld intensiver zu schulen.

Mehr und ausführlichere Tipps für eine gelungene Migration auf Windows 10 hat Aagon in einem neuen Whitepaper zusammengefasst.

*Der Autor Sebastian Weber ist Produktmanager bei Aagon.

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