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Zwischen Kostendruck und Qualitätsdiskussion Public Shared Service Center: Langer Weg zu kürzeren Prozessen

Autor / Redakteur: Michael Schuster / Gerald Viola

Wenn zwei das Gleiche tun, sehen sie es nicht immer als dasselbe an: Betreibt eine Organisation beispielsweise parallel mehrere Rechenzentren, spricht die Wirtschaft von Redundanz; die Öffentliche Hand hingegen redet von Ressortautonomie. Was Verwaltungen aber seit wenigen Monaten über Art. 91d GG mit der Wirtschaft verbindet, ist das Prinzip des vergleichenden Wettbewerbs. Der neue Artikel mag als Empfehlung formuliert sein, früher oder später wird er aber faktisch zur Pflicht.

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( Foto: Ioannis Kounadeas/Fotolia.com )

Denn die Frage aller Fragen lautet, welche Verwaltung als erste ihre Karten auf den Tisch legt und sich als Leistungsprimus feiern lässt. Was der Marktwirtschaft also immanent ist, wird im öffentlichen Bereich zum Novum. Vor diesem Hintergrund rücken Public Shared Service Center (PSSC) in den Mittelpunkt der Diskussion, also Rechenzentren beziehungsweise Service-Plattformen zur Unterstützung der Verwaltungen und deren Vergleichbarkeit. Stolpersteine auf dem Weg dahin sind vorhanden, aber überwindbar.

Public Shared Service Centers ist ein stark strapazierter Begriff, unter dem sehr unterschiedliche Dienste zusammengefasst und auf den sehr unterschiedliche Erwartungen projiziert werden. Und mit der Verankerung des Artikels 91d in das Grundgesetz haben die PSSC weiter an Bedeutung gewonnen. Voll akzeptiert sind die Center bislang leider aber nur, wenn es um direkte Dienstleistungen für den Bürger geht; länderübergreifende und bundesweite Projekte dieser Art wie etwa „Elster“ haben sich bewährt und gelten als alternativlos.

Ganz anders sieht es aus, wenn es um die Zusammenarbeit verschiedener Behörden und Verwaltungseinheiten auf Fachebene geht – sowohl kommunen- als auch länderübergreifend oder zwischen Bund und Ländern. Was das Ausland vereinzelt schon seit Jahren vormacht – etwa die italienische Region Piemont, die ein zentrales Softwaresystem einsetzt, um die Datenanalyse für verschiedene Fachgebiete der Verwaltung zu übernehmen – prallt in Deutschland noch immer allzu oft an regulatorischen oder politischen Hürden ab. Hinzu kommt das im internationalen Vergleich sehr engmaschige und inzwischen teilweise unzeitgemäße deutsche Datenschutzgesetz, das den Datenaustausch erschwert.

Dennoch: Es existieren Einrichtungen wie etwa ITNRW in Nordrhein-Westfalen oder Dataport in Norddeutschland, die dem Konzept eines Public Shared Service Centers nahekommen. Als (stark vereinfacht gesprochen) zentralisierte Rechenzentren bedienen diese Organisationen in erster Linie den finanziellen Aspekt, also Kosteneinsparungen durch die Zusammenlegung diverser Einrichtungen. Damit einher gehen Redundanzvermeidung und Steigerung der Servicequalität.

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