Neue Agenda, Fachkräftemangel, Finanzknappheit, neue Legislatur

Public Private Partnership neu denken

| Autor / Redakteur: Franz-Reinhard Habbel / Manfred Klein

Voraussetzung ist, dass der Nutzer mit seinem Smartphone reist, welches dem Provider die notwendigen Teildaten für die Abrechnung automatisch zur Verfügung stellt. Ein solches Zusammenführen verschiedener Services schafft neue Jobs in der Verwaltung.

Lapidar formuliert heißen sie „Service Paket Packer“. Aufgabe der Verwaltung wird es sein, interessante Dienste zu identifizieren und sie mittels Plattformen zusammenzuführen. Die Dienste werden überwiegend von Privaten kommen, denn die Innovationskraft wird dort wesentlich größer sein. Eine solche Art von neuen Aktivitäten verändert auch die klassische Public-Private-Partnership-Struktur. Nicht der Bau und der Betrieb von Infrastrukturen stehen hier im Vordergrund, sondern die Bereitstellung von Services durch Unternehmen.

Ergänzt werden diese durch Aktivitäten der Zivilgesellschaft. Die ersten Bürger haben damit begonnen, öffentliche Infrastrukturen selbst zu finanzieren. So wurde in Rotterdam eine Brücke von einem Stadtteil zum anderen durch Bürgerinnen und Bürger gebaut. Mitstreiter und Finanziers haben sich auf einer Internetplattform gefunden und zusammengetan. Das Beispiel hat inzwischen Schule gemacht.

Auch in anderen Orten wie Berlin und Weimar gibt es solche Initiativen. Sie lösen natürlich nicht die Infrastrukturprobleme von Bund, Ländern und Gemeinden, verstehen sich aber als Ergänzung. Die bisherigen PPP-Modelle im Bereich Informationstechnik sind nur der Anfang einer neuen notwendigen Zusammenarbeit zwischen Staat, Wirtschaft und Zivilgesellschaft. Zwar verzeichnen wir derzeit einen Trend zur Rekommunalisierung – hier gibt es genügend Beispiele im Bereich der Energieversorgung –, mittelfristig und langfristig wird es aber zu neuen Kooperationsmodellen, insbesondere mit der Wirtschaft kommen.

Das trifft speziell die Informationstechnik. Hier geht es besonders um die Analyse von Datenbeständen und weniger um Hardware, Software oder Vernetzung. Eine solche Zusammenarbeit wird aber nur funktionieren, wenn vorab Fragen des Datenschutzes und der IT-Sicherheit geregelt werden. Um solche Regelungen zu erreichen, ist eine Vertrauenskultur notwendig. Unternehmen, Staat und Bürger müssen sich zu einer Vertrauensgemeinschaft zusammenfinden. Nur dann wird es möglich sein, die Potenziale insbesondere des deutschen Mittelstandes für die Modernisierung und Erneuerung der Informationstechnologie im Public Sector zu nutzen.

Auch die zunehmende Komplexität der Aufgabenerfüllung, insbesondere in den Bereichen Mobilität und Energieversorgung wird dazu führen, dass das Know-how der Wirtschaft dringend benötigt wird. Die oftmals negativen Erfahrungen mit Großprojekten sollten genutzt werden, insbesondere Projekt­organisationen und das Projektmanagement zu überprüfen. Vielleicht ist es sinnvoll, für größere Projekte in einer zentralen Organisation spezielles Know-how vorzuhalten.

Hiermit hat Großbritannien in den vergangenen Jahren gute Erfahrungen gemacht. Für die Informationstechnologie geben Bund, Länder und Gemeinden jährlich rund 20 Milliarden ­Euro aus. Diese Gesamtsumme schwankt, je nachdem welche Kriterien man zugrunde legt. In den kommenden Jahren wird dieses Budget weiter steigen. Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass das steigende Marktvolumen ausschließlich von den Behörden selbst verantwortet wird. Hier gibt es weiteren Spielraum für die Industrie. Zumal den Behörden in den nächsten Jahren massiv qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern fehlen werden. Und das bei steigenden Anforderungen gerade im IT-Bereich.

Um den notwendigen Modernisierungsprozess aber nicht ins Stocken zu bringen, ist sowohl eine Talent­offensive als auch ein stärkerer temporärer Einsatz von Mitarbeitern aus der Wirtschaft notwendig. Der IT-Fachkräftemangel im öffentlichen Sektor ist bereits jetzt als dramatisch zu bezeichnen.

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