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eGovernment unterstützt Verwaltungsmodernisierung Prozessorientierte Nutzung der EU-Dienstleistungsrichtlinie

| Autor / Redakteur: Dr. Lars Algermissen, Geschäftsführender Gesellschafter der PICTURE GmbH / Manfred Klein

Viele glauben, die Umsetzung der EU-Dienstleistungsrichtlinie (EU-DLR) sei erst einmal abgeschlossen. Richtig verstanden kann die Richtlinie jedoch zu einem Hebel zur weiteren Verwaltungsmodernisierung werden.

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Schon die Prozesskette zur Eröffnung einer Gaststätte ist komplex
Schon die Prozesskette zur Eröffnung einer Gaststätte ist komplex
( Archiv: Vogel Business Media )

Dazu müssen verwaltungsübergreifende Prozessregister aufgebaut werden, damit Synergien genutzt und Doppelarbeiten vermieden werden können. Die EU-DLR steht also erst am Anfang.

Selten hat eine einzelne Richtlinie der Europäischen Union ein derartiges Aufsehen im Bereich der Verwaltungsmodernisierung erregt wie die EU-Dienstleistungsrichtlinie. Das ist auch nicht verwunderlich, stellt sie doch den Öffentlichen Sektor EU-weit vor grundlegende Änderungen, sofern die Kerngedanken konsequent umgesetzt werden:

  • Grundlegende Vereinfachung der von der Richtlinie im Öffentlichen Sektor betroffenen Geschäftsprozesse.
  • Die Schaffung von einheitlichen Ansprechpartnern mit dem Ziel, Behördenkontakte für Unternehmen aus einer Hand anzubieten und abzuwickeln.
  • Die Möglichkeit, die Aufnahme von Dienstleistungstätigkeiten und damit verbundene Behördenkontakte elektronisch durchzuführen.

Im Vergleich zu früheren Modernisierungsprojekten ist bei der EU-DLR im Hinblick auf die Geschäftsprozesse ein Paradigmenwechsel erforderlich: Nicht allein einzelne Prozesse einer Verwaltung müssen betrachtet werden, sondern komplexe Anliegen über Organisationsgrenzen und Verwaltungsebenen hinweg.

Bis zum Ablauf der formalen Frist Ende 2009 haben viele Verwaltungen einfache und pragmatische Lösungen zur Umsetzung der genannten Anforderungen gewählt – angesichts der sich anfangs 2010 abzeichnenden eher geringen Inanspruchnahme der Bürger und Unternehmen – ein strategisch richtiger Einstieg. Perspektivisch wird die Serviceorientierung verstärkt wahrgenommen werden und zu deutlich steigenden Nutzerzahlen führen – um damit klarzukommen, ist ein methodisches Vorgehen erforderlich, wie das Wissen für die einheitlichen Ansprechpartner systematisch aufbereitet und einfach zugänglich zur Verfügung gestellt werden kann.

Das Prozessregister Sachsen, welches im Folgenden vorgestellt wird, ist ein Ansatz, der eine nachhaltige Basis zur Serviceverbesserung der Öffentlichen Verwaltung liefert – und das auch bei deutlich steigenden Nutzerzahlen.

Von der EU-DLR sind viele Akteure (Kammern, Kommunen, Landesbehörden, Unternehmen, etc.) und viele Prozesse betroffen (von der Erteilung von Konzessionen über die Erteilung von Registerauskünften bis hin zur Anmeldung von Gewerben). Die Verwaltungen – insbesondere auf kommunaler Ebene müssen dabei eine Reihe von Aufgaben lösen:

  • Verwaltungsübergreifende Herausforderungen
  • Die für die EU-DLR relevanten Prozesse müssen identifiziert und benannt werden.
  • Alle an einem Prozess beteiligten Akteure müssen identifiziert werden.
  • Der Prozessablauf und der Informationsfluss zwischen den Akteuren muss erfasst werden.
  • Verwaltungsspezifische Herausforderungen
  • Identifizierte Prozesse müssen beschrieben (modelliert) werden.
  • Vereinfachungsmöglichkeiten müssen aufgefunden und umgesetzt werden.
  • Informationen zu Akteuren, erforderlichen Dokumenten sowie den Vor- und Nachbedingungen müssen einheitlich dokumentiert und dem Einheitlichen Ansprechpartner (EA) zur Verfügung gestellt werden.

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