Interview Prozessoptimierung und der Nutzen von eGovernment

Redakteur: Manfred Klein

Der Traum von schlanken, kostensparenden Prozessen zwischen Wirtschaft und Verwaltung ist so alt wie eGovernment. Aber der Dialog zwischen beiden Seiten wollte nie so recht in Gang kommen. Umso erstaunlicher wirkt es da, wenn ein Industriemanager am Stand der Bundes­beauftragten für Informationstechnologie die Vorzüge von eGovernment preist.

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Nicht nur im Stammwerk der BASF kann P23R Übermittlungskosten sparen – auch Klein- und Mittelstand sowie Gewerbe profitieren von der Prozessdatenbeschleunigung
Nicht nur im Stammwerk der BASF kann P23R Übermittlungskosten sparen – auch Klein- und Mittelstand sowie Gewerbe profitieren von der Prozessdatenbeschleunigung
(Foto: BASF AG)

Dr. Gerd Rehmer, Vice President für Umwelt und Genehmigungen der BASF, erläuterte auf der CeBIT Bürgern und Kollegen aus der Wirtschaft die Vorzüge des Prozessdatenbeschleunigers P23R. eGovernment Computing sprach mit Dr. Rehmer über den Entwicklungsstand und die Zukunft des Projekts sowie über den dadurch entstehenden Nutzen für Wirtschaft und Verwaltung.

Dr. Gerd Rehmer, Vice President für Umwelt und Genehmigungen, Abfallrecht und Altlasten bei BASF
Dr. Gerd Rehmer, Vice President für Umwelt und Genehmigungen, Abfallrecht und Altlasten bei BASF
(Foto: BASF)

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Herr Rehmer, Sie haben im Publi­c Sector Parc als Vertreter eines Industrieunternehmens am Stand der Bundesbeauftragten für Informationstechnologie für die Vorzüge des Prozessdaten­beschleunigers P23R geworben. Welche Vorteile verschafft eGovernment Wirtschaft und Industrie?

Rehmer: Aktuell gibt es mehr als 10.000 unterschiedliche Meldepflichten für Unternehmen in Deutschland. Diese belasten die Wirtschaft jährlich mit etwa 40 bis 50 Milliarden Euro. Die unternehmensinterne Erhebung, Verarbeitung und Verwaltung dieser Daten ist für Unternehmen wie BASF nur noch durch den Einsatz von EDV zu leisten.

Um die Berichtspflichten beispielsweise im Umweltbereich zu erfüllen, ist die korrekte „Übersetzung“ komplexer Rechtsnormen in Regeln beziehungsweise EDV-Programme ein zeit- und kostenintensiver, aber notwendiger Vorgang.

Die Bereitstellung der Regelsoftware könnte man als Dienstleistung organisieren. Einen vorteilhaften Einsatz von eGov­ernment sehen wir aber auch bei Genehmigungs­verfahren, wozu unter anderem das eGovernment-Gesetz die notwendige Voraussetzung schaffen könnte.

Welche Vorteile bietet insbesondere der Prozessdatenbeschleuniger P23R für Wirtschaft und Verwaltung?

Rehmer: Der große Vorteil von P23R ist darin zu sehen, dass über den Prozessdatenbeschleuniger eine medienbruchfreie Kommunikation zwischen Verwaltung und Unternehmen stattfindet: Die Betriebe müssen Gesetze und Verordnungen, aus denen sich die Berichtspflichten ableiten, nicht mehr zeitaufwendig analysieren. Die Daten werden aus jedweden Vorsystemen automatisiert nach implementierten Regeln zu Berichten zusammengestellt, wobei die Datenhoheit beim Unternehmen bleibt.

Wir bei BASF würden von der Einführung von P23R profitieren. Ein Beispiel: Für jede der etwa 300 Anlagen am Standort in Ludwigshafen, für die Emissionsdaten erhoben werden müssen, würde die Datenübermittlung zwischen Unternehmen und Behörden mit dem Prozessdatenbeschleuniger durchgängig automatisiert werden. Damit würden Kosten gespart und Mitarbeiter entlastet werden. Die Verwaltung ihrerseits würde mit ihrem Prozessdatenbeschleuniger die verwaltungsinterne Verarbeitung der empfangenen Daten ebenfalls automatisieren können und könnte so die gleichen Vorteile wie die Unternehmen ausschöpfen.

Gilt das nur für Großunternehmen? Wie können Klein- und Mittelständler vom Prozessdaten­beschleuniger profitieren?

Rehmer: Für Klein- und Mittelständler ist es sogar noch viel schwieriger als für ein Großunternehmen, der Vielzahl von Berichtspflichten nachzukommen. Für Klein- und Mittelständler bringt der Einsatz eines Prozessdatenbeschleuniger daher nur Vorteile – auch weil das P23R-Prinzip praktisch auf alle Berichtspflichten anwendbar ist.

Die Ableitung von Berichtspflichten aus Rechtsnormen setzt die permanente Verfolgung von Änderungen und den qualifizierten Umgang damit voraus. Diese Regeln zur automatisierten Erstellung der Berichte aus den Unternehmensdaten sind im P23R enthalten und müssen nicht mehr selbst ermittelt werden. Der weitere Einsatz eines Prozessdatenbeschleunigers orientiert sich an der Größe des Unternehmens und am Umfang der Berichtspflichten.

Der Prozessdatenbeschleuniger litt immer auch ein wenig unter einer eher technisch geprägten Öffentlichkeitsarbeit. Was hat sich hier geändert, und welche Auswirkungen erhoffen Sie sich davon?

Rehmer: Zugegebenermaßen ist das ganze Thema techniklastig und ohne Erläuterungen nicht jedermann vermittelbar. Ich bin aber davon überzeugt, dass mit der diesjährigen Präsentation am Stand der Beauftragten der Bundesregierung für Informationstechnologie auch dem interessierten Laien sehr gut vermittelt werden konnte, was ein Prozessdatenbeschleuniger zu leisten vermag. Jedenfalls war dies mein Eindruck bei einer Vielzahl von Gesprächen, die ich während der CeBIT geführt habe.

Wie wird es mit dem Prozessdatenbeschleuniger weitergehen?

Rehmer: Unsere Mitarbeit auch an dem LänderInformationsSystem Anlagen (eLISA) des Hessischen Ministeriums für Umwelt, Energie, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, zeigt, dass wir von dem innovativen P23R-Prinzip überzeugt sind. Wir werden uns als Projektpartner der Metropolregion Rhein-Neckar auch zukünftig für den Einsatz eines P23R für den weiten Bereich der Umweltmeldepflichten engagieren.

Herr Rehmer, wenn Sie drei Wünsche frei hätten, was würden Sie sich von Politik und Verwaltung für eGovernment für die Wirtschaft und für sich als Bürger wünschen?

Rehmer: Mein erster Wunsch erfüllt sich bereits: Mit dem eGovernment-Gesetz wird der notwendige recht­liche Rahmen für eGovernment geschaffen.

Mein zweiter Wunsch richtet sich an alle von ihnen angesprochenen Gruppen: Wir alle müssen offen für eGovernment sein, um auch im zukünftigen Wettbewerb bestehen zu können. An die Politik möchte ich den Wunsch richten, dass sie auch künftig für die Rolle des Staates als Dienstleister wirbt und Projekte für effiziente Prozesse zwischen Wirtschaft und Verwaltung einerseits und Bürger und Verwaltung andererseits, fördert.

Der dritte Wunsch betrifft die praktische Umsetzung: Der Einführung von eGovernment muss immer eine Analyse der zugrunde liegenden Geschäftsprozesse und der erhobenen Daten vorangestellt werden. Jedes erhobene Faktum verursacht Kosten, jedes nicht erhobene Faktum vermeidet diese Kosten. Transparenz und ein an effizienten Prozessen orientiertes Denken schafft die notwendigen Strukturen für den sinnvollen Einsatz vom eGovernment.

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