eGovernment-Studien Prozessoptimierung als Motor der Behördenmodernisierung

Redakteur: Manfred Klein

Studien zu eGovernment stehen derzeit wieder hoch im Kurs. Besonders interessante Ergebnisse liefert das Zukunftspanel Staat & Verwaltung. Zeigt die Untersuchung doch unter anderem zahlreiche Hemmfaktoren und Katalysatoren für die Optimierung von Verwaltungsprozessen auf.

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Greifen die Entwicklungen bei eGovernment optimal ineinander?
Greifen die Entwicklungen bei eGovernment optimal ineinander?
(Foto: 3desc - Fotolia.com)

So sehen fast 60 Prozent der Befragten im budgetären Druck und den dadurch voraussichtlich erzwungenen Einsparungen die größte Herausforderung für Verwaltungen in den kommenden Jahren. Den daraus resultierenden Konsolidierungsdruck und Einsparungsdruck halten gut 40 Prozent für sehr hemmend für ein zukunftsorientiertes Regierungs- und Verwaltungshandeln. Und wie ließe sich mit diesem Druck besser umgehen, als die Prozesse zu optimieren, um so Kosten zu sparen.

Dass es dabei keineswegs nur um hausinterne Prozesse geht, zeigt die nächste Frage: Wo liegen Ihrer Ansicht nach die größten Chancen in den nächsten fünf Jahren? Gut 40 Prozent der Befragten nennen die „verstärkte Zusammenarbeit und Vernetzung zwischen unterschiedlichen Gebietskörperschaften“. Ohne die Anpassung der verschiedenen Prozesse wird auch das nicht gehen.

Und über 44 Prozent gehen davon aus, dass die Technologietrends „Zentralisierung & Konsolidierung“ die Struktur und Governance der Öffentlichen Verwaltung stark beeinflussen werden.

Über 81 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass es beim Einsatz gemeinsamer Standards und Infrastrukturkomponenten mehr Verbindlichkeit zwischen Bund, Ländern Gemeinden geben sollte.

Dazu passt die Einschätzung, inwieweit die Verwaltungsmodernisierung in der eigenen Behörde bereits umgesetzt wird: 67 Prozent halten Prozessoptimierung und -management für nur teilweise umgesetzt.

Und für Thema Prozessoptimierung vielleicht besonders wichtig: Fast 22 Prozent fordern für die IT eine stärkere Rolle bei der Optimierung von Prozessen und Diensten.

Die Studie belässt es jedoch nicht bei einer Analyse der Zusammenhänge im Bereich der Prozessoptimierung. „Die aktuelle Finanz- und Schuldenkrise richtet den Fokus wieder auf wirksame Konsolidierungsmaßnahmen und Aufgabenkritik.

In diesem Zusammenhang ist der Einsatz von eGovernment und weiterer Ansätze der Verwaltungsmodernisierung von großer Bedeutung, um bisher ungenutzte Leistungsverbesserungs- und Kostensenkungspotenziale zu erschließen“, schreiben die Verfasser um Prof. Dr. Gerhard Hammerschmid von der Hertie School of Governance.

Zielsetzung der Studie

Die Studie will so eine Bestandsaufnahme und Anregungen zu folgenden Themenkomplexen der Verwaltungsmodernisierung liefern:

  • Herausforderungen und Lösungsansätze zukunftsorientierten Regierungs- und Verwaltungshandelns,
  • Strukturen, Prozesse, Technologien & Dienstleistungen,
  • Öffentliche Finanzen, Effizienz & Transparenz,
  • Führung, Personal & Kompetenzen.

Dabei fördert das Zukunftspanel Staat & Verwaltung unter anderem folgende zentrale Ergebnisse für die Verwaltungen zutage:

  • Demographischer Wandel und budgetärer Druck sind die zentralen Herausforderungen der Zukunft für Verwaltungen,
  • bei den Lösungsansätzen setzen die Verwaltungen weiterhin primär auf Ansätze der Binnenmodernisierung,
  • die bisherige Verwaltungsmodernisierung in der Behörde wird tendenziell als erfolgreich erachtet, kämpft aber mit einer Vielzahl hemmender Faktoren, die eine Intensivierung sowie einen integrierten Ansatz erfordern und
  • es gibt klare Umsetzungsdefizite und Handlungsbedarf in Richtung einer stärkeren Beteiligung der Bürger.

So sehen die befragten Behörden den demografischen Wandel (62,1 Prozent) sowie budgetären Druck und Einsparungen (59,2 Prozent) als die größten Herausforderungen in den nächsten fünf Jahren.

Der erhöhte Druck nach Transparenz durch Bürger, öffentliche Medien und soziale Netze (41,3 Prozent), die Attraktivität der öffentlichen Verwaltung als Arbeitgeber (37,8 Prozent) sowie die Stärkung des regionalen/nationalen Wirtschaftsstandortes (37,5 Prozent) werden ebenfalls als wesentliche Herausforderungen erachtet.

Interessant ist hingegen, dass die technologischen Veränderungen (25,9 Prozent) oder die Erwartungen der Bürger und Unternehmen gegenüber der Verwaltung (25,4 Prozent) in deutlich geringerem Ausmaß als Herausforderungen wahrgenommen werden.