Sicherer Informationsaustausch Polizeikommunikation 2030

Autor / Redakteur: Tobias Stepan* / Susanne Ehneß

Echtzeitkommunikation ist schon heute unverzichtbar, um Polizei-Einsätze schnell, flexibel und ortsunabhängig zu planen und durchzuführen. Doch wie sieht die Kommunikation von Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) zukünftig aus? Ein Ausblick von Tobias Stepan.

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Jede Streife ist standardmäßig mit einem digitalen Funkgerät ausgestattet. Der Austausch von Fotos und Videos nimmt aber an Bedeutung zu
Jede Streife ist standardmäßig mit einem digitalen Funkgerät ausgestattet. Der Austausch von Fotos und Videos nimmt aber an Bedeutung zu
(© Tobias Arhelger - stock.adobe.com)

Bestehende Kommunikationslösungen dienen dazu, alle relevanten Beteiligten – von der Zentrale bis hin zu den Einsatzkräften – zu vernetzen sowie die Planung und Organisation aller Einsätze zu strukturieren. Die wichtigste technologische Innovation, die sich in den letzten Jahren für eine erfolgreiche Sprachkommunikation in Blaulicht-Organisationen etabliert hat, ist der Digitalfunk BOS. Jede Streife ist standardmäßig mit einem digitalen Funkgerät ausgestattet. Eine ganzheitliche, digitale Sprachkommunikation ist garantiert.

Die Evolution in der Kommunikation geht weiter

Mittlerweile geht es aber längst nicht mehr darum, nur Sprachnachrichten, sondern auch digitale Inhalte auszutauschen. Fotos und Videos über mobile Endgeräte in diversen Consumer Apps – allen voran WhatsApp – zu verschicken, gehört für die meisten bereits zur Alltagskommunikation dazu. Jedoch eignet sich eine Consumer App nicht für einen sicheren und datenschutzkonformen Informationsaustausch im beruflichen Kontext von Polizeibeamten. Folglich entsteht der Bedarf, eine Symbiose zwischen dem Digitalfunk BOS und einer sicheren Messaging-App zu bilden, die sich sowohl auf mobilen Endgeräten als auch in der Einsatzzentrale am Desktop-PC nutzen lässt.

Eine Alternative zu WhatsApp finden

Wie in anderen regulierten Bereichen ist es auch in Blaulicht-Organisationen von zentraler Bedeutung, keine Schatten-IT entstehen zu lassen. Denn diese birgt die Gefahr, dass Daten und Informationen möglicherweise in die falschen Hände geraten. Es braucht eine DSGVO-konforme Alternative zu Messenger-Diensten wie WhatsApp: Diese muss einen schnellen, effektiven Austausch sicherstellen und darf der Consumer App in ihrer Benutzerfreundlichkeit in nichts nachstehen. Denn das erhöht die Akzeptanz eines solchen Tools und steigert dessen Nutzungsintensität.

Mehr als einfacher Chat

Ebenso entscheidend, wie die Benutzerakzeptanz ist es, alle relevanten Anwendungsfälle durch intuitive Funktionen schnell und einfach abzubilden. So hat sich die Funktionalität von Messaging Apps in den vergangenen zwei Jahren stark weiterentwickelt. Dadurch können auch Sicherheitsbeamte zahlreiche Szenarien effektiv abdecken. Dazu gehören:

  • Verteilerlisten, um einsatzspezifische Gruppenchats schnell aufzusetzen;
  • Alarmierungsfunktionen, die helfen, die direkte Notfallkommunikation und -koordination mithilfe von Quittierungsoptionen und Alarmberichten zu vereinfachen;
  • Live-Standort-Übermittlung, die den Aufenthaltsort von Einsatzkräften in Echtzeit sendet;
  • anbindbare Drittsysteme, um Informationssysteme und Datenbanken automatisiert und schnell abzufragen;
  • Chat-Widgets für die Webseite und WhatsApp-Anbindung, denn sie erleichtern den Informationsaustausch mit Bürgern in Notfällen durch ein neues Hotline-Verhalten.

Vom Messenger zum Kommunikationshub

In den nächsten Jahren werden Messenger die Kommunikation mobiler Einsatzkräfte weiterhin vereinfachen können, dabei aber viel mehr Funktionen bieten und ein breiteres Einsatzspektrum abdecken. Entscheidend ist es, die entsprechenden IT-Lösungen vollumfänglich und sicher zu verwalten sowie einen ganzheitlichen Datenaustausch durch die Verknüpfung aller Informationssysteme zu gewährleisten.

Neben dem Digitalfunk BOS gibt es bei den Polizeibehörden heute noch andere Berichts-, Informations- und Einsatzleitsysteme sowie Datenbanken, die für die tägliche Arbeit relevant sind. Bisher sind diese Systeme in der Regel kaum verknüpft. Es bestehen oftmals Datensilos, die den Informationsaustausch langsam, aufwändig und fehleranfällig machen. Ziel muss es daher sein, die unterschiedlichen Kommunikations- und Informationssysteme intelligent miteinander zu verbinden. Auf diese Weise lassen sich Informationen automatisiert bereitstellen und verteilen und die Austauschprozesse weitestgehend digitalisieren – und dadurch eben auch beschleunigen. Das reduziert manuelle Abfragen und Eingaben auf ein Minimum.

Im Ergebnis können sich die Einsatzkräfte zukünftig mehr auf die eigentliche Polizeiarbeit konzentrieren und effizienter arbeiten. Zudem führen umfassendere Informationen, Daten und Lagebilder auch zu einer Effektivitätssteigerung.

Vernetzung der Bundesländer und weitere mögliche Meilensteine

In ein paar Bundesländern sind Messenger bereits flächendeckend im Einsatz. In anderen stehen derartige Projekte noch am Anfang. Ähnlich verhält es sich mit anderen mobilen Informations-, Berichts- und Einsatzleitsystemen, die für die Kommunikation erforderlich sind. In ein paar Jahren werden all diese Systeme bundesweit ausgerollt und die verschiedenen Sicherheitsbehörden digital stark miteinander vernetzt sein.

Zudem werden nicht nur Messenger und Digitalfunk länderübergreifend verbunden sein, sondern auch alle anderen relevanten IT-Systeme. Dadurch wird ein einfacher, schneller und strukturierter Informationsaustausch möglich. Vom aktuellen Stand ausgehend, gibt es zahlreiche weitere Meilensteine, die die Evolution der Polizeikommunikation nachhaltig beeinflussen könnten:

1. Zusammenschluss von Digitalfunk und Messenger-Diensten

Der Digitalfunk wird sich stark weiterentwickeln. Gleiches gilt für Messenger-Dienste. Nicht nur die Tetra-Netze werden sich verbessern, sondern mit 5G tritt ein neuer leistungsstarker Mobilfunkstandard auf den Plan, der die Kommunikationsmöglichkeiten deutlich erweitert. Bei Digitalfunk und Messenger-Diensten wird es zunehmend Überschneidungen und Konvergenzen geben. So ist es vorstellbar, dass diese Kommunikationssysteme sich langfristig zusammenführen lassen.

2. KI-basierte Kommunikation

Im Jahr 2030 erhalten die Einsatzkräfte eine verstärkte Unterstützung durch künstliche Intelligenz (KI) in der Kommunikation. Durch die Verknüpfung von Systemen und die Kombination von Akten, Standortinformationen, aktuellen Lagen und polizeitechnisch-relevanten Daten werden sich neue Kommunikationsszenarien abbilden lassen. Zum Beispiel:

  • Wird ein Fahrzeug mit stark überhöhter Geschwindigkeit in einer stationären Radaranlage erfasst, ist denkbar, dass die Streifenwagen im Umkreis automatisch über Fahrzeugtyp, Kennzeichen und Halter informiert werden und ebenso ein Foto des Vorfalls zugeschickt bekommen.
  • Wird ein Kind in einem Park vermisst, kann die KI die Geopositionen und -strecken der Einsatzkräfte automatisch auswerten und Bereiche vorschlagen, die noch nicht genug bzw. zu wenig abgesucht wurden.
  • Identifiziert eine Überwachungskamera in einem Fußball-Stadion einen gewalttätigen Fan, lässt sich das Foto automatisch mit der Position der Person an alle Einsatzkräfte im betroffenen Block schicken.
  • Liegen offene Fälle im Umkreis einer Streifenfahrt vor, kann die KI den Einsatzkräften automatisch die Akten und relevante Informationen übermitteln.

Unter Berücksichtigung rechtlicher Aspekte wie dem Datenschutz wird die KI-basierte Kommunikation zur Einsatzeffizienz und zum Schutz der Bürger und Beamten beitragen.

3. Weniger Endgeräte und neue Nutzerinterfaces

Solange manche Abfragen nur in den Zentralen möglich sind, stehen Informationen aus dem Einsatzleitsystem den mobilen Einsatzkräften oft nicht vollständig zur Verfügung. Bis 2030 werden jedoch alle Systeme vollumfänglich auf allen Endgeräten zur Verfügung stehen – ob PC, Tablet, Smartphone, Car-IT oder Digitalfunk. Einsatzkräfte werden zu jeder Zeit und von jedem Ort auf alle relevanten Informationen zugreifen können.

Zugleich wird sich die Anzahl der benötigten Endgeräte reduzieren. Es gibt erste Smartphones, die ausgefeilte Push-to-Talk-Funktionen bieten. Ebenso erreichen erste hybride Digitalfunkgeräte den Markt, die über die typischen Smartphone-Applikationen verfügen. Zudem wird es neue Nutzerinterfaces geben, die ideal auf die Polizeiarbeit abgestimmt sind. Vielversprechende Kandidaten hierfür sind Smartwatches, die sich in den letzten Jahren technisch rasant entwickelt haben. Sie sind leicht, robust, warten mit immer mehr Funktionalitäten auf und eignen sich daher besonders für mobile Einsatzkräfte. Es bleibt jedoch noch abzuwarten, welche Geräte sich bei den Polizeibehörden tatsächlich etablieren lassen.

„Aktuell zeigt sich deutlich, dass das Interesse an einer einheitlichen Kommunikationslösung wächst – so auch bei den Polizeien der jeweiligen Bundesländer. Die nächste Stufe in Sachen sicheres Messaging wird folglich darin bestehen, eine bundesweite Vernetzung der Polizeien zu ermöglichen, sodass sie sich über Bundeslandesgrenzen hinweg einfach austauschen können“, meint unser Gastautor Tobias Stepan
„Aktuell zeigt sich deutlich, dass das Interesse an einer einheitlichen Kommunikationslösung wächst – so auch bei den Polizeien der jeweiligen Bundesländer. Die nächste Stufe in Sachen sicheres Messaging wird folglich darin bestehen, eine bundesweite Vernetzung der Polizeien zu ermöglichen, sodass sie sich über Bundeslandesgrenzen hinweg einfach austauschen können“, meint unser Gastautor Tobias Stepan
(© Teamwire)

4. Gewährleistung von neuen Sicherheitsanforderungen

Die technischen Sicherheitsanforderungen an Kommunikationstools werden in Zukunft noch umfassender sein. Durch die zunehmende Verknüpfung von Systemen wird ein sicherer Container auf dem Endgerät für die Datenverwaltung ebenso von Bedeutung sein wie ein ganzheitliches Daten- und Zugriffsmanagement. Mit den technischen Möglichkeiten wächst auch die Bedrohung durch Cyber-Angriffe. Die Verschlüsselungsalgorithmen der Kommunikation weiter zu stärken und zusätzliche Sicherheitsfunktionen zu etablieren, wird folglich unumgänglich sein.

Fazit: Eine Investition in die Zukunft

Im Jahr 2030 wird die Polizei von sehr vielen neuen Kommunikationsmöglichkeiten profitieren, sodass sie schneller, einfacher, produktiver und sicherer arbeiten kann. Auch wenn dies mit Investitionen in neue Kommunikationstools, IT-Systeme, Endgeräte und Digitalisierungsprojekte einhergeht, werden die signifikanten Einsparungspotentiale bei den Altsystemen deutlich spürbar sein. Langfristig betrachtet sinken die Kommunikationskosten, während die Qualität der Polizeikommunikation ansteigt.

*Der Autor: Tobias Stepan, Gründer und Geschäftsführer der Teamwire GmbH

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