Internetkriminalität

Polizei vor großen Herausforderungen im Kampf gegen Cybercrime

| Autor / Redakteur: dpa/th / Ira Zahorsky

Die Polizeien und Länder müssen in puncto Cybercrime besser zusammenarbeiten.
Die Polizeien und Länder müssen in puncto Cybercrime besser zusammenarbeiten. (© blende11.photo - stock.adobe.com)

Datendiebstähle, Erpressung oder illegale Geschäfte im Darknet: Die Gefahr durch Internetkriminalität steigt. In Erfurt diskutieren Experten über Möglichkeiten, sich dagegen zu rüsten. Klar ist: Es gibt dringenden Handlungsbedarf.

Die steigende Gefahr durch Internetkriminalität stellt die Polizei nach Ansicht von Experten vor große Herausforderungen. Die Bedrohung durch Cybercrime steige, sagte Holger Münch, Präsident des Bundeskriminalamts, am Mittwoch auf einem Symposium des Thüringer Landeskriminalamts in Erfurt. Deswegen müsse es eine stärkere Zusammenarbeit der Polizeien der Länder geben. Der bundesweite Cyberangriff auf Politiker und Prominente Anfang des Jahres habe gezeigt, dass die Zusammenarbeit „noch lange nicht rund“ laufe, so Münch.

Unter anderem gebe es in den Ländern unterschiedliche Gesetze für die Gefahrenabwehr. Beispiele seien die Telekommunikationsüberwachung und die Online-Durchsuchung. „Das Ganze kann nur klappen, wenn wir auch mit möglichst einheitlichen Verfahren und Standards unterwegs sind“, sagte Münch.

Derzeit basierten die IT-Systeme der Polizeien auf vielen unterschiedlichen Datentöpfen, sagte der BKA-Chef. Das BKA arbeitet daran, die Informationsarchitektur der Polizei zu zentralisieren. Ziel sei eine gemeinsame Plattform, auf der Polizeibeamte unter Berücksichtigung der Gesetze zu jeder Zeit und an jedem Ort auf erforderliche Daten zugreifen könnten.

Der Bereich Internetkriminalität habe ein „erhebliches Wachstumspotenzial“, so Münch. Beispiele seien der Einsatz so genannter Ransomware, also Erpressungssoftware, oder „Phishing“. So nennt man Versuche von Kriminellen, über gefälschte Webseiten oder E-Mails an persönliche Daten eines Internetnutzers zu gelangen. Im Darknet – einem Bereich des Internets, in dem sich Nutzer durch eine Anonymisierungssoftware fast komplett anonym bewegen können – habe sich außerdem eine „Underground Economy“ entwickelt, also ein großes Geschäft mit illegalen Waren oder Dienstleistungen.

Thüringer Polizei braucht Personal

Der Präsident des Thüringer Landeskriminalamts, Jens Kehr, sieht für die Thüringer Polizei auch wegen Personalmangels erschwerte Bedingungen im Kampf gegen Internetkriminalität. „Globalisierung und Digitalisierung sind die aktuellen Herausforderungen und Aufgabenstellungen für die Polizei in Bund und Ländern, denen wir uns stellen“, sagte er. „Wir tun das in der Thüringer Polizei unter besonders schwierigen Rahmenbedingungen: Wir haben einen erheblichen personellen Aderlass der letzten Jahre nicht nur im operativen Kerngeschäft zu verkraften, sondern auch bei der Bewältigung neuer Schwerpunkte, insbesondere im Kontext unserer heutigen Veranstaltung.“

In Thüringen wurden im vergangenen Jahr rund 2.500 Fälle von Computerkriminalität registriert, wie aus der Kriminalstatistik hervorgeht. „Wir brauchen gut ausgebildete Polizistinnen und Polizisten, die das können. Dazu brauchen wir erstmal Stellen“, sagte Thüringens Innenminister Georg Maier (SPD). Nächstes Jahr soll es im Freistaat nach dem Willen der Thüringer SPD 199 zusätzliche Planstellen für die Polizei geben. Im LKA arbeiten derzeit 19 Mitarbeiter im Dezernat Cybercrime. Zehn Dienstposten wurden seit August 2015 neu besetzt, wie aus einer Antwort des Innenministeriums auf eine Anfrage des CDU-Abgeordneten Raymond Walk hervorgeht.

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