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Bundesregierung plant „Digitale Rentenübersicht“ Plattform soll Fragen rund um die Rente beantworten

| Autor: Julia Mutzbauer

Die Bundesregierung will die sogenannte „Digitale Rentenübersicht“ einführen. Dabei handelt es sich um ein Modell zur automatisierten Abfrage und Zusammenführung der individuellen Daten auf einer zentralen Plattform. Doch die Gesellschaft für Versicherungswirtschaft und Gestaltung (GVG) kritisiert, dass eine reine Bereitstellung von Informationen nicht ausreicht.

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Die Digitale Rentenübersicht soll den Kenntnisstand der Bürgerinnen und Bürger über ihre eigene Altersvorsorge verbessern
Die Digitale Rentenübersicht soll den Kenntnisstand der Bürgerinnen und Bürger über ihre eigene Altersvorsorge verbessern
(© magele-picture - stock.adobe.com)

Die Regierung habe im Gesetzentwurf zur „Verbesserung des Kenntnisstandes der Bürgerinnen und Bürger“ lediglich aufgeführt, dass es sich bei der Digitalen Rentenübersicht um ein reines Mittel zur Beschaffung handeln soll, erklärt die GVG in ihrer Stellungnahme. Während damit eine zentrale Funktion adressiert werde, sei diese Festlegung unvollständig und falle hinter die Zielsetzung zurück. Aus Sicht der GVG sollte die Digitale Rentenübersicht die Nutzer auch dabei unterstützen, ihre Vorsorge besser planen zu können. Dazu müssten sie ihren individuellen Handlungs- beziehungsweise Vorsorgebedarf erkennen können und Orientierungswissen zum Thema Altersvorsorge erhalten.

Außerdem sollte die Digitale Rentenübersicht es ermöglichen, die individuellen Altersvorsorgeansprüche auch über längere Zeiträume nachzuvollziehen und wieder auffinden zu können. Ein solches Tracking von Altersvorsorgeansprüchen sei besonders dort relevant, wo keine Informationspflichten bestehen oder diese etwa mit der Beendigung eines Beschäftigungsverhältnisses entfallen.

„Schließlich sollten die Informationen aus der Digitalen Rentenübersicht zu einem späteren Zeitpunkt auch dazu genutzt werden können, im Rahmen europäischer Projekte die Rentenansprüche mobiler Beschäftigter grenzüberschreitend nachvollziehbar zu machen“, argumentiert die GVG.

Ferner heißt es im Positonspapier, die GVG befürworte zwar grundsätzlich das vorgeschlagene Modell zur automatisierten Abfrage und Zusammenführung der individuellen Daten auf einer zentralen Plattform, weise aber auch ausdrücklich auf die damit verbundenen technischen Herausforderungen hin. Ein wesentlicher Vorteil, der im Referentenentwurf beschriebenen Lösung sei, dass keine zentralisierte Datensammlung über die individuellen Altersvorsorgeansprüche aufgebaut werden müsse, da die Daten grundsätzlich bei den Vorsorgeeinrichtungen verblieben und nur fallbezogen abgerufen würden.

Für die Vorsorgeeinrichtungen bedeute dies jedoch, dass die jeweiligen Daten über geeignete Schnittstellen jederzeit zum Abruf zur Verfügung gestellt werden müssten. „Auch kleine Versorgungseinrichtungen mit wenigen Versicherten müssten damit täglich eine womöglich hohe Anzahl von Abfragen beantworten“, betont die GVG. Der Aufbau einer entsprechenden Dateninfrastruktur und die Sicherstellung einer permanenten Verfügbarkeit sei aber mit erheblichen Kosten verbunden.

Positiv bewertet die GVG, dass der Gesetzentwurf die Möglichkeit vorsehe, Dritte mit der Bereitstellung und Übermittlung der Daten zu beauftragen. Sowohl die rechtlichen Ausgestaltungsmöglichkeiten als auch die damit verbundenen Kosten seien aber zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht bekannt. Und es fehle ein technisches Proof-of-Concept, dass die Verarbeitung und Zusammenführung der Daten für eine potenziell dreistellige Zahl von Versorgungseinrichtungen in Echtzeit und mit einem vertretbaren Kostenaufwand ermögliche.

„Bei bereits bestehenden Datenaustauschverfahren zwischen den Versorgungseinrichtungen und der Deutschen Rentenversicherung Bund, etwa im Rahmen des Rentenbezugsmitteilungsverfahrens oder des Riester-Zulageverfahrens, handelt es sich ausnahmslos um asynchrone Prozesse, die nicht auf eine Kommunikation in Echtzeit ausgelegt sind. Für die Nutzenden könnte es zu entsprechend langen Wartezeiten von Stunden oder gar Tagen kommen, bis die vollständigen Daten im Portal zur Verfügung stehen“, kritisiert die GVG.

Nach Ansicht des Verbands ließe sich die Datenverfügbarkeit und die Geschwindigkeit der Datenübermittlung deutlich erhöhen, wenn für Wiederholungsabfragen die Vertragsdaten in einem Nutzerkonto gespeichert würden. Auch ein Meldeverfahren, bei dem für registrierte Nutzer jeweils die aktuellsten Standmitteilungsdaten an die zentrale Stelle übermittelt werden und damit zur sofortigen Einsicht zur Verfügung stehen, solle in der Entwicklungsphase geprüft werden.

Der Gesetzentwurf sieht vor, dass die Vorsorgeeinrichtungen die letzte verfügbare Standmitteilung sowie einen standardisierten Datensatz an die zentrale Stelle übermitteln. Vor diesem Hintergrund verweist die GVG darauf: „Eine Übereinstimmung der wertmäßigen Angaben mit jenen der Standmitteilung kann in manchen Fällen irreführend sein, etwa bei kapitalmarktabhängigen Produkten.“ Oftmals würden Versicherte die Internetportale der Versorgungseinrichtungen bereits nutzen, um sich über die aktuelle Wertentwicklung etwa ihres Riester-Fondssparplans zu informieren. Die wertmäßigen Angaben zu diesen Produkten in der Digitalen Rentenübersicht würden hingegen der aktuellen Entwicklung bis zu einem Jahr hinterherhinken und hätten entsprechend geringe Aussagekraft.

Gleiches gelte, wenn seit der letzten Standmitteilung eine Zuzahlung geleistet wurde. Es solle geprüft werden, inwiefern auch die Übermittlung aktueller Daten ermöglicht werden könnte, wobei in diesen Fällen erläuternde Hinweise und Auskunftsmöglichkeiten der Vorsorgeeinrichtungen besonders wichtig seien. Außerdem empfiehlt die GVG, die weiteren Angaben zum Leistungsumfang erst in einer späteren Entwicklungsstufe verpflichtend in die Digitale Rentenübersicht aufzunehmen.

Darüber hinaus sollte sich die Digitale Rentenübersicht nach Auffassung der GVG nicht auf eine Zusammenstellung der Informationen zu den einzelnen Altersvorsorgeprodukten beschränken. Um die Nutzer bei ihrer Altersvorsorgeplanung zu unterstützen und die Interpretation der dargestellten Werte zu erleichtern, sollte sie auch allgemeine Informationen zum Thema Altersvorsorge, etwa zur Wirkung von Inflation auf zukünftige Einkommen, den Auswirkungen der Zins- und Lohnentwicklung oder der Verrentungsmöglichkeit von Kapitaleinkommen bereitstellen. Hierbei sollte es sich um Inhalte handeln, die von der zentralen Stelle entwickelt werden.

Langfristig sollte aus Sicht der GVG das Ziel sein, alle Altersvorsorgeprodukte im Sinne des Gesetzes möglichst umfassend und lückenlos in der Digitalen Rentenübersicht zu erfassen. Nur so könne sichergestellt werden, dass der Gesamtüberblick vollständig und damit aussagekräftig für die individuelle Vorsorgeplanung ist. Die GVG spricht sich dafür aus, dass Versorgungseinrichtungen, die auch nach dem Stichtag auf freiwilliger Basis an die zentrale Stelle Daten übermitteln, durch geeignete Beratungs- und Serviceleistungen bei der Anbindung unterstützt werden.

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 Julia Mutzbauer

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Redaktion, eGovernment Computing