Potenzial von offenen Verwaltungsdaten realisieren

Plädoyer für einen nachhaltigen Umgang mit Open Data und GovData

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Wettbewerbe sind ein durchaus etabliertes Element der Wirtschaftsförderung, um Jungunternehmen zu unterstützen.

Vorreiter war der 2009 in Washington D.C. durchgeführte Apps-for-Democracy-Wettbewerb. Ziel war es, die Inanspruchnahme der offenen Datenbestände von Washington D.C. nachhaltig zu erhöhen. Die Veranstalter waren von Anzahl und Qualität der eingereichten Apps und deren Nutzen für die Stadt positiv überrascht. Rasch publizierten sie eine Anleitung, wie ein Wettbewerb durchgeführt und Entwickler motiviert werden könnten.

Die Wirtschaftsförderung des Landes Berlin setzte 2010/2011 mit dem Apps4Berlin-Wettbewerb noch auf eine Förderung der lokalen Software-Entwicklungsindustrie ohne Open Data.

Beim ersten Apps4Deutschland-Wettbewerb 2011/2012 und beim zweiten Wettbewerb Government-Apps unter Schirmherrschaft des Bundesinnenministeriums wurden dagegen offene Daten, eine ideelle Förderung, überschaubare Gratifikationen und eine mediale Begleitung des „Events“ favorisiert, ohne dies mit einer Wirtschaftsförderungsagenda zu verknüpfen.

Mit Blick auf die anstehende Evaluierung der Open-Data-Aktivitäten des Bundes sollte daher besonders hinterfragt werden, wie nachhaltig diese Wettbewerbe angelegt wurden. Wurde den Preisträgern im Nachgang auch ein passender Förderrahmen angeboten, der zur Schaffung neuer Arbeitsplätze und zum weiteren Wachstum beitrug? Vertiefend stellt sich die Frage nach jenen Beweggründen, die Ideengeber bisher davon abhielten, noch mehr aus ihren prämierten Ansätzen zu machen.

Große Bedeutung in Großbritannien

Die Regierung von Großbritannien setzt auf Open Data zur Wirtschaftsförderung und fördert im Rahmen ihres nationalen Ansatzes gezielt Unternehmen und Start-ups. Mit der Gründung des Open Data Instituts wurde in London eine Anlaufstelle geschaffen, die das Themenfeld erschließen, Projekte forcieren, Wissen transferieren und Start-ups Räume zur Entwicklung bieten soll.

Interesse und Nachfrage sind hoch, die bereits eingeworbenen Drittmittel beachtlich. Die Britische Vermessungsverwaltung (Ordnance Survey) geht seit 2009 mit der Geovation Challenge in dieselbe Richtung.

Sie widmet sich spezifischen Fragestellungenvon gesellschaftlicher Bedeutung, stellt die dazugehörigen Geodaten bereit und fordert Innovatoren auf, Lösungen einzureichen: Wie kann sich Großbritannien selbst ernähren? Wie können wir das Transportwesen in Großbritannien verbessern? Wie können Nachbarschaften gemeinsam transformiert werden? Wie können wir britischen Unternehmen helfen, umweltfreundlicher zu sein?

Die Preisträger erhalten eine durchaus beachtliche Anschubfinanzierung zur Umsetzung ihrer Idee, idealtypisch verbunden mit einer weiteren Wirtschaftsförderung. Diese beiden Ansätze zeigen exemplarisch, welche Bedeutung diesem Wirtschaftszweig in anderen Staaten in Europa bereits zugemessen wird.

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