„Ratlose Politik! Hilfreiche Berater?"

Plädoyer für einen Code of Conduct

| Autor / Redakteur: Henning Lühr, Dipl. Verwaltungswirt/Jurist, Tätigkeit in verschiedenen Verwaltungen, seit 2003 Staatsrat für Finanzen, Personal und IT im Land Bremen. 2019 Vorsitzender des IT-Planungsrates. / Julia Mutzbauer

Die Vergabe von Beratungsleistungen

Bremen hat sich bereits Ende der 90iger in ersten Ansätzen mit der Steuerung des Beratungseinsatzes auseinandergesetzt und klare Vorgaben für die Beauftragung gemacht. Berater- und Gutachterverträge sind in der Verwaltung natürlich ein sensibles Thema. Sie können ein wirtschaftlicher Weg sein, um eigenes Fachwissen und eigene Arbeitskapazitäten temporär zu ergänzen. Ob Hilfe von außen notwendig ist und wie die Beteiligung der Verwaltung erfolgt, muss jedoch in jedem Einzelfall nach festgelegten Kriterien entschieden werden.

Der Bremer Senat hat deshalb schon 2009 eine „Prüfliste notwendiger Schritte für das Entscheidungsverfahren zur Beauftragung von externen Gutachter- und Beratungsaufträgen in der Bremer Verwaltung“ als Anlage der Verwaltungsvorschriften zu § 55 der Landeshaushaltsordnung beschlossen. Damit wird das zentrale Anliegen des Senats, die Transparenz im Verwaltungshandeln zu erhöhen, durch einheitliche Rahmenbedingungen und verbindliche Standards sichergestellt.

Im Jahr 2014 wurde vom Senat ergänzend beschlossen, dass externe Beratungsaufträge ab einem Volumen von 5.000 Euro nur nach vorheriger Senatsbefassung vergeben werden dürfen. Ab 45.000 Euro ist zusätzlich eine Zustimmung des Haushalts- und Finanzausschusses notwendig.

In einer „Arbeitshilfe für die Beauftragung von externen Gutachter- und Beratungsaufträgen“ wird den Beschäftigten in der Bremer Verwaltung eine Handlungshilfe zur Umsetzung der „Prüfliste“ notwendiger Schritte für das Entscheidungsverfahren zur Verfügung gestellt. In der Arbeitshilfe sind die wesentlichen Punkte dargestellt, die bei der Einholung einer externen Beratungsleistung zu beachten sind.

Die Hinweise orientieren sich dabei an der Chronologie eines solchen Prozesses und erfassen schwerpunktartig die Stationen des verwaltungsmäßigen Entscheidungsverfahrens, die Form der Vergabe, die Vertragsgestaltung und die Auswertung der Ergebnisse der Beratung.

In jedem Einzelfall ist zu prüfen, ob neben verwaltungsinternen Kompetenzen auch wissenschaftliche Einrichtungen der Universitäten und Hochschulen im Land Bremen genutzt werden können.

Die Rekommunalisierung des Sachverstandes

Wie andere auch hat Bremen zusammen mit Dataport erst kürzlich einen Lehrstuhl und ein Graduiertenprogramm für Digitalisierung in der Öffentlichen Verwaltung an der Universität Bremen im Fachbereich Mathematik und Informatik eingerichtet. Bremen hat festgestellt, dass in erheblichem Umfang Qualifikationen im Projekt- und Veränderungsmanagement benötigt werden. Alle vorhandenen und angehenden Führungskräfte lernen dies. Auch im BA-Studium „Public Management“ ist es inzwischen Kernelement. Zudem betreiben wir gemeinsam mit der Universität Bremen einen interdisziplinären Weiterbildungsmaster „Entscheidungsmanagement“ (Rechtswissenschaft, Philosophie, Politikwissenschaft, BWL und Informatik), in dem seit vier Jahren jährlich angehende Führungskräfte studieren.

Daneben haben wir zentrale Organisationseinheiten im Finanzressort geschaffen, die die „In-House-Beratung“ wahrnehmen:

  • Das Büro für Projekt- und Veränderungsmanagement und das Digitalisierungsbüro mit jeweils zehn Stellen.
  • Im Bremer Aus- und Fortbildungszentrum wurde eine Beratungsstelle für die Unterstützung von Veränderungsprozessen („Besser verändern!“) eingerichtet.

Unsere In-House-Teams sind natürlich interkommunal vernetzt.

Ein weiterer Ansatz liegt natürlich auch in der zukunftsorientierten Ausgestaltung der Zusammenarbeit mit den kommunalen und staatlichen Dienstleistern, die im Rahmen der „digitalen Souveränität“ neben dem verantwortlichen Betrieb von Plattformen und Rednerleistungen künftig auch im Bereich Lösungen und Beratung eine wichtige gestaltende Funktion übernehmen könnten. Hier sind die öffentlichen Dienstleister gefordert, im wohlverstandenen Sinne ein Co-Working zu etablieren. Gelungene innovative Beispiele müssen mehr Beachtung finden. Nur so wird es eine Nachhaltigkeit beim Aufbau des notwendigen Sachverstandes des staatlichen und kommunalen IT-Managements geben.

Inhalt des Artikels:

Kommentar zu diesem Artikel abgeben
Das Übel hat viele Wurzeln, um mal einmal vier zu nennen, von denen einige nicht so häufig genannt...  lesen
posted am 10.09.2019 um 16:43 von Unregistriert

Lieber Henning, ich finde es gut, dass mal jemand die Klappe aufmacht und dann nach guter Analyse...  lesen
posted am 28.08.2019 um 10:49 von woksoll


Mitdiskutieren
copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 46076376 / Projekte & Initiativen)