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Baden-Württembergs digitale Bildungsplattform Pilot zur Nutzung von Office 365 an Schulen gestartet

Redakteur: Manfred Klein

Einen wichtigen Schritt vorwärts haben die Verantwortlichen im baden-württembergischen Kultusministerium bei der Digitalisierung in Schulen geschafft. Ein Pilotprojekt untersucht die Tauglichkeit von Microsoft Office 365 für den Schulbetrieb – und auch der Landesdatenschützer ist mit an Bord.

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Baden-Württemberg testet spezielle Office-365-Version für den Schulbetrieb
Baden-Württemberg testet spezielle Office-365-Version für den Schulbetrieb
(© davidfuentesphoto.com – stock.adobe.com)

Der Vorstoß Baden-Württembergs ist umso bemerkenswerter, als in der Diskussion um die Digitalisierung in den Schulen aus Datenschutzgründen zumeist Open-Source-Software favorisiert wird. Einfach hat man es sich in Stuttgart aber dennoch nicht gemacht. So umfasst allein die Datenschutzfolgeabschätzung, die der Landesbeauftragte (LfDI) für den Datenschutz und Informationsfreiheit im Zuge seiner beratenden Funktion am Pilotprojekt eingefordert hat, rund 400 Seiten.

Im Rahmen des Pilotprojektes wird eine speziell für den Schulbereich konfigurierten Version von Microsoft Office 365 getestet. Ziel ist es, die Praktikabilität und Datenschutzkonformität der Software zu erproben und Schulen künftig eine umfangreiche digitale Arbeitsplattform anzubieten. Der Landesdatenschützer Stefan Brink begleitet das mehrwöchige Pilotprojekt, nachdem zusammen mit dem Ministerium umfangreiche Vorbereitungsmaßnahmen getroffen wurden. Brink berät das Kultusministerium zu datenschutzrechtlichen Fragestellungen und führt gleichzeitig Gespräche mit Microsoft zur Verbesserung der rechtlichen und technischen Rahmenbedingungen weiter.

Mit der vom Kultusministerium gewählten Software soll den LehrerInnen sowohl ein eMail-Dienst als auch – als Software as a Service – eine Büro-Arbeitsplatzumgebung mit Textverarbeitung, Präsentations- und Kalkulationsprogrammen sowie einem Cloud-Speicher zur dienstlichen Verfügung gestellt werden. Auch das Videokonferenztool MS Teams sollen die ausgewählten Schulen im Rahmen des Pilotbetriebs verwenden können.

Bei der digitalen Kommunikation entstehen viele persönliche Daten, die gerade im Schulverhältnis besonders zu schützen sind: LehrerInnen kommunizieren mit SchülerInnen, Eltern, anderen LehrerInnen, mit den Schulbehörden und mit dem Kultusministerium. SchülerInnen kommunizieren ebenfalls untereinander. Ein gemeinsamer Standard in der digitalen Arbeit und der Datenverarbeitung vereinfacht den Lehrenden unmittelbar die Arbeit und sichert gleichzeitig die Schülerrechte.

LfDI Stefan Brink: „SchülerInnen, Eltern und Lehrende erwarten zu Recht sichere und praktikable digitale Softwarelösungen. Wir begleiten das aktuelle Pilotprojekt an den Schulen gerade auch in Zeiten der Pandemie weiter und wollen sehen, wie die vom Ministerium eingesetzte spezielle Version von MS Office 365 in der Praxis tatsächlich funktioniert.“

Letztlich werden die Schulen als datenschutzrechtlich Verantwortliche entscheiden, welche digitalen Lösungen sie für die Kommunikation zwischen Lehrenden und Lernenden einsetzen wollen. Dass das Kultusministerium hierzu Angebote entwickelt und zur Verfügung stellt, sei auch aus Sicht des Datenschutzes sinnvoll, denn so könnten übergreifend Lösungen angeboten werden, welche sicher funktionieren und die Rechte der Beteiligten achten. Aber natürlich bleibe es den Schulen unbenommen, auch eigene Kommunikationsmöglichkeiten zu finden und datenschutzkonforme Alternativen zu nutzen.

Brink spricht sich in diesem Zusammenhang dafür aus, dass das Kultusministerium hier alternative datenschutzkonforme Kommunikationsmöglichkeiten bereitstellt, damit Schulen eine echte Wahl haben. Bereits jetzt stünden allen Schulen kostenlos die vom Land selbst betriebene und auf die Bedürfnisse der LehrerInnen zugeschnittene Webkonferenz-Software BigBlueButton, das Lernmanagement-System Moodle und der Messenger Threema zur Verfügung. Das Landeshochschulnetz BelWü bietet zudem allen Schulen schon länger eMail-Adressen unter eigener Adresse der jeweiligen Schule. Weitere datenschutzkonforme Alternativen könnten zum Beispiel die Videokonferenz-Software Jitsi, der Cloud-Dienst Nextcloud und die Büro-Software Onlyoffice mit Textverarbeitung, Tabellenkalkulation und Präsentationssoftware sein.

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