EU-Benchmark

Personenbezogene Daten sind die eGovernment-Zukunft

| Autor: Manfred Klein

Führungsrolle von Deutschland erwartet

Marc Reinhardt, Leiter Public Sector bei Capgemini Deutschland, sieht Deutschland indessen auf einem guten Weg, da wesentliche Weichenstellungen erfolgt seien: „Aktuell liegt Deutschland verglichen mit den gesamteuropäischen Ergebnissen weitgehend im Mittelfeld. Allerdings verzeichnen wir eine enorme Dynamik in Bund, Ländern und Kommunen, ausgelöst durch das Online-Zugangsgesetz“, so Reinhardt.

Die Umsetzung des Portalverbunds und des Digitalisierungsprogramms des IT Planungsrates ließen zudem erwarten, dass sich die beginnende Aufholjagd gegenüber führenden Staaten in den Ergebnissen der kommenden Jahre widerspiegeln werde. „Ein wichtiges Indiz dafür ist die Qualität der deutschen Regierungsvorhaben, die mit 84 Prozent um 10 Prozent besser als der Durchschnitt bewertet wurde, so Reinhardt.“

Reinhardt weist ebenfalls auf den kritischen Einfluss beim Umgang mit personenbezogenen Daten hin: „Sicherheitsaspekte sind für das Vertrauen essentiell und der Bürger sollte die Hoheit über seine personenbezogenen Daten haben, wie dies auch schon von der DSGVO gefordert wird. Nur so kann die nächste Ära personalisierter und datenbasierter Leistungen mit entsprechender Akzeptanz in der Bevölkerung vorangetrieben werden.

Um nun allerdings angesichts des guten Ergebnisses in Jubel auszubrechen, ist es noch zu früh. Offenbart doch ein tieferer Blick in die Studienergebnisse, dass Deutschland zwar anders als die meisten anderen untersuchten Staaten gute Ergebnisse bei der Datenqualität erzielt, dafür aber beim Thema Datenportal hinterher hängt.

Der Fokus der Bundesregierung liegt aktuell auch eher auf Open Government und nicht Open Data als Ganzes. Auch hier empfehlen die Autoren eine Neuorientierung. Der deutsche Nachholbedarf in der Kategorie „Impact“ deute zudem an, dass der Mehrwert von Open Data nur bedingt gesehen werde und deshalb gleichzeitig Analysen fehlen, um die positiven Auswirkungen offenzulegen

Open Data Maturity

Dass Deutschland im Zusammenhang mit Open Data in der Tat Nachholbedarf hat, unterstreicht auch die zweite WEU-Studie der „Open Data Maturity in Europe Report 2018: New Horizons for Open Data driven Transformation”. Der ebenfalls von Capgemini verfasste Bericht erfasst, mit welch unter­schiedlichem Tempo europäische Länder Open Data vorantreiben und welche Prioritäten sie dabei setzten.

Neben der gesetzlichen Rahmengebung und den fördernden Koordinationsmaßnahmen („Policy“) sowie Datenportalen wurden 2018 erstmals auch die Auswirkungen („Impact“) und die Datenqualität berücksichtigt, um den Open-Data-Reifegrad der Länder zu beurteilen. Zugleich soll das Benchmark nationalen Regierungen Anregungen liefern, weitere Aktivitäten im Bereich Open Data anzugehen und neue strategische Felder zu erschließen.

Kaum Open-Data-Fortschritte in Deutschland

In diesem Jahr zählen nur wenige europäische Länder zu den „Trendsettern“, die fortlaufend Open Data weiterentwickeln. Insgesamt gibt es nur begrenzte Fortschritte in den EU-Mitgliedsstaaten, die meisten verharren auf einem ähnlichen Niveau wie 2017. Dies gilt auch für Deutschland: Mit einem Gesamtreifegrad von 64 Prozent positioniert sich Deutschland wie 2017 auf dem 17. Platz und damit im Mittelfeld. Die Vorreiter zeichnen sich dadurch aus, dass sie über einen strategischen Ansatz verfügen und Open Data nutzen, um ihre digitale Transformation fortzuführen. Europaweit wird das Potenzial nicht ausgeschöpft, der durchschnittliche Reifegrad liegt bei 65 Prozent. Allerdings zeigen sich Unterschiede in den Kategorien. So besteht in einigen Bereichen Handlungsbedarf, um die europaweit gesteckten Ziele umzusetzen:

Für den Bereich „Policy“ stellt die Studie fest: „Dieser Bereich liegt bei vielen der 28 EU-Staaten im Fokus, der Reifegrad liegt insgesamt bei 82 Prozent.“ Daran zeige sich, dass für Open Data geschaffene Rahmenbedingungen bereits etabliert seien. Deutschland steigerte sich gegenüber 2017 von 65 auf 77 Prozent. Bei der Portalinfrastruktur verzeichnet das Benchmark einen europaweiten Reifegrad von 63 Prozent, nur ein Drittel der nationalen Portale erreicht hier ein fortgeschrittenes Niveau. Deutschland liegt mit 54 Prozent unter dem Durchschnitt. Für die Mehrheit der EU-Staaten gilt es, weitere Anstrengungen zu unternehmen, um moderne Portale bereitzustellen und den Zugang zu Daten zu optimieren. Bei der Datenqualität deutet ein Reifegrad von 62 Prozent auf eine zögerliche Umsetzung durch die europäischen Länder hin. Deutschland nimmt mit einem Reifegrad von 89 Prozent hier erfreulicherweise eine Vorreiterrolle ein.

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