VDMA-Trendanalyse

Personalisierte Medizin: Die Medizin der Zukunft

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Die Technologie zur Herstellung individueller Arzneimittel in festen Formen erfordert flexible Maschinen für die Losgröße 1. Tabletten werden mittels additiver Fertigung schichtweise aufgebaut oder Micropellets in einzelne Hartgelatinekapseln abgezählt. Welche Technologien sich am Ende durchsetzen, muss sich erweisen. Wie bei der Einführung des Videorecorders und des Smartphones, werden sich am Ende nur wenige standardisierte Technologieplattformen durchsetzen. Auf dieser Basis entwickelt sich dann eine neue Art von Systemgeschäft, das die gesamte Herstellung und Logistik vom Wirkstoff bis zum individuellen Arzneimittel umfasst.

Wo künftig Arzneimittel-Formulierung und -Verpackung stattfinden, ist nicht absehbar: in Pharmaunternehmen, neuen Compounding-Zentren oder ganz dezentral in Ortsapotheken? Unklar erscheint auch, wem etwaige Zentren gehören: der Pharmaindustrie, Apothekenverbänden, Kostenträgern oder ganz neuen Marktteilnehmern aus der digitalen Welt.

Deutschland läuft Gefahr in diesem Szenario der Entwicklung hinterher zu laufen. Die Marktteilnehmer stehen sich zu oft in starren Verbandsstrukturen gegenüber und wachen eifersüchtig über angestammte Privilegien. Dabei gäbe es viel zu gewinnen:

  • Die Rolle der Ärzte als Gestalter von Therapie und Medikation würde weiter gestärkt.
  • Die Kostenträger könnten den medizinischen Nutzen jeder Medikation steigern und sogar Kosten sparen. Im Vergleich zur heutigen Massenproduktion von Fertigarzneimitteln sind die Stückkosten individuell hergestellter Medikamente zwar höher. Doch niedrigere Fallkosten könnten die Mehrkosten deutlich überkompensieren.
  • Ortsapotheker könnten sich an die Spitze der Entwicklung stellen, Patientenbindung und Servicelevel erhöhen, um nicht vollends durch ausländische Versandapotheken mit angeschlossenen Compounding-Zentren ersetzt zu werden.
  • Die heimische Pharmaindustrie hätte die Chance ein neues Geschäftsfeld zu erschließen, bevor sie durch Digital Health Unternehmen und Compounding-Zentren herausgefordert wird.

Die Autoren rechnen damit, dass die Disruption in den USA beginnt, getrieben von Start-ups und finanziert vom Risikokapital der dortigen Tech-Giganten. Dann kann aus einer Disruption auch schnell ein Beben werden.

Die Autoren bedanken sich bei folgenden Interviewpartnern:

Dr. Gerhard Bauer-Lewerenz, Geschäftsführer Chemgineering GmbH;

Dr. Markus Dachtler, GGF Gen-Plus GmbH & Co. KG;

Malte Freynhagen, Inh. Duburg-Apotheke Flensburg;

Heiner Hoppmann, Founding Partner Fidelio Healthcare Partners;

Prof. Dr. Gerald Huber, bis Ende 2017 Geschäftsführer ratiopharm GmbH;

Prof. Dr. P. Kleinebudde, Inst. für Pharmazeutische Technologie und Biopharmazie der HHU Düsseldorf;

Ralph Lindemann, Gruppenleiter Pharmazeutische Technologie, Chemgineering GmbH;

Dr. Norbert Windhab, VP Strategic Projects Healthcare, Evonik Nutrition and Care GmbH.

Dieser Beitrag erschien zuerst in unserem Partnerportal Process.

* * Dr. Golz ist stellvertretender Geschäftsführer des VDMA-Fachverband Nahrungsmittelmaschinen und Verpackungsmaschinen; M. Schlothauer ist Geschäftsführer der Tetragon Consulting Unternehmensberatung GmbH. Kontakt: Tel. +49-6151-501-18 50

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