Interview zu ePayment Personalentlastung und besserer Service

Autor: Susanne Ehneß

Die elektronische Bezahlung in Verwaltungsverfahren ist Teil des eGovernment-Gesetzes des Bundes. Wir sprachen mit Boris Wolter von Paypal über den aktuellen Stand der Umsetzung.

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Bezahlen via QR-Code ist auch für den Public Sector geeignet
Bezahlen via QR-Code ist auch für den Public Sector geeignet
(Bild: ferkelraggae_Fotolia.com)

Elektronische Bezahlsysteme (ePayment) sind ein elementarer Bestandteil von eGovernment. Wie stark ist ePayment in den Alltag deutscher Ämter integriert?

Wolter: Wir befinden uns gerade in einer sehr spannenden Phase. Wie in anderen Lebens- und Arbeitsbereichen hält die Digitalisierung auch im öffentlichen Sektor Einzug.

Diesen digitalen Wandel möchten wir gerne als Partner mitgestalten und Behörden mit unserem Wissen beim Ausbau ihres Angebots an digitalen Verwaltungsdienstleistungen unterstützen. Generell sehen wir, dass das Angebot an Online-Dienstleistungen stark zunimmt und dass auch das Bezahlen dieser Services per ePayment immer häufiger direkt mit dabei ist.

Ich denke, das eGovernment-Gesetz hat hier für Schwung gesorgt, andererseits aber sicherlich auch die Nachfrage seitens der Bürger. Denn bezahlen im Internet wird heute nicht mehr nur mit Online-Shopping verbunden, sondern hat sich in vielen weiteren Bereichen unseres Lebens etabliert. Entsprechend erwarten Bürger in zunehmendem Maße, dass sich auch ­Behördendienstleistungen online bezahlen lassen.

Welche Dienstleistungen bietet Paypal Behörden oder Ministerien an?

Wolter: Wir bieten vor allem zwei Dinge: Entlastung und Service. Behörden können durch die Einführung von Paypal ihre Mitarbeiter entlasten und den Bürgern ein neues Maß an Service bieten.

Ein wichtiger Aspekt – und unsere bislang realisierten Projekte belegen das eindrucksvoll – ist der Verwaltungsaufwand. Dieser lässt sich durch ePayment-Lösungen erheblich reduzieren. Das manuelle Zuordnen von Zahlungen per Überweisung entfällt, gleichzeitig sinken Mahnaufwände.

Darüber hinaus machen Behörden ihre Dienstleistungen durch digitale Angebote rund um die Uhr verfügbar und bezahlbar. Für den Bürger bedeutet das deutlich mehr Flexibilität und Komfort. Gemeinsam mit Partnern wie Ekom21, KIVBF oder Infoma bieten wir Lösungen für Ordnungswidrigkeiten, Steuerbescheide und verschiedene Online-Bürgerdienste wie beispielsweise Meldewesen oder Personenstandsurkunden an.

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Gesprächspartner: Boris Wolter, Projektleiter Öffentlicher Sektor DEATCH bei Paypal
Gesprächspartner: Boris Wolter, Projektleiter Öffentlicher Sektor DEATCH bei Paypal
(Die Hoffotografen GmbH Berlin)

Paypal hat in Kaiserslautern das mobile Bezahlen von Verwarngeldern umgesetzt. Mit welchem zeitlichen und finanziellen Aufwand muss eine Behörde rechnen, wenn sie ein solches Projekt angeht?

Wolter: Das ist eine gute Frage, zumal diese Aufwände häufig höher eingeschätzt werden als sie tatsächlich sind. Für das Einrichten des Paypal-Kontos der Behörde und die notwendigen technischen Integrationsarbeiten sollte man etwa drei bis vier Wochen einkalkulieren. Für die Integration empfehlen wir zudem, auf einen etablierten IT-Dienstleister zu setzen. Das ist natürlich kein Muss, hat sich bei unseren bisherigen Projekten aber ganz klar bewährt.

Was den finanziellen Teil betrifft, so berechnet Paypal keinerlei Integrationskosten. Und im laufenden Betrieb fallen Gebühren immer nur auf Transaktionsbasis an, das heißt immer nur dann, wenn eine Behörde von Bürgern eine Zahlung per Paypal empfängt.

Inwieweit ist mobiles Bezahlen, beispielsweise über QR-Codes, im öffentlichen Sektor umsetzbar?

Wolter: Aus unserer Sicht sehr gut! Ein Projekt, mit dem wir seit gut einem Jahr am Start sind, ist das – bereits erwähnte – mobile Bezahlen von Verwarngeldern in Kaiserslautern. Dabei wird auf das sogenannte Knöllchen ein QR-Code aufgedruckt. Diesen scannt der Bürger mit seinem Handy, zum Beispiel direkt vor Ort am Auto. Der Scan führt direkt zu einer ­Bezahlseite, wo sich der Bezahlvorgang mit wenigen Klicks abschließen lässt. Das Abtippen oder Abschreiben der Zahlungsinformationen auf herkömmliche Überweisungsträger entfällt damit komplett.

Ein anderes Beispiel ist das Hunderegister Niedersachsen. Hier haben wir eine Lösung geschaffen, bei der QR-Codes auf ­Gebührenbescheide aufgedruckt werden. Vom Prinzip funktioniert das Bezahlen genauso wie bei den Verwarngeldern.

In beiden Fällen dient der QR-Code als Brückentechnologie, er verbindet geschickt die papiergeprägte Offline-Welt mit digitalen Geräten und Bezahlwegen. Aus unserer Sicht ein Bereich, in dem sehr viel Potenzial steckt. Gemeinsam mit unserem Partner Infoma bieten wir eine Lösung an, über die Behörden sowohl Bescheide als auch Mahnungen mit QR-Codes versehen können.

Die Erfahrung zeigt, dass dies zu einem deutlich schnelleren Zahlungseingang führt und Behörden so ihre Mahnaufwände reduzieren können.

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Welche Vor- und Nachteile hat Paypal im Vergleich zu Online-Überweisung, Kreditkartenzahlung oder Lastschrift?

Wolter: Bezahlen mit Paypal ist einfach, schnell und sicher – und das für beide Seiten: Bürger und Behörde. Bürger melden sich kostenlos bei Paypal an und hinterlegen einmalig ihre Bankdaten. Beim Bezahlen mit Paypal benötigen sie dann nur noch ihre eMail-Adresse und ihr Passwort. Die wiederholte Eingabe von Finanzdaten oder das Abtippen der Empfängerdaten entfallen.

Gleichzeitig hat der Bürger hier eine Wahlfreiheit. Er kann sowohl ein Bankkonto für das Bezahlen per Lastschrift als auch eine Kreditkarte als Zahlungsquelle im Paypal-Konto hinterlegen. Bei der konkreten Zahlung mit Paypal ist ein ganz klarer Vorteil die direkte Verfügbarkeit.

Die Kommune erhält sofort eine Zahlungsbestätigung und kann über das erhaltene Geld verfügen. Es entsteht also eine direkte Liquidität, die sich bei unseren ersten Referenzkunden, beispielsweise dem Land Hessen und der Stadt Düren, als großer Mehrwert erwiesen hat. Denn bei der Bezahlung von Bescheiden per Banküberweisung dauert es naturgemäß deutlich länger, bis der jeweilige Betrag auf dem Empfängerkonto eintrifft.

Paypal hat eine Banklizenz und ist als Online-Zahlsystem geprüft. Aber wie sicher kann ePayment überhaupt sein?

Wolter: Im Online-Handel hat sich das Thema ePayment in den vergangenen zehn Jahren bei Händlern und Käufern gleichermaßen etabliert. Sicherheit ist dabei ein wichtiger Aspekt – wer online bezahlt, möchte sich darauf verlassen können, dass die Zahlung zuverlässig und sicher abgewickelt wird und sensible Daten nicht in falsche Hände geraten.

Bei Paypal wird jede Zahlung rund um die Uhr und über Landesgrenzen hinaus überprüft und komplex verschlüsselt. Darüber hinaus gibt Paypal niemals die Finanzinformationen seiner Kunden an Dritte weiter.

Den Schutz der Daten unserer Kunden nehmen wir sehr ernst. Pay­pal hält höchste Standards für Informationssicherheit und Schutzmechanismen ein. Darüber hinaus haben Paypal-Kunden auf individueller Ebene die Möglichkeit, ihr Konto über Maßnahmen wie den SMS-Sicherheitsschlüssel zusätzlich abzusichern.

Das Interview führte Susanne Ehneß

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