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Online-Wahlkampf 2009

Parteitage im Web?

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Wirkungsvolle Beteiligungsformate

Aus Sicht des SPD-Vertreters Reichel sind „Foren eines der am meisten überschätzten Instrumente im Online-Wahlkampf. Blogs sind wesentlich strukturierter und damit besser geeignet“. Dr. Hennewig, CDU, entgegnete, dass Foren jedoch im Gegensatz zu Blogs eine Kommunikation zwischen Gleichberechtigten ermöglichen, wohingegen Blogs immer hierarchisch seien: einer schreibt, andere kommentieren. Die CDU bekommt laut Dr. Hennewig viele Besucher über soziale Netzwerke wie Facebook und meinvz: „Über Face book kommen Leute zu uns, die wir über cdu.de nie erreicht hätten. Ein weiteres erfolgreiches Instrument sind die Videobotschaften, mit denen die Kanzlerin auf Bürgerfragen antwortet, die zuvor von den Bürgern selbst durch ein Voting ausgewählt wurden. Die letzten Videos wurden über 100.000 angesehen.“

Die Diskussion über die Video-Podcasts der Kanzlerin führte die Diskutanten zu einem weiteren Aspekt des Web-Wahlkampfes: die Konkurrenz zu klassischen Wahlkampfinstrumenten wie Fernsehen oder Großflächenplakate. Für Scheffler, FDP, können Web-2.0-Anwendungen im Wahlkampf wegen ihres Rückkanals sehr wohl mit dem Fernsehen konkurrieren: „Der Vorteil von Web 2.0 liegt zum Beispiel in der Möglichkeit, ein Video direkt zu kommentieren, die eigene Meinung öffentlich zu vertreten. „Die reinen Zahlen sagen hier nichts aus. Vier Millionen Menschen haben vielleicht den Fernseher laufen, aber nehmen sie auf, was dort gesagt wird? Bei den 100.000, die ein Video kommentieren, kann ich lesen, was sie mitgenommen haben.“ Für Scheffler liegt der Charme der sozialen Netzwerke in der Multiplikatorwirkung: „Der Wahlkampf-Auftakt wird per Live-Stream im Web gezeigt, mit Facebook Comment können die Videos kommentiert werden. Diese Einträge sehen auch die Personen, die mit den Autoren der Kommentare beispielsweise über Facebook verlinkt sind. Dadurch erreichen wir viele Menschen, die wir mit einem Stand in der Fußgängerzone nicht erreichen.“

Dennoch ist entscheidend, so Reichel, SPD, dass man sich im realen Leben trifft. „Das persönliche Gespräch ist wichtig und durch nichts zu ersetzen.“ Das Internet hat für Heinrich, Bündnis 90/Die Grünen, ohnehin mehr gemeinsam mit persönlichen Begegnungen als mit dem Fernsehen. „Unsere Web-2.0-Aktivitäten müssen sich mit den großen Marktplatzveranstaltungen messen lassen, mit den Hinterzimmer-Gesprächen und mit der Sporthalle.“ Diese Veranstaltungen verursachten einen hohen Aufwand, gleichwohl sinke die Besucherzahl stetig, deshalb sieht Heinrich „Online-Medien als Instrument der politischen Kommunikation mit hoher Nachhaltigkeit und einer guten Kosten-Nutzen-Relation.“

Dennoch würde keine der Parteien auf Großflächenplakate verzichten. Und das obwohl, wie Hennewig von der CDU unterstrich, keiner genau sagen kann, wie Großflächenplakate wirken. Dass sie trotzdem in keinem Bundestagswahlkampf fehlen, liege wohl daran, dass man „mit den Großflächenplakaten zwar keine Wahlen gewinnt, aber ohne sie die Wahl verlieren kann.“

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