Neues zu eGovernment aus Thüringen

Pandemie setzt die Prioritäten

| Redakteur: Manfred Klein

Digitalisierung macht Verwaltung zu einem attraktiven und modernen Arbeitgeber ist man sich im Thüringer Finanzministerium sicher
Digitalisierung macht Verwaltung zu einem attraktiven und modernen Arbeitgeber ist man sich im Thüringer Finanzministerium sicher (Bild: Finanzministerium Thüringen)

Die Corona-Pandemie hat allen Verantwortlichen in den Verwaltungen die zentrale Bedeutung funktionierender digitaler Infrastrukturen klargemacht. Der Freistaat Thüringen hat daher angekündigt, seine zentralen eGovernment-Projekte weiter beschleunigen zu wollen. Und auch wer glaubte, nach dem Ende der Corona-Krise würden die alten Arbeitsstrukturen zurückkehren, sieht sich enttäuscht: das Home Office bleibt.

So hat das Kabinett in seiner Junisitzung beschlossen, eine moderne Projektarbeitsstruktur zur anstehenden Umsetzung des Online-Zugangsgesetzes (OZG) in der Thüringen Landesverwaltung zu schaffen. Der Thüringer CIO, Dr. Hartmut Schubert, betonte in diesem Zusammenhang: „Corona hat uns die große Bedeutung von digitaler Infrastruktur und Verwaltungsangeboten im Internet aufgezeigt. Wenn die analoge Tür zum Amt geschlossen ist, dann müssen die Amtswege durch die digitale Tür erledigt werden. Die digitale Tür muss per Online-Services umso weiter aufgemacht werden.“

Dr. Hartmut Schubert, CIO von Thüringen, will eGovernment im Freistaat weiter ausbauen
Dr. Hartmut Schubert, CIO von Thüringen, will eGovernment im Freistaat weiter ausbauen (Bild: Finanzministerium Thüringen / www.zeh.info)

Das Online-Zugangsgesetz fordert, dass alle Behördenleistungen im Internet verfügbar sein müssen. Dazu gehörten auch Leistungen der Landesverwaltung. Obwohl die Technik zur Umsetzung für alle verfügbar sei, stocke die Digitalisierung der Angebote, heißt es aus dem Finanzministerium weiter. Denn neben der Technik müssten auch die Verwaltungsprozesse neu strukturiert werden, damit Online-Verfahren einen Mehrwert für die Bürger, Wirtschaft, aber auch für die Verwaltung darstellen.

„Digitale Verwaltungsangebote zu schaffen, ist kein Technikprojekt. Es ist zuerst ein Organisationsprojekt, welches mit einem strategischen und modernen Personalmanagement einhergeht“, so der Thüringer CIO.

Daher sollen künftig Projektteams aus ausgebildeten Projektleitern und Koordinatoren gemeinsam mit einem Pool von technisch ausgebildeten Mitarbeitern den Ministerien und Landesbehörden bei der OZG-Umsetzung zur Seite stehen. Hartmut Schubert dazu: „Wir brauchen moderne Arbeitsstrukturen in der Verwaltung. Die Projektmitarbeiter zur OZG-Umsetzung müssen in schlagkräftigen Projektteams intensiv arbeiten können. Ihr Einsatz wird den Erfolg der Digitalisierung der Landesverwaltung mitbestimmen und zur Stärkung des Arbeitgeberimages der öffentlichen Verwaltung führen. Jetzt sind vor allem die Ressorts gefordert, Online-Anträge zur Verfügung zu stellen.“

IT-Sicherheit hat Vorrang

Aber auch wenn das Organisationsmanagement erfolgreich abgeschlossen ist, eGovernment steht und fällt mit der Sicherheit der Anwendungen. Der Thüringer CIO fordert daher eine Prioritätensetzung bei der Informationssicherheit. Dazu Schubert weiter: „Trotz höchster technischer Sicherheitsvorkehrungen wurde auch die die Thüringer Landesverwaltung Opfer von kriminellen Angriffen.“

Man habe zwar im vergangenen Jahr die große Kraftanstrengung der Sicherheitszertifizierung des Landesdatennetzes gemeistert. Doch Informationssicherheit erfordere vor allem eine gute Organisation, ein bestens geschultes Team an Sicherheits­beauftragten, aktuelle Notfallpläne und sensible Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Es sei deshalb eine prioritäre Aufgabe aller Behördenleitungen, für Sicherheit zu sorgen. Dies gelte umso mehr, als nach dem aktuellen Jahresbericht zur Informationssicherheit sich die Gefährdungslage in Thüringen wie in den vergangenen Jahren auf einem sehr hohen Niveau bewege.

Thüringen will nach positiven Erfahrungen Home-Office-Angebote ausbauen

Auch in der Thüringer Verwaltung hat der Lockdown der vergangenen Wochen viele Mitarbeiter ins Home Office verbannt. 3.400 Nutzer aus allen Verwaltungen waren in den vergangenen Wochen mit Zugängen zur Thüringer Datenaustauschplattform ausgestattet und konnten auf diese Weise den Dienst von zu Hause aus verrichten. Damit stieg die Zahl der Nutzer um ein Drittel im Vergleich zum Jahresbeginn 2020. Zudem wurden direkte VPN-Zugänge zum Landesdatennetz gewährt und die Kapazitäten kurzfristig erhöht.

Da Abstimmungsprozesse weiter aufrechterhalten mussten, stieg die Zahl der Video- und Telekonferenzen sprunghaft an. Aktuell sind 20.000 Nutzer im Freistaat für das Telekonferenztool eingerichtet. Um die verschiedenen Kommunikationskanäle zu erweitern, wurden die Bandbreiten im Landesdatennetz ausgebaut. Das Kabinett will künftig mobiles Arbeiten und Telearbeit stärker für Bedienstete ermöglichen. Entsprechend wird eine weitere Erhöhung der Bandbreite angestrebt.

Hartmut Schubert kommentierte diese Entwicklung mit den Worten: „Dank des flexiblen Handelns aller Behörden im Freistaat war die Thüringer Verwaltung arbeitsfähig. Das Thüringer Landesrechenzentrum und die Verantwortlichen in den Ressorts haben gute Arbeit geleistet. So konnte das Arbeiten unter den Sicherheitsbestimmungen zur Eindämmung der Covid-19 Pandemie gewährleistet werden. Quasi über Nacht hatten Behörden Informationstechnik für veränderte Arbeitszeiten, Heimarbeit und Schichtsysteme bereit zu stellen. Die Zusammenarbeit musste neu organisiert, neue Technik in Betrieb genommen, vorhandene technische Lösungen, wie etwa die Thüringen-Cloud und VPN-Zugänge, erweitert werden. Das hat alle Beteiligten gefordert. Und wir müssen Lehren daraus ziehen.“

Die gemachten guten Erfahrungen haben das Kabinett bewogen, die Leistungen in diesem Bereich nun weiter auszubauen. Dazu Hartmut Schubert abschließend: „Die Landesregierung will künftig Technik, wie etwa eigene Videokonferenzsysteme, weiterentwickeln. Bandbreiten und Zugangs-Kapazitäten werden bedarfsgerecht erhöht, um mobiles Arbeiten oder Heimarbeit zu ermöglichen. Dies wird die Arbeitswelt in der Verwaltung ändern. Neben der Technik müssen wir auch organisatorische Abläufe neu gestalten. Darin liegt aber eine Chance, die Landesverwaltung als modernen attraktiven Arbeitgeber noch besser aufzustellen.“

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