XÖV-Standardisierung OZG-Leistungen für die Wirtschaft auf dem Weg

Redakteur: Manfred Klein

Seit April 2021 gibt es mit XUnternehmen einen einheitlichen ­Datenstandard für die Wirtschaftsverwaltung. Zur Beantwortung der Frage, welche Rolle er bei der medienbruchfreien Umsetzung wirtschaftsbezogener Verwaltungsleistungen im Rahmen des OZG und der Single Digital Gateway-Verordnung (SDG-VO) spielt, haben wir mit Dr. Fabian Büttner von der Koordinierungsstelle für IT-­Standards (KoSIT) gesprochen.

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Die Digitalisierung erobert nicht nur alle Wirtschaftsbereiche, auch der Datenaustausch mit den Behörden geht dadurch ­unkomplizierter vonstatten
Die Digitalisierung erobert nicht nur alle Wirtschaftsbereiche, auch der Datenaustausch mit den Behörden geht dadurch ­unkomplizierter vonstatten
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Herr Dr. Büttner, welchen Ansatz verfolgt XUnternehmen?

Büttner: Erst einmal freue ich mich, dass wir mit XUnternehmen einen verbindlichen Bund-Länder-Standard geschaffen haben, der den Weg für die vollständig digitale Kommunikation zwischen Wirtschaft und Verwaltung ebnet. Die Koordinierungsstelle für IT-Standards (KoSIT) und die d-NRW AöR entwickeln den Standard aktuell mit Unterstützung der ]init[ AG im Auftrag der Wirtschaftsministerkonferenz weiter. Wir machen ihn für die verschiedenen wirtschaftsbezogenen Digitalisierungsvorhaben im Rahmen der OZG-Umsetzung und der Single Digital Gateway-Verordnung nutzbar.

Dabei betrachten wir zwei Ziel­ebenen – eine leistungsbezogene und eine leistungsübergreifende. Bei ersterer erarbeiten wir länder­übergreifend einheitliche Vorgaben für die Umsetzung einzelner wirtschaftsbezogener Verwaltungsleistungen. In diesem Kontext definieren wir mit XÖV-Fachmodulen leistungsspezifische Schnittstellen zur automatisierten Übernahme von Daten in die Fachverfahren und IT-Systeme. Ein erstes Fachmodul veröffentlichen wir in Kürze für den Bereich des Handwerks.

Für die leistungsübergreifende Standardisierung mittels XUnternehmen haben wir jetzt ein Kerndatenmodell entwickelt. Dieses Kerndatenmodell definiert einen allgemeinen Datenstandard für Verfahren der Wirtschaftsverwaltung – insbesondere für die einheitliche informationstechnische Darstellung der Stammdaten verschiedener Wirtschaftsakteure. Das sind unter anderem die Unternehmen und ihre Rechtsträger sowie weitere in Verwaltungsverfahren Beteiligte. Das Kerndatenmodell steht als Basismodul für die XÖV-Standardisierung und als Bestandteil des FIM-Baukastens im FIM-Portal zur Verfügung.

Welche Rolle spielt XUnternehmen bei der OZG-Umsetzung ganz konkret?

Büttner: Wir legen einen besonderen Fokus auf die im Rahmen der OZG-Umsetzung zu entwickelnden „Einer für Alle“ (EfA)-Lösungen. Mit den Fachmodulen von XUnternehmen machen wir Vorgaben zur Form der zu erhebenden und an die Fachverfahren zu übermittelnden Daten. Ziel ist die Durchsetzung von XUnternehmen als verbindlichen Bund-Länder-Standard, der eine interoperable Datenkommunikation bei EfA-Leistungen unterstützt. Auf diese Weise entlasten wir die Vorhaben davon, Standardisierungsaspekte immer wieder neu erarbeiten zu müssen, und wirken einer Zersplitterung der Schnittstellenlandschaft entgegen.

Wir beziehen Schritt für Schritt alle wesentlichen Datenquellen in das Kerndatenmodell von XUnternehmen ein. Dazu gehören insbesondere die Unternehmensstammdaten im ELSTER-Unternehmenskonto, sowie in den Handels-, Genossenschafts-, Vereins- und Partnerschaftsregistern, im künftigen Unternehmensverzeichnis der gesetzlichen Unfallversicherung sowie im geplanten Basisregister für Unternehmensstammdaten (einheitliche Wirtschaftsnummer). So werden die für die OZG-Umsetzung erforderlichen Datenobjekte in mehreren Ausbaustufen nutzbar gemacht.

Ein wichtiges Prinzip bei der Modellierung der einzelnen Daten­szenarien und Schnittstellen ist das Once-Only-Prinzip. Ziel ist, dass einmalig bei einer Quelle abgefragte Informationen mittels des Kerndatenmodells möglichst einfach in leistungsspezifische Fachmodule integriert werden können und nicht erneut von den Unternehmen abgefragt werden müssen.

Welche Pläne gibt es für die weitere Entwicklung des Standards?

Büttner: Auf Ebene der Fachmodule läuft gegenwärtig eine Bedarfsabfrage durch das BMWi bei den OZG-Verantwortlichen für Fachmodule in XUnternehmen. Neben dem bereits erwähnten Fachmodul für handwerksbezogene Verwaltungsleistungen wurden uns in diesem Rahmen bereits eine Reihe weiterer Standardisierungsbedarfe im Rahmen wirtschaftsbezogener Verwaltungsleistungen gemeldet, insbesondere im Kontext EfA.

Und darüber hinaus ...

Büttner: Perspektivisch möchten wir nach der Veröffentlichung der Fachmodule als XÖV-Standard auch die dauerhafte Pflege der zugehörigen FIM-Datenfeldschemata übernehmen, um unnötige Abstimmungsaufwände und Doppelstrukturen zu vermeiden.

Hinsichtlich des Kerndatenmodells arbeiten wir derzeit an einer Version 1.1. Schwerpunkt dieser Version wird sein, die Unternehmensstammdaten aus dem Grundinformationsdienst Steuer (GINSTER) über die Schnittstelle des ELSTER-Unternehmenskontos interoperabel und semantisch sauber aufnehmen zu können. Einen Ausblick kann man auch schon auf Version 1.2 wagen: Hier sollen alle Ergänzungsbedarfe im Hinblick auf die Datenintegration der Quellregisterdaten im künftigen Basisregisters für Unternehmensstammdaten mit bundeseinheitlicher Wirtschaftsnummer (UBRegG) geprüft und im Kerndatenmodell realisiert werden.

Apropos XGewerbeordnung: Zusammen mit XGewerbeanzeige und XUnternehmen gibt es drei ähnliche Standards. Wie hängen sie zusammen?

Büttner: XGewerbeordnung löst 2022 XGewerbeanzeige ab und ist ein „Schwesterstandard“ von XUnternehmen, welcher perspektivisch alle Schnittstellenerfordernisse der Gewerbeordnung abdecken soll. XGewerbeordnung ist organisatorisch weiterhin direkt unter dem Bund-Länder-Ausschuss Gewerberecht verortet, kann aus praktischer Sicht aber als Fachmodul von XUnternehmen verstanden werden und setzt ebenfalls auf dessen Kerndatenmodell auf.

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