Kommunen als Vorreiter

Open Source heißt Zukunft

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Die Beschaffung als Hürde

Michael Becker und Henry Liebrenz, Bundespolizei
Michael Becker und Henry Liebrenz, Bundespolizei
(Bild: it-novum GmbH)

Ein wichtiges Hindernis, das Open-Source-Lösungen nehmen müssen, um sich den Weg in die Öffentliche Verwaltung zu bahnen, ist der Beschaffungs- bzw. Vergabeprozess der Öffentlichen Hand. Die rechtlichen Auflagen sind weit strenger als bei einer privatwirtschaftlichen Ausschreibung. Projekte in Bundesbehörden müssen alle über die jeweiligen Beschaffungsämter der Bundesministerien bzw. über die Vergabeplattform des Bundes abgewickelt werden.

Gesetzliche und verwaltungstechnische Vorgangsrichtlinien zwingen Dienstleister in der Regel zu umfangreichen Anpassungen. So spielen in der öffentlichen Verwaltung beispielsweise der Schutz der Persönlichkeitsrechte der Mitarbeiter und die Sicherheit eine größere Rolle als in der Wirtschaft.

Die Verantwortlichen in der Behörde müssen alle vergaberechtlichen Anforderungen beachten, um nicht die Kritik der Rechnungsprüfung auf sich zu ziehen. Dies führt zu Ausschreibungen, die so komplex sind, dass sie mögliche Bieter mitunter abschrecken.Traditionell sind niedrigere Kosten das erste Argument, das für Open-Source-Lösungen angeführt wird.

Der wichtigste Grund, Open-Source-Software einzusetzen, ist aber mitunter gar nicht ihre Wirtschaftlichkeit, sondern der größere Nutzen, den sie entfaltet: Oft sind die prinzipbedingte Offenheit und Flexibilität von Open Source relevanter, weil Schnittstellen zu anderen Systemen gefragt sind.Open Source eröffnet einer Organisation durch ihre Flexibilität viele neue Möglichkeiten.

Allerdings gilt: Ein hoher Freiheitsgrad braucht auch eine kompetente Umsetzung und Betreuung. Es kann auch vorkommen, dass die geforderte Lösung erst durch einen Dienstleister auf Grundlage der gewählten Open-Source-Plattform aufgebaut werden muss. Der große Vorteil eines solchen umfassenden ­Customizings ist natürlich, dass der Auftraggeber am Ende mit einer besseren – weil wirklich auf den Bedarf zugeschnittenen – Lösung dasteht. Sicherlich kann die IT-Abteilung einer Kommune und einer Landes- oder Bundesbehörde einen Teil der OS-Projekte selbst stemmen, aber sobald es komplexer wird, ist die Öffentliche Verwaltung meist gut beraten, sich professionelle Unterstützung zu suchen.

Wenn eine Kommune ein großes Projekt in Angriff nehmen möchte – etwa flächendeckend von MS Exchange auf eine Open-Source-Groupware wie Zarafa wechseln will– so wird dies ohne Unterstützung durch einen geeigneten Dienstleister kaum funktionieren

Anforderungen an ­Dienstleister

Was zeichnet einen Dienstleister aus, der sich als Partner für ein Open-Source-Projekt anbietet? Natürlich ist die technische Expertise im Open-Source-Bereich unerlässlich. Oft wird in solchen Projekten aber auch die Integration neuer Open-Source-Lösungen in die bestehende IT-Landschaft eine große Rolle spielen. Generell ist ein Dienstleister vorteilhaft, der sich in dem besonderen Umfeld der Öffentlichen Verwaltung auskennt. Dazu zählt ein grundlegendes Verständnis für Verwaltungsarbeit ebenso wie ein grober Überblick über relevante Vorschriften. Andernfalls wird der Dienstleister mit etlichen seiner Vorschläge an gesetzlichen Bestimmungen scheitern. Open-Source-Lösungen sind eine Realität.

Dabei sind nicht selten Anpassungsfähigkeit und Zuverlässigkeit wichtigere Gründe für Open Source als bloßes Lizenzkostenargument. Wenngleich auch die Kosten für den OS-Dienstleister oft weit niedriger sind als das, was die Verwaltung für entsprechende Lizenzsoftware aufzuwenden hätte.

Der Autor: Michael Kienle
Der Autor: Michael Kienle
(Bild: it-novum GmbH)

Und Open-Source-Lösungen weisen zugleich den Weg in eine digitalisierte Zukunft. Man denke nur an die positiven Effekte offener Ökosysteme wie das, das beispielsweise Google mit Android geschaffen hat, welches sich seinerseits auf Linux stützt. Flexibilität, Businesstauglichkeit, Integrationsfähigkeit und die günstige Kostenstruktur sprechen für Open-Source-Software.

Aus Sicht der Öffentlichen Verwaltung und der Privatwirtschaft gilt: Open Source ist eine leistungsstarke, individuell anpassbare Enabler-Technologie, die Organisationen in die Lage versetzt, ihre Ziele im Rahmen der digitalen Transformation zu erreichen.

* Der Autor: Michael Kienle, Geschäftsführer it-novum GmbH

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