Das ökonomische Potenzial von Daten

Open Data zwischen Transparenz und Wirtschaftswachstum

| Autor / Redakteur: Dr. Bernhard L. Krieger und Sirko Hunnius / Manfred Klein

Die Diskussion um Open Data wird auch durch unterschiedliche politische Traditionen geprägt
Die Diskussion um Open Data wird auch durch unterschiedliche politische Traditionen geprägt (Bild: Sergey-Nivens - Fotolia.com)

Die Diskussion über Open Data wird in Deutschland stark vor dem Hintergrund der Öffnung von Politik und Verwaltung geführt. In Open-Data-Policy-Dokumenten wird die Bereitstellung von Datenbeständen der öffentlichen Verwaltung mit dem bürgerrechtlichen Argument der Transparenz begründet. Das ist jedoch nicht zwingend.

Typisch dafür ist die Entwicklung in Hamburg. So wird das Hamburgische Transparenzgesetz vielfach als beispielgebend für Open Data genannt. Die Bedeutung von Transparenz spiegelt sich bereits im Titel des Gesetzes wider. Auch wird die dazugehörige Datenplattform als „Transparenzportal“ geführt.

Die Öffnung staatlich kontrollierter Datenbestände – so das zugrundeliegende Argument – erhöht die Legitimität der jeweiligen staatlichen Institutionen. Damit reagieren Politik und Verwaltung auf Forderungen von Open-Data-Aktivisten, die die Bürger als Eigentümer öffentlicher Daten erachten. Schließlich werde deren Erhebung, Verarbeitung und Speicherung ohnehin mit Steuergeldern finanziert, so das Argument.

Die im Anglo-Amerikanischen Raum entstandenen und international operierenden Organisationen „Sunlight Foundation“ und „Open Knowledge Foundation“ entwickeln Open-Data-Definitionen, die techno-politisch auf die libertären Ideen anderer „Open“-Bewegungen wie „Open Source Software“ oder „Open Access“ Bezug nehmen.

Offenheit wird hier als emanzipatorisches Mittel verstanden, das den einzelnen darin unterstützt, den Staat in seiner Herrschaftsausübung zu kontrollieren. Politik und Verwaltung kommen dabei zunehmend in die Erklärungsnotwendig­keit, warum sie Datenbestände nicht öffnen. Implizit werden sie verdächtigt, diese zurückzuhalten und geraten dadurch in eine Defensivposition.

Neben der Diskussion über Transparenz und der sich daraus ergebenden Informationsfreiheitsrechte speist sich das Phänomen Open Data jedoch noch aus einem zweiten Diskurs. Dieser stellt das ökonomische Potenzial von Daten in den Mittelpunkt.

Daten werden dabei als wirtschaftlich relevanter Produktivfaktor gesehen, der es Unternehmen ermöglicht, Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln. Dieser Ansatz baut auf bereits seit Längerem geführten Diskussionen über die „Weiterverwendung von Informationen des öffentlichen Sektors“ auf, die in der gleich­namigen EU Richtlinie 2003/98/EC (PSI Directive) mündeten.

Hierbei geht es allerdings nicht um den Datenzugang als Bürgerrecht und deren kostenlose Bereitstellung – auch wenn die Preisgestaltung ein Konfliktpunkt zwischen Kommission und Mitgliedsländern war und ist. Vielmehr geht es um den europaweit einheitlichen Vertrieb von Daten zur kommerziellen Nutzung.

Ergänzendes zum Thema
 
Die Aspekte von Open Data

Indem Öffentliche Verwaltungen Daten zur wirtschaftlichen Nutzung zur Verfügung stellen, verbessern sie die Innovationskraft und damit die wirtschaftliche Situation der im Wettbewerb stehenden Unternehmen. Dies soll wiederum zu höherem Wirtschaftswachstum, höheren Steuereinnahmen und steigenden Einnahmen der Sozialsysteme führen.

Inhalt des Artikels:

Kommentar zu diesem Artikel abgeben

Schreiben Sie uns hier Ihre Meinung ...
(nicht registrierter User)

Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
Kommentar abschicken
copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 43210644 / Kommunikation)