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Europäisches Datenportal

Open-Data-Strategien oft nicht abgestimmt

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Lässt sich das politische und wirtschaftliche Potenzial eines solchen Projekts irgendwie bemessen?

Flügge: Schwierig. Nach einer Schätzung der EU können die Mitgliedsstaaten mit öffentlichen ­Daten jährlich positive Effekte in Höhe von 40 Milliarden Euro realisieren, sei es durch neue Geschäftsfelder, die dank mehr Informationen erschlossen werden, durch bessere Bildungsangebote oder einer schlankeren Verwaltung. Im Rahmen des Gesamtprojekts, das von Cap Gemini Consulting in den Niederlanden geleitet wird, wurde jüngst eine Studie veröffentlicht, die für Europa das Marktvolumen für Open Data bis 2020 auf 300 Milliarden Euro schätzt. McKinsey spricht von einem Potenzial von weltweit drei Billionen US-Dollar jährlicher Wertschöpfung.

Ich bin kein Freund solch großer Hausnummern. Dadurch werden Erwartungen geweckt, die eventuell nicht erfüllt werden können. Aktuell ist die wirtschaftliche Nutzung offener Daten tatsächlich weit hinter den ersten euphorischen Prognosen zurück. Das liegt aber auch daran, dass öffentliche Stellen noch sehr zurückhaltend sind mit der Datenveröffentlichung.

Man kann nicht erwarten, dass Unmengen von Anwendungsentwicklern aus der vergleichsweise kleinen Menge offener Daten, die ihnen derzeit vorgesetzt werden, grandiose Geschäftsmodelle zaubern. Es muss doch eher andersherum laufen: Zu neuen innovativen Ideen müssen schnell die passenden Daten gefunden werden.

Wie weit sind die EU-Mitgliedsstaaten bei der Open Data Umsetzung? Und welche Rolle spielt Deutschland hier?

Flügge: Hier hat sich in den letzten Jahren viel getan. Die meisten EU-Länder haben heute nicht nur ein nationales Open-Data-Portal, sondern auch einen gesetzlichen Rahmen für die Bereitstellung von offenen Daten. Zu den Vorreitern gehören etwa Spanien und England. In kleineren Ländern, wie Malta und Luxemburg, gibt es bislang noch kein nationales Portal.

Dort, wo ein gesetzlicher Rahmen zur Veröffentlichung offener Verwaltungsdaten vorliegt, findet man noch zu viele „Soll“-Regelungen. Ebenso sieht es mit der Förderung weitergehender Open-Data-Initiativen und -Organisationen aus. Das ist eher noch dünn. Leuchttürme, wie das „Open Data Institute“ in England stehen recht einsam da. Deutschland befindet sich in Sachen Open Data im oberen Mittelfeld. Beim Bund ist das Thema personell dünn besetzt, und einzelne Ressorts fahren ihre eigenen, nicht immer abgestimmten, Open-Data-Strategien.

Positiv zu erwähnen ist sicherlich der nationale Aktionsplan Open Data. Dieser beinhaltet konkrete Maßnahmen zur Förderung von Open Data, auch wenn diese bisher nicht ambitioniert genug sind. Auch die föderalen Strukturen machen die Umsetzung nicht gerade leichter. Viele Bundesländer haben ein Open-Data-Portal und zum Teil auch eine Open-Data-Strategie. Auf kommunaler Ebene wird es dann – bis auf wenige Ausnahmen – aber schon recht dünn, was die Bereitstellung offener Daten anbelangt.

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