Studie „Digital Government Barometer“

Online-Verwaltungsleistungen benötigen höchste Sicherheitsstandards

| Autor: Ira Zahorsky

Dienstleistungen der öffentlichen Verwaltung müssen vor allem Sicherheit bieten. Das Vertrauen der Bürger braucht Überzeugungsarbeit.
Dienstleistungen der öffentlichen Verwaltung müssen vor allem Sicherheit bieten. Das Vertrauen der Bürger braucht Überzeugungsarbeit. (Bild: © bluedesign - adobe.stock.com)

Bund, Länder und Kommunen erweitern sukzessive ihr Online-Angebot und knapp 80 Prozent der Deutschen sind prinzipiell bereit, dies zu nutzen – wenn die Behörden die nötigen Sicherheitsmaßnahmen ergreifen. Außerdem muss der Mehrwert der Plattformen deutlich werden.

Rund ein Fünftel der von Sopra Steria im Rahmen der Studie „Digital Government Barometer“ Befragten haben Bedenken, dass ihre auf Behörden-Servern gespeicherten Daten in falsche Hände geraten (23 %) oder missbräuchlich verwendet werden könnten (20 %). Vor allem Selbstständige (53 %) sind eher skeptisch als Arbeitnehmer (38 %) oder Nichtbeschäftigte (45 %). „Viele Bürgerinnen und Bürger nehmen über die Medien eine zunehmende Zahl an Hacker-Attacken auf öffentliche Einrichtungen in gebündelter Form wahr. Extrembeispiele wie die IT-Ausfälle in den Städten Neustadt und Potsdam schüren eine generelle Skepsis, ob ihre Daten sicher sind“, sagt Olaf Janßen, Experte für Informationssicherheit in der öffentlichen Verwaltung und im Gesundheitswesen bei Sopra Steria. „Bund, Länder und Kommunen können diesem begegnen, indem sie für ihre Online-Dienstleistungen höchstmögliche Sicherheitsstandards definieren, diese flächendeckend einführen und deren Umsetzung der Bevölkerung noch stärker vermitteln“, so Janßen.

Digitale Identitätsplattform

Es gibt Überlegungen, die künftigen Bürgerkonten mit weiteren Funktionen wie Ausweis- und Zahlungsdaten auszustatten. Der rechtliche Rahmen für Initiativen wurde von der EU mit der Verordnung über elektronische Identifizierung und Vertrauensdienste (eIDAS) geschaffen. Als Betreiber einer solchen Plattform käme bei den Befürwortern nur der Staat in Frage.
Es gibt Überlegungen, die künftigen Bürgerkonten mit weiteren Funktionen wie Ausweis- und Zahlungsdaten auszustatten. Der rechtliche Rahmen für Initiativen wurde von der EU mit der Verordnung über elektronische Identifizierung und Vertrauensdienste (eIDAS) geschaffen. Als Betreiber einer solchen Plattform käme bei den Befürwortern nur der Staat in Frage. (Bild: Sopra Steria)

Um das Identifizieren und Bezahlen im Internet zu vereinfachen, wurde die digitale Identität entwickelt und eingeführt. Immerhin 41 Prozent der Bürgerinnen und Bürger können sich derzeit vorstellen, Daten zentral auf einer digitalen Plattform zu speichern und zu managen. Fast alle der Befürworter wünschen sich als möglichen Plattformbetreiber allerdings staatliche Stellen, beispielsweise das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) oder eine bei den Meldeämtern angesiedelte Stelle, und nur acht Prozent die Privatwirtschaft.

Mehrwert der Plattformen

„Viele Bürgerinnen und Bürger glauben nicht, dass ihnen die Plattformen Mehrwerte bieten. Beides gilt es zu vereinen: Eine solche Plattform muss wie ein einfach zu nutzender Generalschlüssel funktionieren. Gleichzeitig müssen die schärfsten Vorkehrungen getroffen werden, dass dieser nicht in fremde Hände gerät“, so Olaf Janßen.

Eine mögliche Lösung, um Nutzererlebnis und Sicherheit zu verbinden, sind private Plattformen unter staatlicher Aufsicht. Das BSI hatte im Oktober auf dem Digitalgipfel der Bundesregierung in Dortmund einen Sicherheitskatalog (Security Framework) für digitale Identitäten vorgestellt. Plattformanbieter können sich beispielsweise den BSI-Rahmenbedingungen anschließen und damit dokumentieren, dass sie Vertrauensdienste bis zum Sicherheitsniveau „substantial“ gemäß der europäischen eIDAS-Verordnung realisieren können.

Weitere Ergebnisse

In der Bildergalerie finden Sie weitere Ergebnisse der Studie, wie:

  • die Einschätzung des aktuellen Digitalisierungsgrades bei Bund, Ländern und Kommunen,
  • die Bereitschaft, digitale Verwaltungsservices zu nutzen,
  • die Zufriedenheit mit dem aktuellen Digital-Government-Angebot,
  • die Möglichkeit, Online-Verwaltungsdienstleistungen zu vereinfachen sowie
  • die größten Hemmnisse für die Nutzung.

Über die Studie „Digital Government Barometer“

Das „Digital Government Barometer 2019“ fasst die Ergebnisse einer repräsentativen Online-Befragung von mehr als 6.000 Bürgern in Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien, Spanien und Norwegen im Auftrag von Sopra Steria im September 2019 zusammen. In Deutschland wurden 999 Bürgerinnen und Bürger befragt.

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posted am 06.02.2020 um 14:00 von woksoll


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