Nordrhein-Westfalen Online-Gewerbeanzeigen nehmen rasant zu

Autor: Julia Mutzbauer

In Nordrhein-Westfalen können Unternehmer über das „Wirtschafts-Service-Portal.NRW“ ihr Gewerbe vollständig digital und medienbruchfrei an-, um- und abmelden. Nach den Informationen des IT-Dienstleisters publicplan, der im Auftrag des Landes das Portal aufgebaut hat, ist die Nutzung des Online-Dienstes im März 2020 um 275 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen.

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In Nordrhein-Westfalen ist die Nutzung des Online-Service für Gewerbeanzeigen seit März 2020 deutlich gestiegen
In Nordrhein-Westfalen ist die Nutzung des Online-Service für Gewerbeanzeigen seit März 2020 deutlich gestiegen
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Laut IT-Dienstleister ist seit dem Beginn der coronabedingten Einschränkungen die Anzahl der Gewerbeanzeigen von unter 10.000 im Februar auf mehr als 26.000 im Oktober 2020 gestiegen. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zeigt sich ein Zuwachs von 275 Prozent, denn von April bis Oktober 2019 verzeichnete das Portal 4.302 Gewerbeanzeigen. Von April bis Oktober 2020 waren es 16.156.

Im Vergleich zum Vormonat lag die Wachstumsrate im März 2020 bei mehr als 50 Prozent: Das Gewerbeportal zählte 1.460 Gewerbeanzeigen, im Februar waren es 969. Im April verzeichnete das Portal mit 2.160 Anzeigen eine Wachstumsrate von mehr als 48 Prozent im Vergleich zum März. Im Februar meldeten 640 Gründer ihr Gewerbe bei der zuständigen Behörde per Mausklick an, im März 941 und im April 1.519. Der Trend hält an: Im August waren es bereits 1.596 und im Oktober 1.679. Und natürlich nutzen seit Beginn der Pandemie auch mehr Unternehmer das digitale Angebot, um ihr Gewerbe abzumelden: Im Februar taten dies 261, im April 449 und im Oktober 672 Personen.

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„Die Zahlen zeigen uns, dass die Maßnahmen, die die Politik zur Eindämmung der Pandemie ergriffen hat, der stockenden Digitalisierung im Public Sector einen kräftigen Schub geben. Der Druck auf die öffentliche Verwaltung ist gestiegen, digitale Behördengänge ohne Medienbrüche zu ermöglichen“, erklärt Christian Knebel, Geschäftsführer von publicplan. Nordrhein-Westfalen gelte mit seinem breiten eGovernment-Angebot bundesweit als Vorreiter. „Andere Bundesländer können die hier realisierten Open-Source-Lösungen wie das Wirtschafts-Service-Portal.NRW landesspezifisch adaptieren“, so der IT-Dienstleister.

Nach eigenen Angaben gehört der Anbieter zu den wenigen in Europa, die eGovernment-Lösungen auf Basis von Open-Source-Software realisieren. „Offene Systeme garantieren die Nachnutzung im Sinne des Credos ‚Public Money Public Code‘. Das heißt, dass auch andere Bundesländer bereits bestehende Lösungen nutzen können“, erläutert der IT-Dienstleister. „Diese Nachnutzung spart Zeit und Steuergeld bei der Umsetzung neuer Vorhaben und fördert Vielfalt und Sicherheit. Offene IT-Systeme erlauben Veränderungsprozesse und Zusammenarbeit und fördern Innovationen. Open-Source-Lösungen sind dabei mindestens so sicher wie proprietäre Lösungen: Die Quellcodes sind einsehbar und diese Transparenz sorgt für Sicherheit, denn Eindringlinge und Sicherheitslücken erkennt die aktive Entwickler-Community schnell“, ergänzt Christian Knebel.

In Nordrhein-Westfalen ist die digitale Gewerbeanzeige mit einer elektronischen Bezahlmöglichkeit (ePayBL) und einer automatisiert erzeugten Bescheinigung verknüpft. „Bei Fragen steht dem Nutzer ein smarter Dialogassistent zur Verfügung. So lassen sich Informationen rund um die Uhr und unabhängig von Öffnungszeiten der Gewerbeämter automatisch abrufen“, so publicplan. Das Portal wurde mit dem Open-Source-Content-Management-System „nrwGOV“ aufgebaut. Dies ist ein auf Drupal-8 basierendes CMS für die Internetauftritte und Portale aller Landesbehörden und Einrichtungen in NRW. Spätestens bis Ende des Jahres 2021 werde das Wirtschafts-Service-Portal.NRW an die Erfordernisse des Onlinezugangsgesetztes (OZG) angepasst sein. Das Gesetz verlangt, dass alle Verwaltungsleistungen bis Ende 2022 elektronisch und medienbruchfrei abgewickelt werden können.

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Redaktion, eGovernment Computing