Arbeit 4.0 & eGovernment

Ohne Veränderung geht es nicht

| Autor: Susanne Ehneß

Von den Babyboomers bis zur Generation Y – sie alle müssen in Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen zusammenarbeiten
Von den Babyboomers bis zur Generation Y – sie alle müssen in Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen zusammenarbeiten (© Andrew Stefanovskiy - stock.adobe.com)

Der demographische Wandel ist nicht schönzureden, parallel hängt Behörden und Verwaltungen noch immer ein leicht verstaubtes Image an. Wie kann man die Öffentliche Verwaltung für die Generationen Y und Z attraktiv gestalten?

Digitale Verwaltungsarbeit, atttraktive Arbeitsstrukturen, flache Hierarchien, kollegiale Führung – die Öffentliche Verwaltung ist zweifelsohne im Wandel. Dr. Steffi Burkhart, Vertreterin der Generation Y, bringt es auf den Punkt: „Die Verwaltung muss ihre Organisationskultur überdenken.“ In ihrem Vortrag auf dem Führungskräfteforum „Innovatives Management“ der MACH AG machte sie deutlich, was ihre Generation vom Public Sector erwartet:

  • keine Wartezeiten,
  • Leistungen „on demand“,
  • Platz für Freiheit,
  • keine Hierarchien.

Gute Voraussetzung: „Menschen mögen“

Gerade im Personalbereich muss sich etwas tun. „Mit hierarchischen Strukturen kommen wir nicht weiter“, macht Burkhart klar. Das Thema Führung müsse völlig neu angegangen werden. Dem pflichtet Silvia Bechtold, Vizepräsidentin des Bundesverwaltungsamts, bei: „Wir brauchen flache Strukturen und wechselnde Rollen.“ Man müsse „weg vom allmächtigen Chef“ und Führungskräfte eher nach Kompetenzen einteilen. „Wir brauchen Führungskräfte, die ihre Arbeit als Dienstleistung am Menschen sehen und diesen auch noch mögen“, stellt Bechtold klar.

Verwaltung – starr und nicht offen für Neues?

Flache Hierarchien und wechselnde Rollen könnten die Verwaltung attraktiv für junge Menschen machen. Auch Dr. Sönke E. Schulz, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied des schleswig-holsteinischen Landskreistages, sieht in der Führung das zentrale Problem: „Junge Mitarbeiter kommen in der Öffentlichen Verwaltung an, merken, dass sie nichts ändern können und passen sich an.“

Um zu verhindern, dass jeder positive Input von außen nicht im Keim erstickt wird, müssen Aufgaben und Rollen anders verteilt werden. Burkhart betonte, dass jede Einrichtung, jede Firma bestimmte Mitarbeiter anziehe: „Auch Banken und Versicherungen wollen kreative, digitale Köpfe, die sich aber aufgrund der starren Strukturen nicht bewerben.“ Die junge Generation werde bis zu achtmal den Job wechseln. „Die Arbeitgeber müssen die inneren Antreiber der jungen Generation triggern“, fordert Burkhart.

Die MACH AG geht bei der Suche nach Nachwuchs mittlerweile neue Wege, testet Plakatwerbung in U-Bahn und ICE und arbeitet mit der Uni Lübeck zusammen. „Der klassische Stellenmarkt ist nicht mehr unser Fokus“, stellt Vorstandsvorsitzender Rolf Sahre klar.

Bundesdienstrecht

Eine Hürde für wechselnde Rollen und Strukturwechsel dürfte das Bundesdienstrecht sein. „Beamtentum und Dienstbeschreibungen behindern die Modernisierung der Öffentlichen Verwaltung“, weiß Bundesverwaltungsamt-Vizepräsidentin Bechtold. Dennoch: Veränderungsmanagement müsse für Führungskräfte selbstverständlich werden – auch im öffentlichen Sektor.

„Was uns nervt, wird automatisiert“

Neben der Gewinnung neuer Mitarbeiter dürfe aber das Bestandspersonal nicht vernachlässigt werden. Ein „Miteinander“ von junger und älterer Generation müsse möglich sein. „Veränderung mag keiner“, weiß Bechtold, dennoch müssten sich auch die Älteren Richtung Digitalisierung bewegen.

Farina Steinert, Chief of Digital Happiness bei der oncampus GmbH, schlägt „Role Models“ vor: „Wir brauchen eine Vermenschlichung der Debatte.“ Sprich: Positive Beispiele von Personen, die für Digitalisierung stehen.

Eine Orientierung, eine Vision, ein Ziel zu haben – darin erkennt auch Schulz eine Bedeutung. „Mitarbeiter wollen für etwas stehen“, meint er. Unterstützend hierfür sei ein modernes Arbeitsumfeld. „Es gibt viele Standard-Abläufe, die eine Maschine übernehmen kann“, so Schulz. Dadurch bleibe mehr Luft für die Arbeit mit den Kunden. Was alles soll denn in der Öffentlichen Verwaltung von der IT übernommen werden? „Was uns nervt, wird automatisiert“, schlägt Schulz treffend vor.

„Wir wollen ja automatisieren“, betont Silvia Bechtold, „aber gleichzeitig haben wir einen Datenschutz und Förderalismus, die uns das erschweren.“

Daniel Günther, der als Ministerpräsident des Landes die Veranstaltung in Lübeck eröffnete, betonte bei aller Digitalisierung und Automatisierung: „Das persönliche Gespräch ist ein Wert, den man nicht aus den Augen verlieren sollte.“

Fotos der Referenten finden Sie in der kleinen Bildergalerie zum Führungskräfteforum:

Kommentar zu diesem Artikel abgeben

Schreiben Sie uns hier Ihre Meinung ...
(nicht registrierter User)

Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
Kommentar abschicken
copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 45626964 / Commerce & Procurement)