Verbundprojekt von Wirtschaft und Verwaltung Ökosystem Wald soll digital erfasst werden

Autor: Julia Mutzbauer

2022 startet das Verbundprojekt „Datenraum Wald und Holz (DWH 4.0)“, das durch ein Konsortium aus Wirtschaft, öffentlicher Verwaltung und Wissenschaft umgesetzt wird. Ziel ist es, den digitalen Datenraum Wald mit Hilfe der Leitprinzipien der europäischen GAIA-X-Initiative zu einem föderalen, offenen und interoperablen Ökosystem zu entwickeln.

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Martin Wibbe, CEO der Materna-Gruppe: „Mit dem Projekt DWH 4.0 werden wir zum Datenlieferant für eine nachhaltige Aufforstung und Bewirtschaftung des Waldes“
Martin Wibbe, CEO der Materna-Gruppe: „Mit dem Projekt DWH 4.0 werden wir zum Datenlieferant für eine nachhaltige Aufforstung und Bewirtschaftung des Waldes“
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Im Rahmen des Projekts werden unter der Federführung des Beratungsunternehmens Materna praxisnahe Anwendungen zur Vernetzung der Forst- und Holzwirtschaft entwickelt. „Für das Ökosystem Wald arbeiten in Deutschland mehr als eine Million Beschäftigte in rund 125.000 Unternehmen und sind in die Wertschöpfungskette vom Setzling bis zu den fertigen Holzprodukten eingebunden. Zum Ökosystem gehören auch mehr als zwei Millionen Privatwaldbesitzer, die etwa die Hälfte der gesamten Waldfläche besitzen. Heute sind die Digitalisierungsgrade der zahlreichen Beteiligten sehr unterschiedlich. Medienbrüche sind verbreitet, die Vernetzung ist gering und standardisierte Datenformate sind wenig verbreitet“, erläutert der IT-Dienstleister.

Um die bislang geschlossenen Datensilos aller Beteiligten zu erschließen und für die Nutzung smarter Services verfügbar zu machen, wollen die Projektpartner eine Föderationsdienste-Plattform aufbauen. Zudem soll der Wald als digitaler Zwilling abgebildet werden, um insbesondere die Folgen des Klimawandels für den Wald zu analysieren und eine nachhaltige Nutzung im Rahmen der Forst- und Holzwirtschaft zu ermöglichen. Hierzu wird der gesamte Prozess von der Bepflanzung über die Bewirtschaftung der Wälder über die Holzernte und die Holzlogistik bis zur Verarbeitung des Holzes dargestellt. Dies wird prototypisch anhand von drei Anwendungsfällen gezeigt:

  • Der erste Anwendungsfall betrifft die datengestützte, nachhaltige Bewirtschaftung des Waldbestands. Der datentechnische Zusammenschluss verschiedener Walddatenquellen ermöglicht ein umfangreiches und detailliertes Lagebild für das Wald-Monitoring.
  • Der zweite Anwendungsfall thematisiert den Datenaustausch für den Privatwald. Zum Ökosystem gehören Waldbesitzer, forstliche Dienstleister, forstliche Unternehmer, staatliche Förderstellen und die Holzindustrie. Für den sensiblen Datenaustausch soll eine effiziente, sichere, vertrauensvolle und leicht nutzbare Plattform bereitgestellt werden.
  • Der dritte Anwendungsfall betrifft die kollaborative und integrierte Holzwertschöpfungskette. Bislang digital nicht erschließbare Datenquellen sollen über den Datenraum zugänglich gemacht und der durchgängig digitale Austausch von Daten zwischen den Partnern der Wertschöpfungskette realisiert werden. Domänenspezifische Daten sind zum Beispiel Waldbestands-, Gelände-, Wege-, Holz-, Maschinen- und Logistikdaten.

Laut IT-Dienstleister stehen dabei umfangreiche technologische Grundlagen zur Verfügung. Dazu gehören Referenzimplementierungen aus dem Verbundprojekt Mobility Data Space (MobiDS) sowie der Mobilitätsdatenmarktplatz der Bundesanstalt für Straßenwesen, der als Datentreuhänderplattform der nationale Zugangspunkt für multimodale Mobilitätsdaten ist. „Beide besitzen bereits mit der GAIA-X-Zielarchitektur vergleichbare Funktionen. Die Arbeiten bauen ferner auf einer in der Holzwirtschaft erprobten Basis-Kommunikationsstruktur auf, die die Partner der RWTH Aachen und des RIF e.V. aus Dortmund in das Projekt einbringen“, heißt es.

„Mit dem Kompetenzzentrum Wald und Holz KWH 4.0 haben wir bereits entscheidende Vorarbeit geleistet, um mit dem angestrebten Projekt DWH 4.0 einen sicheren und vertrauenswürdigen digitalen Datenaustausch auf Knopfdruck für eine nachhaltige und klimafreundliche Forst- und Holzwirtschaft zu ermöglichen“ erklärt Prof. Jürgen Roßmann, Vorstand des RIF und Professor am Institut für Mensch-Maschine-Interaktion der RWTH Aachen.

Martin Wibbe, CEO der Materna-Gruppe betont: „Mit dem Projekt DWH 4.0 werden wir zum Datenlieferant für eine nachhaltige Aufforstung und Bewirtschaftung des Waldes. Vereinfacht ausgedrückt, können wir dazu beitragen, dass der Wald langfristig als CO2-Senke und Sauerstoff-Lieferant erhalten bleibt und zugleich die Holzwirtschaft unterstützen.“

Projektpartner

An dem bundesländerübergreifenden Projekt beteiligen sich neben Nordrhein-Westfalen mit dem Landesbetrieb Wald und Holz NRW auch die Länder Thüringen, das Saarland und Bayern. Auf Unternehmensseite sind sowohl die Forstwirtschaft als auch Maschinen- und Anlagenbauunternehmen als Datenlieferanten beteiligt.

Konsortialpartner sind Materna SE, RIF Institut für Forschung und Transfer e.V., RWTH Aachen, Gesellschaft für Navigations- und Logistikunterstützung in der Forst- und Holzwirtschaft mbH, foldAI, LOGIBALL GmbH, HSM Hohenloher Spezial Maschinenbau GmbH & Co. KG, ABIES ITS GmbH, Forstliches Forschungs- und Kompetenzzentrum Gotha (ThüringenForst) und der Landesbetrieb Wald und Holz NRW.

Förderung

Das Projekt wurde im Förderwettbewerb „Innovative und praxisnahe Anwendungen und Datenräume im digitalen Ökosystem GAIA-X“ mit einer Förderzusage ausgezeichnet. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) hatte den Förderwettbewerb für Verbundprojekte mit einem Mindestvolumen von jeweils zehn Millionen Euro und einer Laufzeit von drei Jahren ausgeschrieben. An dem Wettbewerb haben sich 131 Konsortien beteiligt, wobei 16 Projekte eine die Zusage für eine Förderung erhalten haben.

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 Julia Mutzbauer

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Redaktion, eGovernment Computing